Zwei Fahrradfahrer sind auf einem Radweg unterwegs. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Patrick Pleul)

ADFC fordert "richtige Verkehrswende"

Fahrradverband: Radnetz in Baden-Württemberg ist noch ausbaufähig

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Ulrike Alex

4.000 Kilometer umfasst das baden-württembergische "Radnetz Alltag" - aber die baden-württembergische ADFC-Vorsitzende sagt: Quantität ist nicht gleich Qualität.

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SWR Aktuell: Frau Zühlke, 4.000 Kilometer, "Radnetz Alltag" landesweit - das klingt gut. Aber wie sieht es mit der Qualität der Wege aus?

Gudrun Zühlke: Das Radnetz in Baden-Württemberg ist eine super Sache. Aber zum einen gibt es noch Mängel auf dem Wegenetz, und zum anderen ist es natürlich viel zu grob. Das Landesradnetz ist nur das Grundgerüst, das durch die Kreisnetze und die örtlichen Netze unbedingt verbessert werden muss. Zum Teil gibt es Führungen auf Straßen mit Mischverkehr, wo die Autos mit 100 km/h fahren können. Da müssen noch Radwege gebaut werden. Das Hauptproblem ist, dass für den größten Teil des Radnetzes nicht das Land zuständig ist, sondern die Kommunen. Wir haben 1.100 Kommunen in Baden-Württemberg, und das zeigt schon, wie das Problem aussieht

SWR Aktuell: In Zeiten von Spritpreis-Explosion und Klimaschutz gibt es auch die Forderung nach einem schnellen Ausbau von Radschnellwegen. Ist das beim Land schon angekommen?

Zühlke: Ja, das ist beim Land angekommen. Da sind ganz viele Planungen vorhanden. Viele Regionen wollen solche Radschnellwege. Tatsache ist aber, dass die natürlich gut geplant werden müssen. Das ist ein ähnlicher Aufwand, wie wenn man eine Straße ausbaut.

"Immer dort, wo ich einen sicheren Radweg habe, fahren die Menschen mit dem Rad."

SWR Aktuell: Der schönste Radweg nutzt nichts, wenn man die Bürgerinnen und Bürger nicht dazu bringt, ihn zu benutzen. Der ADFC startet dazu einige Aktionen. Was hat denn da besonders gut geklappt?

Zühlke: Überall, wo ich einen sicheren Radweg habe, da fahren die Leute. 70 Prozent der Deutschen geben an, dass sie gerne mehr Rad fahren würden. Nur sie trauen sich nicht. Und immer dort, wo ich einen sicheren Radweg habe, fahren die Menschen mit dem Rad. Aber wenn jemand zum Beispiel acht Kilometer Arbeitsweg hat, nutzen sechs Kilometer sicherer Radweg nichts, wenn es danach richtig gefährlich wird. Die Kommunen müssen systematisch alle Gefahrenstellen beseitigen. Sicheres Radfahren - das ist der Schlüssel, um die Menschen aufs Rad zu bringen.

Gudrun Zühlke: Es braucht eine "richtige Verkehrswende"

SWR Aktuell: Alle reden von der Verkehrswende, aber ist in den Köpfen schon drin, dass das direkt mit Radfahren zu tun hat?

Zühlke: Nein. Viele reden von der Antriebswende. Aber wenn die Innenstädte verstopft sind, ist es völlig egal, ob das Verbrennerautos oder elektrische Autos sind. Wir brauchen eine richtige Verkehrswende mit viel weniger motorisiertem Individualverkehr. Es ist viel sinnvoller, mit dem Fahrrad zum Fußballtraining zu fahren als mit dem Auto. Dann kommt man nämlich schon warm und entspannt beim Sport an.

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