Zwei Hunde warten im Stuttgarter Tierheim auf ein neues Zuhause (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Franziska Kraufmann)

Özdemir zu Besuch in Stuttgart

Tierschutzbund: Jedes vierte Tierheim vor dem Aus - auch in BW sind Heime in Not

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Der Deutsche Tierschutzbund befürchtet, dass jedes vierte Tierheim schließen muss. Auch in BW stehen die Heime unter Druck. Bundesminister Özdemir hat sich in Stuttgart ein Bild der Lage gemacht.

Der Deutsche Tierschutzbund befürchtet eine Schließung von bundesweit jedem vierten Tierheim. "Ein Viertel wackelt, weil so viele Probleme zusammenkommen", sagt der Präsident des Verbandes, Thomas Schröder. Die baden-württembergische Landestierschutzbeauftragte Julia Stubenbord teilt Schröders Diagnose: "Die Tierheime stehen unter Druck." Neben dem höheren Mindestlohn schlagen demnach die gestiegenen Energiekosten massiv zu Buche.

Gestiegene Tierarztkosten belasten Heime und Halter

Laut Tierschutzbund ist die Situation aus mehreren Gründen katastrophal. So sehe die neue Gebührenordnung für Tierärztinnen und -ärzte zum Teil eine Verdopplung der Honorare vor, die nicht nur die Tierheime in Bedrängnis bringe, sondern auch Halterinnen und Halter. Viele müssten wegen unbezahlbarer Behandlungskosten ihre langjährigen Gefährten schweren Herzens im Tierheim abgeben.

"Das hat uns kalt erwischt", sagte Tierschutzpräsident Schröder. Überdies kommen die Tierheime wegen steigender Energie- und Personalkosten in die Bredouille. Schröder fordert Bund und Kommunen auf, die Finanzierung der Häuser zu verbessern. 380 Millionen Euro einmalig reichten aus, um sie auf Vordermann zu bringen.

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Özdemir besucht Stuttgarter Tierheim

Verbandschef Schröder warf am Samstag gemeinsam mit Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) in einem Stuttgarter Tierheim einen Blick auf die tägliche Praxis. Özdemir rief potenzielle Käufer von Haustieren zu Besonnenheit auf. "Sie sollten vor einer Entscheidung ein bissle nachdenken und prüfen, ob sie die nötige Zeit, Platz und Kleingeld für das Tier haben", sagte der Grünen-Politiker am Samstag bei seinem Tierheim-Besuch. Er fügte hinzu: "Tiere sind auch keine Weihnachtsgeschenke."

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) streichelt bei seinem Besuch im Tierheim in Stuttgart-Botnang eine Hündin der Rasse Kangal mit dem Namen Jolandi. Dabei informiert er sich über die existenzielle Bedrohung des praktischen Tierschutzes in Deutschland.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod)
Bei seinem Besuch in einem Stuttgarter Tierheim informiert sich Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) über die Lage in den Tierheimen. picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod

Schröder erklärte, die meisten Heime seien alt und energetisch nicht auf dem neuesten Stand - mancherorts hätten sich die Energiekosten verfünffacht. Dabei sei der Wärmebedarf groß: Verletzte Igel und Eichhörnchen dürften nicht auskühlen. Besonders viel Energie verschlingen die Terrarien für Warane, Schlangen, Spinnen und Kleinkrokodile. Schröder rechnet mit einer Abgabeflut von kostspieligen Reptilien.

Özdemir versprach zudem, die Probleme der Tierheime anzupacken, die lange ignoriert worden seien. Er übergab den Stuttgarter Tierschützern einen Betrag von 7.500 Euro. Das Geld stammt aus dem Fünf-Millionen-Euro-Hilfsfonds für Tiere, die von ukrainischen Flüchtlingen abgegeben wurden. Auch eine Stiftung des Bundes zu Förderung von Tierheimen werde gerade geprüft, teilte Özdemir mit. Zur Forderung Schröders, den Internethandel mit Tieren zu verbieten, habe das Ministerium mit den entsprechenden Verkaufsplattformen Kontakt aufgenommen. Eine Selbstverpflichtung wäre Schröder aber zu wenig.

Energiepauschale für Tierheime gefordert

Die BW-Landestierschutzbeauftrage Stubenbord erklärte: "Die in der Coronakrise spontan erworbenen Tiere sind teils schon wieder im Tierheim gelandet, und die steigenden Kosten halten mögliche Halter von der Anschaffung ab". Zudem seien die abgestoßenen Tiere oft unerzogen; Hunde seien Leinen und Gehorsam nicht gewöhnt oder aggressiv zu Mensch und Tier.

Verhaltensgestörte Vierbeiner hätten aber wenig Chancen auf eine Vermittlung an neue Halterinnen und Halter. Stubenbord schlägt in einem ersten Schritt eine Energiepauschale vor, damit zumindest die Heizkosten gedeckt werden könnten. Ansonsten drohe die Schließung kleiner spendenfinanzierter Heime. Aber jedes werde gebraucht, um die Ordnung aufrecht zu erhalten und streunende Katzen und Hunderudel zu vermeiden.

So hat "Zur Sache Baden-Württemberg!" am 13. Oktober 2022 über das Thema berichtet:

Tierschutz will einheitliche Finanzierung

Die Finanzierung der Tierheime sei in jeder Kommune anders: So gebe es Städte mit einer tierartenscharfen Abrechnung, anderswo an der Einwohnerzahl orientierte Pauschalen oder einen Erlass der Pacht städtischer Flächen. "Wir wollen eine kostendeckende einheitliche Finanzierung", verlangte Tierschutzpräsident Schröder und fügte hinzu: "Wenn es keine Tierheime mehr gibt, fällt die Aufgabe ohnehin an die Kommunen - töten können wir die Tiere ja nicht."

Weitere Punkte auf seinem Wunschzettel sind ein Gebot für eine Kastration von streunenden Katzen, ein Verbot für den Online-Handel mit Tieren sowie eine Positivliste mit Tieren, die privat gehalten werden dürfen. "In Deutschland darf ich eine sechs Meter lange Schlange im Vorgarten halten", kritisiert er. Um nötige Investitionen vorzunehmen und den Winter zu überstehen, forderte Schröder für die Tierheime 160 Millionen Euro aus der Hundesteuer und ebenso viel aus dem 200 Milliarden Euro Entlastungspaket der Bundesregierung.

Landwirtschaftsminister fordert Verantwortungsbewusstsein

Das baden-württembergische Ministerium für den Ländlichen Raum appellierte an potenzielle Tierhalterinnen und -halter, sich die Verantwortung für ein Tier bereits vor der Anschaffung bewusst zu machen. Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) sagte: "Ein Haustier aus seinem vertrauten Umfeld heraus zu nehmen und dieses ins Tierheim abzuschieben, ist in jedem Fall eine enorme Belastung für das betroffene Tier und die Tierheime."

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