Ein Mann fährt auf einem Lastenrad. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst)

Konflikte im Straßenverkehr

Immer mehr Lastenräder - auf Freiburgs Radwegen wird es eng

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Matthias Schlott
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Wera Engelhardt

Der Radverkehr boomt. Um dem Herr zu werden, müssen Städte und Kommunen ihr Radwegenetz ausbauen. Doch es ist nicht einfach, alle Interessen unter einen Hut zu bringen.

Die Stadt Freiburg baut seit einigen Jahren ihr Netz an breiten Fahrradwegen aus, damit mehr Menschen mit dem Rad statt mit dem Auto fahren und damit das Klima schützen. Kein Problem in einer Fahrradstadt wie Freiburg, könnte man meinen. Doch auf manchen Routen wird es mittlerweile eng. Vor allem, weil auch immer mehr Lastenräder in der Stadt unterwegs sind.

SWR-Reporter Matthias Schlott berichtet im SWR Fernsehen über die Lage auf Freiburgs Radwegen:

Zum Beispiel auf dem Fahrradweg "FR1". Der viel befahrene Radhighway führt parallel zur Dreisam mitten durch die City. Die Route auf der Ost-West-Achse ist beliebt. Radler kommen hier ohne direkten Kontakt zu Autos oder Ampeln schnell voran. Allerdings hat der Weg gefährlich enge Stellen.

Radfahrerin: Muss aufpassen, dass keiner in die Dreisam fällt

"Ich fahre hier sehr langsam, weil ich Sorge habe, wenn ich sehe, wie mir Lastenräder entgegenkommen", berichtet Fahrradfahrerin Brigitte Volpert. "Und viele Leute fahren auch nebeneinander." Ähnliche erlebt es Jana Volpert: "Gerade an den engen Stellen muss man aufpassen, dass keiner in die Dreisam fällt oder man zu nahe an die Straße und die Autos kommt."

Ein Lastenrad auf einem Lastenrad-Parkplatz vor einer Freiburger Kita (Foto: SWR, Owusu Künzel)
Ein Lastenrad auf einem Lastenrad-Parkplatz vor einer Freiburger Kita

Moderne Lastenräder brauchen auf den Radwegen wesentlich mehr Platz als andere. Und so viel Raum wie etwa am Schlossbergring in Freiburg ist eher die Ausnahme. Hier haben die Straßenplaner eine Autospur kurzerhand zum drei Meter breiten Radweg gemacht. Georg Herffs vom Garten- und Tiefbauamt Freiburg spricht von einer "idealen Lösung". Nur: "Genau so eine Lösung in anderen Straßenräumen zu finden, wird nicht einfach sein."

Lastenräder bergen auch Risiken

Für manche gelten Lastenräder mittlerweile als echte Alternative zum Auto. Weil vieles hineinpasst: Wasserkisten, Einkäufe und die Kinder. Aber das Lastenrad ist eben vergleichsweise sperrig, wiegt unbeladen oft schon mehr als 60 Kilogramm und kann damit auch schwerer zu handhaben sein. In Nordrhein-Westfalen machte die Verkehrswacht Anfang des Jahres mit einer Kampagne auf besondere Sicherheitsrisiken bei Lastenräder aufmerksam. Viele Manöver wie das Anfahren und Bremsen fühlten sich auf einem Lastenrad anders an als auf einem normalen Rad, hieß es da.

Stadt Freiburg setzt auch Kompromisse

Die Fahrradbranche dagegen sieht im Lastenrad ein wichtiges Instrument für die Verkehrswende. Der Zweirad-Industrie-Verband forderte jüngst einen Ausbau der Radschnellwege und weitere Fördermöglichkeiten für die Anschaffung der Lastenräder.

Auf den Straßen in den Städten wird sich das Zusammenspiel zwischen Autos, Fußgängern, Rädern und Lasternrädern - davon einige auch motorisiert - voraussichtlich erst zurechtruckeln müssen. "Man sieht hier gut, dass der öffentliche Raum endlich ist", sagt Georg Herffs vom Freiburger Garten- und Tiefbauamt. "Wenn wir eine Verbesserung erreichen wollen, werden wir nicht umhinkommen, anderen Verkehrsteilnehmern Fläche wegzunehmen oder Kompromisse zu finden."

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