Eine Frau schiebt ihr Fahrrad durch den Schlamm. Anwohner und Ladeninhaber versuchen, ihre Häuser vom Schlamm zu befreien und unbrauchbares Mobiliar nach draußen zu bringen.

Opposition reagiert mit Unverständnis

ADD-Vizepräsidentin machte kurz nach Ahr-Flut zwei Wochen Urlaub

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Dirk Rodenkirch
Dirk Rodenkirch

Die Opposition im rheinland-pfälzischen Landtag hat ADD-Präsident Thomas Linnertz kritisiert, weil er seine Stellvertreterin gut zwei Wochen nach der Flutkatastrophe im Ahrtal in Urlaub fahren ließ.

Die Landeskatastrophenschutzbehörde ADD bestätigte dem SWR nun, dass die damalige Vizepräsidentin Begoña Hermann ab dem 31. Juli 2021 einen 14-tägigen Urlaub gemacht hatte. Die ADD hatte damals die Einsatzleitung nach der größten Naturkatastrophe in Rheinland-Pfalz inne und war mit der Krisenbewältigung beschäftigt. Im Untersuchungsausschuss des Landtags erklärte Hermann am vergangenen Freitag, sie könne sich nicht erinnern, wie lange dieser Urlaub gedauert habe.

ADD: Präsident Linnertz genehmigte Urlaub vor Ahr-Flut

Der Behörde zufolge hatte ADD-Präsident Thomas Linnertz den Urlaub schon vor der Flutkatastrophe genehmigt. Der Urlaub sei unter Abwägung der Situation aufrechterhalten worden. Die Abwesenheit der Vizepräsidentin habe sich nicht nachteilig auf die Arbeit der ADD vor Ort ausgewirkt, so ein Sprecher der Behörde. Die notwendigen Positionen seien zu jedem Zeitpunkt vollumfänglich besetzt gewesen. Die Einsatzleitung habe grundsätzlich dauerhaft bei Präsident Linnertz gelegen.

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Opposition: Urlaub der ADD-Vizepräsidentin inakzeptabel

Die rheinland-pfälzische Opposition reagierte mit Unverständnis auf den Urlaub der ADD-Vizepräsidentin. Der Obmann der CDU im U-Ausschuss, Dirk Herber, spricht "von einem starken Stück". Dem SWR sagte Herber: Dass ADD-Präsident Linnertz keine Urlaubssperre verhängt habe und seine Stellvertreterin in einen zweiwöchigen Urlaub fahren ließ, zeige, wie wenig ernst man die Lage in der ganzen Behörde genommen habe.

Der Obmann der Freien Wähler, Stephan Wefelscheid, sagte dem SWR, ADD-Präsident Linnertz hätte die Genehmigung für den Urlaub seiner Stellvertreterin widerrufen müssen. Es sei unverantwortlich gewesen, als Führungskraft rund zwei Wochen nach der Ahrflut in Urlaub zu fahren. Zu diesem Zeitpunkt habe es unter anderem große Probleme gegeben, die Hilfskräfte aus allen Teilen Deutschland zu koordinieren.

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Ähnlich sieht das Michael Frisch. Der AfD-Obmann sagte dem SWR: "Wenn man bedenkt, dass da tausende von ehrenamtlichen Helfern im Flutgebiet für die Menschen bis zur völligen Erschöpfung gearbeitet haben - teilweise selbst in ihrem Urlaub - dann ist es völlig inakzeptabel, dass die Vizepräsidentin der ADD mit Zustimmung ihres Chefs sich zwei Wochen Erholung gegönnt hat."

Auch AfD fordert nun Rücktritt von Linnertz

Nach CDU und Freien Wählern fordert inzwischen auch die AfD-Fraktion den Rücktritt von ADD-Präsident Linnertz. Nach Ansicht der Oppositionsfraktionen hat die Landesbehörde in der Flutnacht versagt. Zudem sei sie auf die Übernahme der Einsatzleitung nicht vorbereitet gewesen. "Die politische Verantwortung für all diese Versäumnisse liegt beim ADD-Präsidenten. Der Rücktritt von Herrn Linnertz ist daher unvermeidlich geboten", so Frisch.“

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Er steht bei der Opposition heftig in der Kritik - am Freitag hat sich ADD-Präsident Thomas Linnertz in U-Ausschuss des Landtags verteidigt. Er räumte aber auch Probleme ein.

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 Linnertz räumt im U-Ausschuss Probleme ein

Im Untersuchungsausschuss hatte Linnertz am Freitag zugegeben, dass es nach der Übernahme der Einsatzleitung im Ahrtal Probleme gab. So habe es zu lange gedauert, die Gesamtlage zu erfassen. Er sprach zudem von internen Abstimmungsschwierigkeiten und Reibungsverlusten durch häufige Personalwechsel, da die Behörde auf viele auswärtige Einsatzkräfte habe zurückgreifen müssen. Der Untersuchungsausschuss hat nun einen Sachverständigen beauftragt, ein Gutachten zum Krisenmanagement der ADD zu erstellen. Es soll am 24. März vorgestellt werden.

Die frühere rheinland-pfälzische Umweltministerin Anne Spiegel (Grüne) war im vergangen Jahr als Bundesfamilienministerin zurückgetreten. Zuvor hatte sie zugegeben, kurz nach der Ahr-Flut einen vierwöchigen Urlaub mit der Familie gemacht zu haben.

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