Der Maiwagen am ersten Mai am Busbahnhof in Nagold: Wie auf Sylt haben die Mitfahrenden ausländerfeindliche Parolen gegrölt. Das Bild stammt aus dem aktuell verbreiteten Video.

Ermittlungen wegen Volksverhetzung

Wie auf Sylt: Menschen auf Maiwagen in Nagold grölen rassistische Parolen

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Tobias Faißt
Tobias Faißt arbeitet als multimedialer Reporter im SWR Studio Tübingen.

Nachdem junge Menschen auf Sylt mit rechten Parolen aufgefallen sind, wird aktuell ein Video aus Nagold verbreitet. Auch dort grölen Mitfahrer eines Maiwagens "Ausländer raus".

Die Szenen, wie junge Menschen auf Sylt ausländerfeindliche Parolen skandieren, haben bundesweit für Empörung gesorgt. Ein Einzelfall ist das jedoch nicht. Aktuell wird ein Video aus Nagold (Landkreis Calw) auf diversen Plattformen verbreitet, das bereits am 1. Mai entstanden ist. Wie auf Sylt grölen Mitfahrende eines Maiwagens die Parolen "Deutschland den Deutschen" und "Ausländer raus" auf die Melodie von "L' Amour Toujours".

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Weiteres Video zeigt Maiwagen und Mitfahrer

Die Staatsanwaltschaft Tübingen und die Kriminalpolizei Calw ermitteln in dem Fall wegen Volksverhetzung. Im geteilten Video sind die Mitfahrer nicht zu sehen, weil aus dem Maiwagen gefilmt wird. Doch in den gut 40 Sekunden sind Menschen am ZOB in Nagold zu erkennen, die ebenfalls filmen. Ein Video liegt der Polizei als Beweismittel vor, bestätigt ein Sprecher auf Nachfrage.

Organisiert wurde die Maiwagenaktion von den "Bauwagenfreunden Nordschwarzwald", die sich unter anderem in einem Facebook-Post kurz nach dem Vorfall deutlich distanziert haben. Im Gespräch mit dem SWR sagt die Vorsitzende, Ricarda Becker, dass auf dem Maiwagen keine Mitglieder des Vereins mitgefahren sind. Die CDU-Kommunalpolitikerin hofft, dass die Polizei die Grölenden dank des weiteren Videos schnell identifizieren kann.

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Stuttgarter Hofbräu: "Fürchterliches Video"

In einer Spiegelung in den Fenstern eines Busses ist deutlich der Schriftzug "Stuttgarter Hofbräu" auf einem Banner zu erkennen. "Wir sind erst an diesem Wochenende auf das Video aufmerksam gemacht worden - und entsetzt, dass unsere Marke in einem solchen Umfeld von Hass und Fremdenfeindlichkeit verwendet wurde", antwortet Martin Alber, Sprecher der Geschäftsleitung bei Stuttgarter Hofbräu, auf Nachfrage des SWR und schreibt von einem "fürchterlichen Video".

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Die Brauerei möchte Anzeige erstatten und verweist drauf, dass die Menschen, die in dem Video zu hören sind, kein Teil des offiziellen Sponsorings sind. "Wir unterstützen zwar immer mal wieder Vereine, Organisationen oder Einzelgruppen rund um Feiertage wie den 1. Mai mit kleinsten Mengen Freiware", so Alber. "Allerdings ganz sicher nicht, wenn diese erkennbar aus politisch extremen Randbereichen stammen."

Stadt Nagold geht von Ermittlungserfolg aus

Bei der Stadt Nagold spricht Bürgermeister Hagen Breitling (parteilos), der unter anderem für das Ordnungsamt zuständig ist, von einem deutlich entgleisten Maiwagenbrauch. Diese habe zudem an einer Stelle stattgefunden, wo Maiwagen an sich schon nichts verloren haben. "Wir gehen weiter davon aus, dass die Täter ermittelt werden", sagt Breitling dem SWR.

Die Stadt ändert an ihrer Haltung zu diesem Vorfall nichts. Er ist absolut zu missbilligen.

Rechte kapern Song "L' Amour Toujours"

Sylt und Nagold sind nicht die einzigen Vorfälle, in dem rechte Parolen zum Hit "L' Amour Toujours" gegrölt werden. Der Song gilt mittlerweile als Erkennungsmelodie von Rechten, erläutert Lars Hendrik Beger im Deutschlandfunk. Auf dem Oktoberfest soll das Lied verboten werden. Gleiches gilt für die Fanzone in Stuttgart während der Fußball-Europameisterschaft und den Cannstatter Wasen.

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Gigi D'Agostino, der 2001 mit "L' Amour Toujours" einen seiner größten Hits gelandet hatte, hat sich mittlerweile ebenfalls zu dem rassistischen TikTok-Trend, für den das Lied missbraucht wird, geäußert. Der SPIEGEL hatte den DJ nach eigenen Angaben schon im Februar in der Sache angeschrieben und nach dem Vorfall in Sylt Antwort erhalten. D'Agostino möchte "L' Amour Toujours" als Hymne an die Liebe verstanden wissen.

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