Die Umsiedlung von Tauben in Reutlingen wird vom Verein "Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg" kritisiert. (Foto: Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg)

Einige Tiere im Netz gefangen

Tierschützer in Reutlingen empört über Tauben-Umsiedlung

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AUTOR/IN
Maren Seehuber
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Andrea Schuster

Seit Jahren ärgern sich Passanten über Vogelkot unter einer Reutlinger Brücke. Die Stadt versucht es jetzt mit einer Umsiedlung. Doch die geht Tierschützern viel zu schnell.

Die Stadt Reutlingen versucht, die Tauben unter der Eisenbahnbrücke "Unter den Linden" umzusiedeln, da sich immer wieder Passanten über verschmutzte Gehwege beschwert haben.

Ein neu errichtetes Taubenhaus auf dem Dach der Post soll das Problem lösen und den Tauben eine neue Heimat geben. Mit Eier-Attrappen will man dort die Population tierschutzgerecht reduzieren, so die Stadt. Für den Umzug der Tauben wurde eine zertifizierte Vergrämungsfirma beauftragt.

Tierschützer sind alarmiert

Inzwischen wurden einige Vögel in das Taubenhaus umgesetzt. Ein Netz unter der Brücke soll verhindern, dass die Tauben wieder zurückfliegen. Tierschützer halten das Taubenhaus zwar für ein gute Idee, kritisieren aber die Umsetzung des Projekts. Tauben seien standorttreue Tiere und könnten nicht innerhalb weniger Tage dauerhaft umgesiedelt werden, sagt der Verein Menschen für Tierrechte.

Eine Sprecherin sagte dem SWR, das Netz halte etwa 20 Tiere im Gestänge gefangen, wie auch Bilder des Vereins dokumentieren. Privatleute hätten sich der Küken angenommen und über die Osterfeiertage gefüttert, so der Verein. Mittlerweile seien keine Küken mehr hinter dem Netz und auch die restlichen Tauben werde man mit Futterboxen einfangen und nach und nach herausholen.

Umsiedlung braucht Zeit

Dass eine artgerechte Umsiedlung eigentlich viel mehr Zeit als nur knapp zwei Wochen braucht, sieht laut einem Bericht der Lokalzeitung auch das Veterinäramt so. Die Tierschützer halten das Vorgehen für nicht vereinbar mit dem Tierschutzgesetz. Der Verein plant deshalb eine Klage gegen die Stadt und will außerdem die Vergrämungsfirma auf ihre Zulassung hin überprüfen lassen.

Laut Stadtverwaltung wurde mit Hochdruck daran gearbeitet, die verbliebenen Tauben aus dem Brückenbereich zu entfernen, ohne sie zu gefährden. Allerdings habe eine unbekannte Person am Karfreitag die Arbeiten erschwert. Ein Netz an der Brücke sei durchschnitten und Futter für die Tauben ausgelegt worden. Deshalb seien zwischenzeitlich wieder Tauben unter die Brücke geflogen.

Keine Tauben mehr unter der Brücke

Mittlerweile ist das Taubennetz vollständig unter der Brücke angebracht. Vögel seien darunter keine eingeschlossen, so die Stadtverwaltung am Freitag. Den Tauben stehe nun mit dem Taubenhaus auf dem Dach des Postgebäudes ein neuer Unterschlupf zur Verfügung. Ob die Tauben das neue Zuhause annehmen, wird sich zeigen. Tun sie es, wäre der Bürgersteig unter der Eisenbahnbrücke in Reutlingen frei von Taubenkot.

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