1.530 Euro Miete für 100 Quadratmeter

Mutmaßlicher Verstoß gegen Mietpreisbremse: Wie sich eine Heidelberger Familie gegen zu hohe Miete wehrt

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Fabian Medler

Familie Kocak wohnt zur Miete in Heidelberg. Der Vermieter verlangt deutlich mehr als gesetzlich erlaubt. Das wollen sich die Kocaks nicht länger gefallen lassen.

Günstiger Wohnraum ist gerade in vielen Städten Mangelware. Dazu belasten steigende Mieten nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Lebensqualität vieler Mieterinnen und Mieter. Um die Mieter zu schützen, hat das Land Baden-Württemberg Verordnungen für Städte und Gemeinden mit angespannten Wohnungsmärkten erlassen.

Die Miete darf dort die ortsübliche Vergleichsmiete höchstens um zehn Prozent übersteigen - die sogenannte Mietpreisbremse. Doch viel zu häufig halten sich Vermieter einfach nicht an diese Vorgabe. Familie Kocak aus Heidelberg will sich das nicht länger gefallen lassen und möchte klagen, falls nötig.

Auslöser: Wohnung in Heidelberg nicht renoviert

Eigentlich sollte die Wohnung frisch renoviert sein, als Muhammed Kocak mit seiner Familie in die Mietwohnung einzog. Stattdessen entdeckte er viele Schäden, zum Beispiel lockere Leisten, ein Loch in der Wand und fleckige Wände. Über die Immobilienfirma ärgert sich der selbstständige IT-Berater sehr.

Das ist respektlos. Ich bereue es wirklich, hierher gezogen zu sein.

Mietpreisbremse
Muhammed und Magdalena Kocak mit ihrer Tochter

Heidelberger Wohnung: 1.530 Euro Miete für 100 Quadratmeter

Seit Mai wohnen Muhammed und Magdalena Kocak mit ihrer Tochter im Heidelberger Stadtteil Wieblingen. Über den Mietpreis von 1.530 Euro für knapp hundert Quadratmeter hat sich Familie Kocak anfangs keine Gedanken gemacht. Sie ging davon aus, dass der Preis angemessen sei. Denn Wohnen in Heidelberg ist generell teuer.

Als die Familie einen Fachanwalt für Mietrecht wegen der Schäden einschaltete, machte dieser sie zunächst darauf aufmerksam, dass sie viel mehr zahlten als nach dem Gesetz erlaubt sei.

Vermieter verlangt fast die Hälfte mehr als erlaubt

Das Ehepaar Kocak dürfte demnach höchstens knapp über 1.000 Euro an Miete zahlen. Die Immobilienfirma verlange aber rund 500 Euro mehr, so Anwalt Fritz Vollrath. Die Erfolgsaussichten einer möglichen Klage schätzt der Anwalt als "dem Grunde nach zu hundert Prozent gegeben ein". Der Vermieter, die Geiss Grundstücksgesellschaft mbH (Sitz in Heidelberg), lehnte auf SWR-Anfrage eine Stellungnahme ab.

Solche überhöhten Mieten seien in Heidelberg keine Ausnahme, teilte der Mieterverein mit. Der Verein listet mehrere Immobilienangebote im Internet auf, die laut dem Mieterverein gegen die Mietpreisbremse verstoßen. Trotzdem wehrten sich nur wenige Menschen dagegen, so der Heidelberger Mietervereins-Vorsitzende Sören Michelsburg. Er sieht den Grund dafür in der Wohnungsknappheit in Heidelberg. Mieter seien froh, überhaupt etwas gefunden zu haben und nähmen dann einen (zu) hohen Mietpreis in Kauf.

Mieten werden immer höher

Dies könnten sich aber nur "Besserverdiener" leisten. Und so stiegen die Mieten in einer Stadt dann immer weiter, so Anwalt Fritz Vollrath, wenn die Vorgaben der Mietpreisbremse von Mietern nicht geltend gemacht würden. Die überhöhten Mieten machten sich dann irgendwann im Mietspiegel bemerkbar. Folge: Die Durchschnittsmiete in einer Stadt wie Heidelberg bewege sich immer weiter nach oben, kritisiert Vollrath.

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