Auf eine halb durchsichtige Wand auf der Bühne werden historische Bilder und das aktuelle Bühnengeschehen projeziert. (Foto: SWR, Peter Binder)

Theater Melchingen inszeniert Stück über Politiker und Widerständler

Premiere in Rottenburg: Eugen Bolz - Die ganze Hand

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AUTOR/IN
Peter Binder

Eugen Bolz aus Rottenburg (Kreis Tübingen) war anfangs kein Widerständler. Aber er schloss sich dem Widerstand an und wurde von den Nazis ermordet. Ein Theaterstück erzählt sein Leben.

Das Stück "Die ganze Hand. Eugen Bolz. Politiker und Widerständler" feierte am Donnerstagabend Premiere in der Rottenburger Festhalle. Die Stadt Rottenburg hatte es beim Theater Lindenhof Melchingen in Auftrag gegeben.

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Eugen Bolz bezahlte mit dem Leben

Geschrieben hat das Stück der Autor Jeremias Heppeler. Der Titel stammt aus dem Sprichwort: "Wenn man dem Teufel den kleinen Finger gibt, so nimmt er die ganze Hand". Eugen Bolz hatte Hitler den kleinen Finger gegeben, indem er dem Ermächtigungsgesetz zugestimmt hatte. Damit stand der nationalsozialistischen Diktatur nichts mehr im Wege. Bolz bezahlte mit mehr als einer Hand - er wurde gefoltert und hingerichtet.

Als Staatspräsident in Schutzhaft auf dem Asberg

Zunächst haben die Nazis Bolz, der als Württembergischer Staatspräsident eine Rede Hitlers in Stuttgart verboten hatte, nur in "Schutzhaft" genommen. Bolz zog sich danach ins Kloster Beuron und ins Privatleben zurück. Später schloss er sich aber dem Widerstand um Stauffenberg an. Wäre das Attentat auf Hitler geglückt, hätte Bolz vermutlich das Reichskulturministerium bekommen.

Das Attentat scheiterte, die Nazis folterten Eugen Bolz und ermordeten ihn. Der gläubige Katholik und konservative Zentrums-Politiker eignet sich, betrachtet man seine Biografie, nicht in jedem Moment für Heldenverehrung. Aber gerade, dass er nicht von Angang an im Widerstand war, macht ihn für die Theatermacher des Lindenhofs Melchingen besonders interessant.

"Bei offensichtlichem und dauerndem Missbrauch der Staatsgewalt besteht ein Notwehrrecht des Volkes."

Auf eine halb durchsichtige Wand auf der Bühne werden historische Bilder und das aktuelle Bühnengeschehen projeziert. (Foto: SWR, Peter Binder)
Wie Eugen Bolz im Gefängnis gefoltert wurde, wird dem Pubilikum nur als Schattenspiel zugemutet. Peter Binder

Viele Facetten einer Figur

Das Stück versucht, sich der historischen Figur Bolz aus verschiedenen Perspektiven zu nähern, man lernt ihn in unterschiedlichen Lebensfeldern kennen: als Politiker, als Familienvater, als Gefangener im Angesicht des Todes. Und man bleibt sich dessen bewusst, dass man ein Theaterstück sieht, eine Annäherung an eine historische Persönlichkeit, nicht die Persönlichkeit selbst. Optisch geschieht das auf der Bühne in der Rottenburger Festhalle auch, indem historische Fotografien mit bewegten Bildern der Darsteller überblendet werden, die zeitgleich entstehen.

Weitere Spieltermine

Nach der Premiere gibt es weitere Spieltermine am Samstag, 26. November, am Freitag 10. März 2023, und am Sonntag, 12. März 2023. In Melchingen wird das Stück zum ersten Mal am 28. Januar 2023 aufgeführt.

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