Schlossanlage und Park des Heitersheimer Schlosses (Foto: SWR, Jan Lehmann)

Aus Shanghai nach Südbaden

Wer ist der Investor aus China fürs Heitersheimer Malteserschloss?

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AUTOR/IN
Steffen Wurzel (ARD Shanghai)
Online-Fassung: Markus Gutting

Im südbadischen Heitersheim bei Freiburg tobt ein Streit um das Wahrzeichen der kleinen Stadt, das Malteserschloss. Noch wohnen dort Ordensschwestern. In einigen Jahren aber soll aus dem Schloss eine Privatschule werden.

Es gibt seit Jahren Streit. Selbst ein Volksentscheid brachte keine Ruhe. Die Kritiker*innen stören sich unter anderem an der Tatsache, dass der geplante Investor der Privatschule ein chinesischer Bildungsunternehmer ist, der nebenbei auch im chinesischen Scheinparlament, dem Volkskongress in Peking, sitzt. SWR-Korrespondent Steffen Wurzel aus dem ARD-Hörfunkstudio Shanghai stellt den umstrittenen Chinesen vor.

Seinen Lebenstraum, eine internationale Privat-Schule zu gründen, den hat sich Wang Jiapeng bereits vor fünf Jahren erfüllt. Das damals von ihm in Changshu bei Shanghai gegründete Internat gehört zum internationalen Privatschul-Netzwerk der United World Colleges. Der heute 39-Jährige hat in den 1990er-Jahren in Norwegen selbst ein United World College besucht. Finanziert wurde seine Spitzenausbildung damals von einem Stipendium. Und noch als Schüler habe er sich vorgenommen, selbst eines Tages eine Privatschule zu gründen, erzählt Wang, um der Gesellschaft etwas zurückzugeben.

„Sie glauben mir das vielleicht nicht, aber als ich 18, 19 war, war ich so mutig, dass ich mir gesagt habe: Ich habe zwar nur 200 US-Dollar in der Tasche, lebe aus zwei Koffern und trage zwei Krücken mit mir herum – aber ich träume davon, in China ein College aufzubauen.“

Auf die zwei Krücken, von denen Wang Jiapeng erzählt, ist er noch heute angewiesen. Als er zwölf war, überlebte er im Norden Chinas schwer verletzt einen Flugzeugabsturz. Seitdem ist Wang gehandicapt. Seit Jahren setzt er sich in seiner Heimat für die Rechte körperbehinderter Menschen ein. Wangs zweite Mission: junge Menschen weltweit bestmöglich auszubilden. Sein neues Projekt: Im südbadischen Heitersheim will er ein Schloss, in dem bisher 49 hochbetagte Ordensschwestern leben, in ein Internat umwandeln. Und zwar gemeinsam mit seinem langjährigen Freund, dem Freiburger Medienunternehmer Christian Hodeige. Er selbst sei bei dem Projekt fürs Finanzielle zuständig, Hodeige fürs Konzeptionelle.

„Wir glauben, dass das Schloss Heitersheim perfekt geeignet ist. Die Lage, die Nähe zu Freiburg, zu Frankreich und zur Schweiz – das ist eine exzellente Umgebung, um den Schülerinnen und Schülern eine internationale Erfahrung mitzugeben.“

Umstrittener Investor fürs Heitersheimer Malteserschloss Wang Jiapeng beim Interview im ARD Hörfunk-Studio Shanghai (Foto: SWR, ARD Studio Shanghai)
Umstrittener Investor fürs Heitersheimer Malteserschloss: Wang Jiapeng beim Interview im ARD Hörfunk-Studio Shanghai ARD Studio Shanghai

Das geplante Engagement Wang Jiapengs in Heitersheim ist in der Region – vorsichtig ausgedrückt – nicht unumstritten. Doch das störe ihn nicht, sagt er im Gespräch mit dem ARD-Hörfunk.

„Man trifft überall Menschen mit verschiedenen Meinungen. Das respektiere ich. Darum geht es ja bei einer guten Schul- und Universitätsausbildung. Ich war in der Region unterwegs, habe gemeinsam mit Christian Hodeige mit den Menschen vor Ort gesprochen und ich bewundere das deutsche System, wo die Stimme eines jeden wichtig ist.“

Dass genau das in Wangs Heimat, in China, nicht so ist, das stört viele in und um Freiburg. Und auch, dass Wang Jiapeng nicht nur anerkannter Bildungsunternehmer ist, sondern auch im chinesischen Volkskongress sitzt. Also im nicht demokratisch legitimierten chinesischen Scheinparlament, das einmal im Jahr die Entscheidungen der kommunistischen Führung abnickt. Darauf angesprochen antwortet Wang ausweichend:

„Wir haben unterschiedliche politische Systeme. Ich will nicht bewerten, welches besser und welches schlechter ist. Letztlich streben wir alle nach Frieden und gutem Essen. Und vielleicht gutem Wein.“

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