Eine Ärztin hält eine Spritze mit dem Corona-Impfstoff in der Hand (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / ROBIN UTRECHT | ROBIN UTRECHT)

Die wichtigsten Fragen und Antworten

FAQ zur Corona-Impfung und zum Impfstoff

STAND

Das Thema Corona-Impfung beschäftigt viele Menschen. Wir geben Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Impfstoff, Funktionsweise und Nebenwirkungen.

In der Europäischen Union sind mittlerweile fünf Corona-Impfstoffe zugelassen - das Vakzin des Mainzer Unternehmens BioNTech und seines US-Partners Pfizer, das Vakzin von Moderna (USA) sowie die Impfstoffe des US-Unternehmens Johnson & Johnson und des britisch-schwedischen Konzerns AstraZeneca. Zuletzt hat der Corona-Impfstoff des US-Konzerns Novavax die EU-weite Zulassung erhalten.

Wie funktionieren die Impfstoffe?

Bei den Mitteln von BioNTech/Pfizer und Moderna handelt es sich um sogenannten mRNA-Impfstoffe (messenger-RNA, deutsch Boten-RNA). Zuvor wurde noch kein Impfstoff dieser Art für den Menschen zugelassen. Der Unterschied zu herkömmlichen Impfstoffen: Er enthält keine abgeschwächten oder abgetöteten Viren, sondern lediglich die Bauanleitung für einen Bestandteil des Covid-19-Erregers, genauer gesagt für ein Eiweiß der Virusoberfläche. Die Bauanleitung besteht aus dem Molekül mRNA. Auf ihrer Grundlage stellen die Körperzellen das Virusprotein her. Gegen dieses entwickelt der Körper dann seine Immunantwort. Bei späterem Kontakt mit dem Erreger erkennt das Immunsystem das Protein wieder und kann das Virus schnell gezielt bekämpfen. Weil der Impfstoff eben nur die Information für einen einzelnen Bestandteil des Virus enthält, besteht keine Gefahr, dass sich nach der Impfung Viren im Körper ausbreiten.

Die Mittel von AstraZeneca und Johnson & Johnson sind vektor-basierte Impfstoffe. Sie enthalten für den Menschen harmlose Erreger - die Vektoren. In diese wurde ein Gen eingebaut, das den Bauplan für das Virusprotein enthält. Wenn diese genetischen Informationen in die Zelle gelangen, werden dort die entsprechenden viralen Proteine nachgebaut, woraufhin das Immunsystem genau auf diese Proteine reagiert und Antikörper zur Abwehr des betreffenden Virus bildet.

Ist das Vakzin von Novavax ein Totimpfstoff?

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat inzwischen den Weg für die Zulassung eines fünften Impfstoffs in der EU freigemacht. Die EMA empfahl das Vakzin des US-Unternehmens Novavax. Die Auslieferung des Impfstoffs könnte im Januar beginnen. Die EU-Kommission hat im Namen der Mitgliedsstaaten bereits einen Kaufvertrag mit Novavax über bis zu 100 Millionen Impfstoffdosen in diesem und im nächsten Jahr geschlossen.

Nuvaxovid ist im Gegensatz zu den bisher zugelassenen Impfstoffen weder ein mRNA-Impfstoff (BioNTech, Moderna) noch ein Vektorimpfstoff (AstraZeneca, Johnson&Johnson), sondern ein so genannter Proteinimpfstoff. Im Gegensatz zu den bisher zugelassenen Wirkstoffen wird diese Technologie bei anderen Impfstoffen schon seit Jahrzehnten eingesetzt, beispielsweise bei der Grippeschutzimpfung. Daher könnte der Impfstoff auch für Menschen interessant sein, die Vorbehalte gegen die neuartigen Technologien der mRNA- und Vektorimpfstoffe haben.

Der Novavax-Impfstoff, der mitunter zu den sogenannten Totimpfstoffen gezählt wird, enthält das Spike-Protein des Covid-19-Erregers Sars-CoV-2. Dabei handelt es sich aber genau genommen nicht um abgetötete Virusbestandteile, die direkt aus dem Coronavirus gewonnen werden. Das Protein wird stattdessen gentechnisch hergestellt und im Labor in Insektenzellen vermehrt. Das menschliche Immunsystem bildet nach der Impfung Antikörper gegen das Protein.

Wird mit der genetischen Information des Virus in unser Erbgut eingegriffen?

Nein. Unser Erbgut lagert im Kern der Zelle. Dahin gelangt keine Viren-mRNA. mRNA ist in der Körperzelle eine Art Arbeitskopie der genetischen Information im Zellkern. mRNA unterscheidet sich chemisch von der eigentlichen DNA (Erbmolekül) und kann in diese nicht eingebaut werden.

Auch bei den vektor-basierten Impfstoffen von Astrazeneca und Johnson & Johnson ist nicht beabsichtigt, dass Virengene in die menschlichen DNA-Stränge aufgenommen werden. Das Robert Koch-Institut verweist in seinen Informationen zum Impfstoff von Astrazeneca darauf, dass die im Impfstoff enthaltenen Viren schnell vom Körper eliminiert würden. Es bestehe daher "nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft kein Risiko der Integration der Adenovirus-Vektor-DNA in das menschliche Genom".

Welchen Einfluss haben Virus-Mutationen auf die Wirksamkeit?

Das Erbgut der Coronaviren verändert sich laufend, das ist an sich nicht ungewöhnlich. Die genetischen Veränderungen können auch die Eigenschaften des Virus verändern, etwa dafür sorgen, dass es leichter menschliche Zellen befallen oder den Angriffen der Immunabwehr besser entkommen kann. Auch in Deutschland treten vermehrt Virus-Mutationen wie die hoch ansteckende Delta-Variante und die Omikron-Variante auf.

BioNTech/Pfizer empfehlen eine Auffrischungsimpfung mit ihrem bisherigen Impfstoff an, kündigten aber bereits eine Anpassung der Präparats im Hinblick auf die neue Mutante an.

Sandra Ciesek, Virologin am Universitätsklinikum Frankfurt, äußerte sich vorsichtiger. Sie wies darauf hin, dass aus ihrer Auswertung nicht herauszulesen sei, ob Geimpfte bei Omikron vor einem schweren Verlauf geschützt sind. Erste Labortests zur Wirkung der bisherigen Corona-Impfstoffen gegen Omikron deuteten auf eine schwächere Abwehrreaktion hin. "Die Daten bestärken, dass die Entwicklung eines an Omikron angepassten Impfstoffs sinnvoll ist", so Ciesek.

Ein Fläschen mit Corona-Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/BioNTech SE)
Ob die Wirksamkeit des Biontech-Impfstoffs unter realen Bedingungen auch bei 95 Prozent liegt, wird sich erst nach einigen Monaten zeigen picture alliance/dpa/BioNTech SE

Können Geimpfte andere noch anstecken?

Die Studien, die zu den bereits zugelassenen Impfstoffen von BioNTech und Moderna vorliegen, zeigen klar, dass sie eine Erkrankung mit Covid-19 verhindern können. Das schließt aber nicht aus, dass ein Geimpfter das Virus trotz der Impfung in seinen Körper aufnimmt und damit für andere durchaus ansteckend sein kann. Man sagt dann, der Geimpfte sei lediglich "klinisch immun". Allerdings gelten vollständig Geimpfte nach neuerer Experten-Meinung als deutlich weniger infektiös als nicht Geimpfte. Deenoch gibt es immer wieder Impfdurchbrüche, auch nach einer Auffrischungsimpfung. Allerdings haben sie oft weniger schwere Verläufe als Nichtgeimpfte.

Was sind mögliche Nebenwirkungen der Corona-Impfung?

Bei allen Corona-Impfstoffen können die für Vakzine üblichen Reaktionen auftreten: vorübergehende Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schmerzen an der Injektionsstelle, leichtes Fieber, Muskelschmerzen. Im Allgemeinen waren die Impfreaktionen schwach bis mäßig und klangen nach kurzer Zeit ab. Grundsätzlich traten Begleiterscheinungen öfter bei der zweiten Impfdosis auf.

Nach der Impfung mit dem Vakzin von Astrazeneca ist bei Impflingen in äußerst seltenen Fällen eine sogenannte Hirnvenenthrombose aufgetreten. Betroffen waren vor allem jüngere Frauen. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben deshalb beschlossen, den Impfstoff von AstraZeneca in der Regel nur noch Menschen ab 60 Jahren zu verabreichen. Für Jüngere ist eine Impfung damit nur nach Aufklärung über die Risiken auf eigene Gefahr möglich.

Die 90-jährige Britin Margaret Keenan bekommt als erster Mensch weltweit den BioNTech-Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/PA Wire | Jacob King)
Die 90-jährige Britin, Margaret Keenan, bekommt als erster Mensch weltweit den Biontech-Impfstoff gegen das Coronavirus picture alliance/dpa/PA Wire | Jacob King

Beim US-Pharmakonzern Johnson & Johnson hatte sich der Marktstart seines Impfstoffs in Europa verzögert. Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, hielt den Auslieferungsstopp des Unternehmens nach Meldungen über Thrombose-Fälle für eine "nachvollziehbare Maßnahme". Ähnlich wie bei dem Präparat von Astrazeneca hatte es auch bei Johnson & Johnson wenige Hirnvenenthrombosen gegeben, von denen einige tödlich endeten.

Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche

Die Europäische Arzneimittelbehörde hat mittlerweile die Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen, der BionTech-Impfstoff wurde in der Folge auch für Kinder ab fünf Jahren zugelassen. Im August hatte die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Impfempfehlung ab zwölf Jahren ausgesprochen. Bei den jüngeren Kindern hat die STIKO eine solche nicht veröffentlicht. Vielmehr empfiehlt sie die Impfung für Kinder von fünf bis elf Jahren, die Vorerkrankungen oder Kontakt zu Risikopatienten haben. Gesunde Kinder können bei individuellem Wunsch geimpft werden.

Wie laufen die Impfungen ab?

Vom Impfbus bis zur Spritze: Hier alle wichtigen Infos für Rheinland-Pfalz im Überblick:

Gibt es eine Impfpflicht?

Bislang gibt es keine allgemeine Impfpflicht. Aber ab dem 15. März gilt eine Impfpflicht im Gesundheitswesen - es wird von einer einrichtungsbezogenen Impfpflicht gesprochen. Ungeimpfte Mitarbeitende müssen ab dann mit einem Bußgeld von 500 Euro rechnen. Außerdem kann ihnen der Zutritt zu ihrem Arbeitsplatz verwehrt werden.

Ging die Entwicklung des Impfstoffes nicht viel zu schnell?

Früher dauerte die Züchtung von ungefährlichen Impfviren viele Jahre. Doch mit gentechnischen Verfahren lassen sich seit wenigen Jahren Impfstoffe innerhalb von Monaten entwickeln. Außerdem wird das Zulassungsverfahren für die Covid-19-Impfung als "Rolling Review" durchgeführt. Das heißt, die Behörden haben von den Unternehmen ständig Daten aus den Zulassungsstudien bekommen und konnten diese schon vor dem Abschluss der Studien auswerten. 

Mit wie vielen Menschen und wie wurden die Studien durchgeführt?

Biontech und Pfizer haben in ihre Studie weltweit rund 45.000 Probanden einbezogen - aus allen Altersklassen und unterschiedlichen ethnischen Gruppen. Dabei wurden die Teilnehmer im Abstand von drei Wochen zweimal geimpft. Je die Hälfte bekam ein Placebo.

Ist die Bevölkerung jetzt das "Versuchskaninchen"?

Es müssen vor der Zulassung Studien mit Tausenden von Probanden durchgeführt werden, um gravierende Nebenwirkungen auszuschließen. Nach der Zulassung können bei der sehr großen Zahl von Geimpften dann allerdings auch sehr seltene Nebenwirkungen des Impfstoffs sichtbar werden. Ein Restrisiko besteht also. Auch PEI-Präsident Cichutek und RKI-Chef Wieler räumen ein: Langzeiterfahrungen gibt es nicht. Doch mit den Tests vor der Zulassung gibt es Erfahrungen über drei bis vier Monate. "Es deutet nichts darauf hin, dass es hier Besonderheiten gibt oder irgendwelche schweren Nebenwirkungen", sagt Cichutek. Diese Einschätzung beruhe nicht nur auf den Tests an Patienten, sondern auch auf Untersuchungen an Affen und weiteren Studien zu möglichen Folgen.

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