Mit einer an einen Traktor angehängten Drillmaschine sät ein Bauer der Agrargenossenschaft Drebkau Winterraps auf einem trockenenen Feld aus.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Frank Hammerschmidt)

Gemischte Bilanz bei der Getreideernte

Bauernverband in BW: Massive Ausfälle im Norden - gute Ernte im Süden

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Der Landesbauernverband BW hat am Donnerstag die Bilanz der Getreide- und Rapsernte vorgestellt. Wegen der extremen Trockenheit fallen die Erträge regional sehr unterschiedlich aus.

Am Donnerstagvormittag hat der Landesbauernverband Baden-Württemberg in Stuttgart-Plieningen seine Erntebilanz vorgestellt. Der Fokus lag hierbei auf der Getreide- und Rapsernte. Da es dauerhaft heiß und trocken war, fällt die Ernte von Region zu Region unterschiedlich aus. Hohe Ausfälle bei der Getreideernte verzeichnen beispielsweise die Landwirtinnen und Landwirte in Nordwürttemberg und Nordbaden. Dort sind die Böden seit Wochen besonders trocken.

Gute Ernte in Südwürttemberg und Oberschwaben

Gute Erträge gibt es dagegen in Südwürttemberg und Oberschwaben, wo es in den entscheidenden Wachstumsphasen vor dem Sommer noch geregnet hat. Das sagte der Präsident des Landesbauernverbands, Joachim Rukwied, auf der Pressekonferenz:

"Die Regionen südlich von Stuttgart haben dagegen eine gute Ernte eingefahren. In Summe gehen wir von einer leicht überdurchschnittlichen Getreide- und Rapsernte aus."

Die Witterungs- und Anbaubedingungen im Herbst, Winter und Frühjahr waren laut Landesbauernverband in den meisten Regionen zufriedenstellend. Wintergetreide und Raps kamen demnach ordentlich durchs Frühjahr. Von extremen Wetterereignissen wie Starkregen oder Hagel sei die Landwirtschaft in diesem Jahr größtenteils verschont geblieben. "Entscheidend für das Ernteergebnis waren in diesem Jahr Zeitpunkt und Umfang der Niederschläge sowie die Bodenqualität", erklärte Rukwied.

Der Präsident des Landesbauernverbands Baden-Württemberg, Joachim Rukwied (Foto: SWR)
Laut Joachim Rukwied, Präsident des Landesbauernverbands, muss sich die Landwirtschaft auf trockenere und heißere Sommer einstellen.

Grünfutter ist Mangelware

Große Sorgen bereiteten den Landwirtinnen und Landwirten jedoch Pflanzen, die später im Jahr geerntet werden. Dazu gehören beispielsweise Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln und Soja. "Die Herbstkulturen leiden massiv unter Wassermangel und Hitzestress", sagte Rukwied. Grünland und Mais seien zum Teil vertrocknet. Deswegen müssten einige Tierhalterinnen und Tierhalter schon Winterfutter dazufüttern, da sie kein Grünfutter mehr schneiden könnten.

Schon vor einigen Tagen hatte Rukwied gesagt, dass die Landwirtschaft sich auf trockenere und heißere Sommer einrichten würde und dafür auf wasser- und bodenschonende Verfahren setze. Dennoch sei seiner Ansicht nach zu befürchten, dass durch die Klimaveränderung "zukünftig nicht mehr das Ertragsniveau der 90er Jahre" erreicht werden könne.

Preise steigen weiter

Gleichzeitig wächst der Preisdruck für die Landwirtinnen und Landwirte weiter, so der Präsident des Landesbauernverbands:

"Die gestiegenen Kosten bei Energie, Futter, Dünger und Pflanzenschutzmittel belasten unsere Familienbetriebe schwer."

Der Krieg in der Ukraine führt nach Angaben des Landesbauernverbands zu stark steigenden Energie- und Futterkosten, was zu höheren Preisen für landwirtschaftliche Produkte führen könne. Bei den Landwirtinnen und Landwirten müsse "mehr ankommen", so der Verband. Außerdem griffen Verbraucherinnen und Verbraucher aufgrund der hohen Inflation vermehrt zu günstigeren Erzeugnissen, beispielsweise aus Südeuropa oder Drittländern. Die regionale Ware bleibe liegen. Die Direktvermarkter verzeichneten ebenfalls rückläufige Verkaufszahlen.

Erhöhung des Mindestlohns verschärft die Lage

Ab Oktober steigt der Mindestlohn auf zwölf Euro. Laut Rukwied verschärft diese Erhöhung den bereits bestehenden Wettbewerbsdruck bei den Sonderkulturbetrieben und gefährdet die Zukunftsfähigkeit von Familienbetrieben. Außerdem verdränge der Mindestlohn vor allem den Obst- und Gemüseanbau in europäische Regionen mit niedrigeren Löhnen und Sozialstandards.

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Beispielsweise seien die Erdbeeranbauflächen im Land seit der Einführung des Mindestlohns im Jahr 2015 um 22 Prozent zurückgegangen. Ein derartiges Szenario befürchtet Rukwied auch bei weiteren Kulturen. Die Spargelbauern hätten ihre Anbauflächen ebenfalls reduziert.

Auch die Schweinehaltung in der Krise

Die Krise am Schweinemarkt hält laut Landesbauernverband an und hat sich durch die gestiegenen Produktionskosten weiter verschärft. Die Schweinehalterinnen und Schweinehalter im Land, insbesondere von Ferkeln, schrieben tiefrote Zahlen, so Rukwied. "Der Strukturbruch der vergangenen Jahre geht unvermindert weiter. Ein einst starker und traditioneller Betriebszweig steht vor dem Aus." Die Tierhalterinnen und Tierhalter bräuchten ein klares Bekenntnis aller Marktbeteiligten in der Kette zur regionalen Erzeugung und schnelle politische Entscheidungen, die Perspektiven erkennen ließen.

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