Die Sonne scheint über einem Getreidefeld. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod)

Kaum Regen und hohe Temperaturen

Experten-Bilanz: Sommer 2022 in BW war zu heiß und zu trocken

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Wegen des wochenlang schönen Wetters war der Sommer 2022 in Baden-Württemberg rekordverdächtig. Doch Experten sehen eher die Schattenseiten: Für die Natur war dieser Sommer zu heiß und zu trocken.

Ausgedörrte Äcker, eingeschränkte Schifffahrt und Herbstlaub mitten im August. Als heiß und deutlich zu trocken stufte die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) den Sommer 2022 am Dienstag ein. Er habe das Potenzial, zum bislang heißesten in Baden-Württemberg zu werden, sagte LUBW-Präsident Ulrich Maurer am Dienstag.

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Zur Hitze kam Niedrigwasser

Die Karlsruher Behörde zählte schon 23 Hitzetage, an denen die Höchsttemperatur im landesweiten Mittel bei 30 Grad oder mehr lag. Im Rekordjahr 2003 gab es 27 Hitzetage.

"Und wir sind ja noch nicht am Ende des Sommers."

Deutscher Wetterdienst zu den Sonnenstunden

Auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) wartet am Dienstag mit Zahlen auf: Die Sonne hat in diesem Sommer laut DWD "fulminante 900 Stunden" über Baden-Württemberg geschienen. "Der Südwesten konnte damit auch zur zweitsonnigsten Region in Deutschland gekürt werden", teilte der DWD in Offenbach mit. Das Saarland kam demnach auf 910 Sonnenstunden.

SWR-Wetterreporter Michael Kost ist in diesem Sommer besonders die Trockenheit in der Natur aufgefallen. "Die Braunfärbung der Landschaft. Besonders in der Kurpfalz in der es ja am wenigsten Niederschlag gegeben hat, aber auch auf der Schwäbischen Alb", sagte er.

Mit 20,1 Grad war der Sommer in Baden-Württemberg den Angaben zufolge nach 2003 der zweitwärmste. Der Mittelwert der Referenzperiode von 1961 bis 1990 beträgt 16,2 Grad. Allein der August sei mit 20,7 Grad nach 2003 der zweitwärmste seit 1881 gewesen. In der Oberrheinregion zeigten die Thermometer mancherorts täglich 25 Grad und mehr, an bis zu 21 Tagen etwa in Waghäusel und bei Karlsruhe sogar Werte ab 30 Grad.

Laut DWD summierte sich der Niederschlag nach vorläufigen Berechnungen von Anfang Juni bis Ende August auf 190 Liter pro Quadratmeter. Das waren mehr als hundert Liter weniger als im vieljährigen Mittel. Trotz dieser relativen Trockenheit aber sei Baden-Württemberg im Vergleich mit den anderen Bundesländern auf dem zweiten Platz der nassesten Regionen nach Bayern (205 Liter) gewesen.

Wenig Niederschlag führt zu Niedrigwasser

"Zur Hitze gesellte sich zusätzlich eine Niedrigwassersituation mit Pegelständen, wie wir sie in der Vergangenheit erst im Herbst nach lang anhaltenden Trockenperioden verzeichnet haben", sagte Maurer vom LUBW. Mit knapp 170 Millimetern Niederschlag im Schnitt in den Monaten Juni, Juli und August (Stand 24. August) dürfte der Sommer zu den zehn trockensten in Baden-Württemberg gehören. Im Dürrejahr 2018 lag der Wert bei 164 Millimetern und im Jahr 2003 bei 174 Millimetern. "Um das ganz deutlich zu sagen: Es ist keine Ausnahmesituation", betonte Maurer. Der Klimawandel sei da und nicht zu leugnen.

Bodensee mit wenig Wasser

Mit 304 Zentimetern lag der Spiegel des Bodensees am Pegel Konstanz Mitte August auf einem so niedrigen Niveau, wie es üblicherweise erst Anfang November erreicht wird. Der Wasserstand des Bodensees war zeitweise dem Wert des Rekord-Niedrigwassers aus dem Jahr 2003 nahegekommen. Das wirke sich auf den Oberrhein aus, erläuterte der LUBW-Präsident. Am Pegel Maxau in Karlsruhe lag der Wasserstand in der ersten Augustwoche bis zu 20 Zentimeter niedriger als in den vergangenen 40 Jahren Anfang August.

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Der SWR ist an die Stellen gegangen, wo sich das Niedrigwasser am deutlichsten auf den Bodensee auswirkt, und hat besorgte Touristen getroffen. Hier der Bericht vom 18.8.22:

Auch andere Flüsse sind betroffen: Am Montag wiesen laut der LUBW-Hochwasservorhersagezentrale rund 60 Prozent der Pegel einen Wasserstand auf, der unter dem niedrigsten Wasserstand eines durchschnittlichen Jahres liegt. Das wird mittleres Niedrigwasser genannt. Anfang August waren es sogar rund 80 Prozent.

SWR-Wetterreporter Kost erwähnt auch die versiegenden Quellen im Südschwarzwald, und die kleinen Flüsse, wie beispielsweise die Jagst, die viel zu wenig Wasser hätten. "Vieles erinnert mich da an 2003. Nur damals hat sich das ganze in einem zeitlich begrenzteren Zeitfenster abgespielt. In diesem Jahr ist es die sehr lang anhaltende Wetterlage", so Kost.

Auch die Wassertemperaturen steigen

Hinzu kommen steigende Wassertemperaturen. Mit jeweils etwas mehr als 23 Grad verzeichnete die Landesanstalt für den Neckar bei Besigheim (Kreis Ludwigsburg) die zweithöchste bisher gemessene mittlere Wassertemperatur und für den Rhein bei Karlsruhe die dritthöchste. In der Donau bei Ulm wurde den Angaben zufolge mit rund 20,8 Grad sogar die höchste mittlere Wassertemperatur gemessen. Bei den Grundwasserständen werden sich die Auswirkungen der Trockenperiode erst zeitlich verzögert zeigen, wie Thomas Gudera von der LUBW sagte. Ende Juli seien so niedrige Werte erreicht worden, wie sie nur alle 30 Jahre vorkämen. "Das Grundwasser hat ein langes Gedächtnis." So seien die Trockenjahre 2018 bis 2020 bis heute noch nicht ganz vergessen.

Wassersparen für das Grundwasser

Zum Auffüllen der Grundwasservorräte ist demnach das hydrologische Winterhalbjahr (November bis April) wichtig. Dies trage drei Viertel zur Grundwasserneubildung bei, sagte Gudera. Rund 55 Prozent der Niederschläge fielen aber im Sommer. Und auch wenn künftig trockenere Sommer und feuchtere Winter erwartet werden, lassen Prognosen nicht viel Gutes erwarten: Schon die Niederschlagsmengen in den Wintern der vergangenen Jahre seien oft unterdurchschnittlich gewesen. "Alle Wassersparmaßnahmen helfen", sagte LUBW-Präsident Maurer. So sollten Verbraucherinnen und Verbraucher neben Gas auch auf das Wasser achten. Viele verzichteten beispielsweise schon darauf, ihren Garten zu wässern.

Die Landesregierung wiederum stelle sich mit einem Masterplan Wasserversorgung auf diese Situation ein. Die Folgen des Hitzesommers sehen nicht nur Bauern auf ihren Feldern anhand vertrockneter Pflanzen, spüren nicht nur Kapitäne, die weniger Fracht laden können. Im Bodensee vermehrten sich Algen dank der massiven Sonneneinstrahlung. Fischen werde es mitunter zu warm, sagte der Leiter des Instituts für Seenforschung der LUBW, Harald Hetzenauer. Der Bodenseestrandrasen mit teils stark gefährdeten Arten sei zwar wechselnde Wasserstände gewöhnt, brauche sie sogar - dürfe aber auch nicht zu lange trocken stehen. Schilf hingegen zählte Hetzenauer zu den Gewinnern: "Es kann weiter voranwachsen."

Hitzesommer bald Normalität?

LUBW-Präsident Maurer wollte vor Journalisten allerdings bewusst nicht mehr von einer Ausnahmesituation sprechen. Vielmehr sei der Sommer 2022 ein Vorgeschmack auf das, was durch den Klimawandel zum Normalzustand werden könnte.

Ähnlich mahnt Uwe Kirsche, der DWD-Sprecher: Deutschlandweit sei der Sommer 2022 der sonnigste und sechsttrockenste gewesen und habe zu den vier wärmsten seit Beginn der Aufzeichnung gehört, ordnete DWD-Sprecher Uwe Kirsche laut Mitteilung ein. "Wir dürften damit in Zeiten des Klimawandels einen bald typischen Sommer erlebt haben."

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