Baumfällarbeiten am Remstal-Radweg: Zu sehen ist ein Harvester, ein Fahrzeug, das Bäume fällt und hinlegt.

Gefährlicher Pilz befällt Eschen

Remstal-Radweg bei Waiblingen: 600 Bäume im Akkord gefällt

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Philipp Pfäfflin
Bild von Philipp Pfäfflin

Der Remstal-Radweg zwischen Remseck und Waiblingen ist seit fast einem Jahr gesperrt. Radfahrer und Spaziergänger müssen weite Umwege machen. Nun ist großes Gerät im Einsatz.

Die Fällarbeiten auf dem Remstal-Radweg zwischen Remseck am Neckar (Kreis Ludwigsburg) und Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) haben diese Woche begonnen. Mehr als 1.000 Bäume müssen abgesägt oder zumindest zurückgeschnitten werden. Dabei fallen die Bäume fast im Minutentakt, heißt es bei der Stadt Waiblingen. Ein Großteil der Fällarbeiten ist bereits nach drei Tagen geschafft.

"Das dauert keine zwei Minuten, dass so ein Baum umgelegt wird"

Als Abteilungsleiter für Grünflächen und Friedhöfe bei der Stadt Waiblingen kennt sich Thorge Semder mit großen Maschinen aus. Trotzdem schaut er dem "Harvester", einem 26 Tonnen schweren Baumfäll-Fahrzeug, jedes Mal wieder fasziniert bei der Arbeit zu. Denn statt jeden Baum einzeln mit der Motorsäge fällen zu müssen, greift dieser "Vollernter" mit seinem gut zehn Meter langen Ausleger vom Weg aus in den Wald hinein, sägt einen Baum ab und legt ihn hin. "Dann kommt schon der nächste Baum dran. Das geht fast im Minutentakt", so Semder.

Diese große Geschwindigkeit gefällt dem Waiblinger Grünflächen-Chef. Denn insgesamt rund 1.000 Bäume sind vom sogenannten Eschentriebsterben betroffen. Der aus Asien eingeschleppte Pilz schwächt Eschen, die dadurch so morsch werden, dass sie drohen abzubrechen oder ganz zu sterben. 600 Eschen sind auf Waiblinger Gemarkung betroffen, 400 auf Remsecker, so Semder.

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Jede einzelne Esche wird vor dem Fällen untersucht

Doch bevor der Vollernter Esche für Esche umlegen kann, muss jeder Baum untersucht werden. "Wir schauen, ob darin etwas lebt oder überwintert", erklärt Thorge Semder. "Mit einem Hubsteiger fahren zwei Personen auf Höhe der Baumkronen und schauen in jede Baumhöhle." Erst danach wird der Baum fürs Fällen freigegeben, so dass der Fahrer des Vollernters weiß, wo er seine Arbeit fortsetzen kann.

Nicht jeder kranke Baum muss gefällt werden. Teilweise reicht es auch, die befallenen Äste samt Krone abzusägen und einen Teil des Stamms stehen zu lassen. "Torsos" nennt Thorge Semder diese fünf bis sechs Meter hohen Baumüberreste. "Stehendes Totholz ist für Spechte, Käfer oder andere Insekten wertvoll."

Im Februar soll der Remstal-Radweg wieder genutzt werden können

Die Arbeit geht gut voran. In nur drei Tagen haben die Arbeiter alle Bäume auf Waiblinger Gemarkung gefällt - insgesamt knapp 600 Eschen. "Da hätten mehrere Waldarbeiter mehrere Wochen gebraucht", freut sich Thorge Semder am Donnerstag: "Das ging wie am Schnürchen, hocheffizient!"

Was bleibt, sind einige Restarbeiten im Bereich Waiblingen - bei denen dann doch die Motorsäge zum Einsatz kommen wird. Außerdem müssen noch die Eschen auf dem Stadtgebiet von Remseck gefällt werden. Thorge Semder ist optimistisch. Er hofft, dass der Radweg bis Anfang Februar wieder für die Öffentlichkeit freigegeben werden kann. Denn der Weg an der Rems, der auch Teil der Remstal Gartenschau 2019 war, ist nicht nur eine wichtige Radverbindung zwischen dem Neckar- und dem Remstal. Auch Jogger, Spaziergänger und Menschen mit Hunden sind normalerweise dort gern unterwegs.

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