Bllick durch einen Bauzaun auf das Museum Ulm. Seit genau einem Jahr ist das Museum Ulm eine Baustelle. Die Herausforderung: in den sieben Gebäuden treffen sieben Jahrhunderte aufeinander. Der Gebäudekomplex entpuppt sich als baugeschichtliches Überraschungsei.

Ist das Denkmalschutz oder kann das weg?

Umbau im Museum Ulm als baugeschichtliches Überraschungsei

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Hannah Schulze
Hannah Schulze

Seit einem Jahr ist das Museum Ulm für den Umbau geschlossen. Die architektonische Herausforderung der Baustelle: in den sieben Gebäuden treffen sieben Jahrhunderte aufeinander.

Für den großen Umbau wurde das Museum Ulm vor genau einem Jahr geschlossen. Dem Gebäudeensemble in der Innenstadt, bestehend aus sieben Häusern, geht es an den Kragen. Schritt für Schritt untersuchen Architekten und Denkmalberater die Bausubstanz, die die Experten auf eine Reise in die Geschichte Ulms mitnimmt.

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Die neue Heimat des Löwenmenschens - das "Ehinger Stadel"

In der Säulenhalle des Ehinger Stadels, dem Gebäude direkt an der Neuen Straße, soll später der Löwenmensch seine neue Heimat finden. Derzeit eine Baustelle, Teile des Bodens sind aufgebrochen und das ist nur der Anfang: "Die Arbeiten im Boden werden wir dauerhaft archäologisch begleiten müssen", sagt Daniel Pfeffer, leitender Architekt. "Wir haben Hinweise, dass die Archäologie hier fündig wird." Die alten Gemäuer in diesem Haus schätzen die Experten auf das 15. Jahrhundert.

Blick in eine Baustelle: Das Museum Ulm wird derzeit umgebaut und kernsaniert, damit der Löwenmensch wieder eine neue Heimat findet. 2027 soll der Umbau der Gebäude abgeschlossen sein und das Museum wieder öffnen.
Noch ist der "Ehinger Stadel" des Museums Ulm eine Baustelle und bringt immer wieder neue baugeschichtliche Überraschungen zum Vorschein. In der Säulenhalle soll später die Heimat des Löwenmenschen sein - ungefähr da, wo der Sockel steht.

Alte Baupläne zeigen, dass hier ein Tresorraum gewesen sein muss. Die Wände waren ursprünglich nicht weiß, sondern mit Fresken bemalt, die vermutlich in den 50er Jahren entfernt wurden. "Würden wir heute anders machen, denn es war eine ganz ausgezeichnete Malerei", sagt Denkmalmanager Christoph Kleiber.

Im Dachgeschoss des Ehinger Stadels kommt uraltes Zimmermannshandwerk zum Vorschein - Holzbalken aus dem Jahr 1444. Eine Zeit, in der an dieser Stelle auch nachweislich Häuser standen. "Wir haben einen Beleg aus der Zeit, ein Verkauf innerhalb der Ehingerschen Familie - daher auch Ehinger Stadel", so Kleiber. Die alten Balken müssen bleiben, sie genießen Bestandsschutz.

Rot schraffierte Umbaupläne eines Gebäudekomplexes. Die sieben zusammenhängenden Gebäude des Museums Ulm werden derzeit umgebaut und kernsaniert. Die Baustelle bringt tagtäglich neue Überraschungen hervor.
Die sieben zusammenhängenden Gebäude des Museums Ulm werden derzeit umgebaut und kernsaniert: Die jetzt begonnen Bauabschnitte 1 und 2 betreffen die historischen Gebäude "Gewerbebank" und "Ehinger Stadel". Gebäude, deren Gemäuer auf das 15. Jahrhundert datiert werden.

Das Museum Ulm als baugeschichtliches Überraschungsei

Im angrenzenden Nachbargebäude "Gewerbebank" zeugen schwarze Brandmale am Gemäuer von der Bombennacht 1944. Das Haus brannte bis auf die historischen Deckenbalken im Erdgeschoss nieder. "Die Balken gehen weit zurück bis ins 16. Jahrhundert", sagt Architekt Pfeffer. Das Interessante: "Wenn wir nach oben schauen, haben wir hier im Haus eine Abfolge von geschichtlichen Ereignissen."

In ersten Stock zeigt sich eine Betonsteindecke. Eine Etage darüber kommt eine Betonrippendecke zum Vorschein, bislang unter weißen Platten versteckt: "Das ist Handarbeit aus den 50er Jahren. Ein Schmuckstück", so der Architekt. "Das arbeiten wir in die neuen Büroräume mit ein." Solche Überraschungen seien Alltag beim Umbau des Museums Ulm. "Wir öffnen einen neuen Bereich, gewinnen neue Erkenntnisse und agieren dann."

Ich, als Ulmer, wusste selbst nicht, wie alt dieses Gebäude ist.

Der Zustand des Museums von außen sei im Wesentlichen von den 1920er Jahren geprägt. "Es war von außen nicht ablesbar, was wir hier für eine reiche Geschichte vorfinden und wie viele Schichten wir hier freilegen werden", sagt Daniel Pfeffer. Selbst ihm, als Ulmer, sei nicht bewusst gewesen, wie alt dieses Gebäude ist.

Ein Mann in Warnweste reißt Tapeten von der Wand. Baustelle statt Museum: Das Museum Ulm wird derzeit umgebaut und kernsaniert, damit der Löwenmensch wieder eine neue Heimat findet.
Einfach Wände einreißen geht im Museum Ulm nicht - es wird vorsichtig geöffnet, geprüft und die Pläne der Architekten an den Denkmalschutz angepasst. Hinter dieser Wand im Ehinger Stadel befindet sich laut Bauplan eine alte Fensternische.

Gebäude werden umgebaut, saniert oder abgerissen

Auch wenn Museumsleiterin Stefanie Dathe derzeit keine Ausstellungen in den Gebäuden zu betreuen hat, hat sie mit der Neukonzipierung des Museums alle Hände voll zu tun. Insgesamt vier von sieben Gebäuden werden umgebaut, eines davon abgerissen: "Das gibt uns die große Chance, dass wir das gesamte Haus neu betrachten. Wir können sämtliche Bereiche und das Programm des Museums neu überarbeiten."

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Trotz Herausforderungen: Umbau im Kosten- und Zeitplan

Ziel der Sanierung ist, das Museum mit seinen sieben Häusern wahrnehmbarer zu machen. "Das Gebäudeensemble zu einem schlüssigen Ganzen zusammenfügen", sagt Architekt Daniel Pfeffer. Insgesamt 18,4 Millionen Euro soll der Um- und Neubau des Museums kosten. Bislang ist alles sowohl im Kosten- als auch im Zeitplan: "Es sieht ganz danach aus, dass wir Ende des Jahres mit der Verwaltung, der Restaurierung und der Museumspädagogik in die neusanierten Gebäude einziehen können", so die Museumsleiterin.

Am 4. Oktober 2025 wird zum 100. Mal die Eröffnung des Museums gefeiert, auf eine etwas andere Art: "Das feiern wir mit einer Abrissbirne", sagt Stefanie Dathe. In diesem Zeitraum soll im Rahmen des Bauabschnitts 3 das Eingangsgebäude abgerissen werden. 2027 sollen die Bauarbeiten dann komplett abgeschlossen sein.

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