Hirschberger Geflüchtete leben zu acht im Container (Foto: SWR)

Achtköpfige Familie sucht neues Zuhause

Geflüchtete Familie in Hirschberg leidet unter Wohnungsnot

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AUTOR/IN
Esther Uhrig

Seit fünf Jahren lebt Familie Ahmadi aus Afghanistan im Container in Hirschberg-Leutershausen (Rhein-Neckar-Kreis). Und seit fünf Jahren sucht sie eine neue Wohnung - vergeblich.

Es war ein weiter Weg, den die afghanische Familie Ahmadi 2015 hinter sich gebracht hat – aus ihrer Heimat nach Deutschland, mit vier Kindern im Schlepptau, eines davon schwer mehrfach behindert. Seit nun fünf Jahren lebt die Familie jetzt in Hirschberg-Leutershausen, in einer grau-weißen Container-Anlage am Feldrand.

Hirschberger Container-Anlage, in der die achtköpfige Familie Ahmadi lebt (Foto: SWR)
Außenansicht der Containeranlage in Hirschberg, in der die achtköpfige Familie Ahmadi lebt

Innen trennt ein langer Flur die rechts und links abzweigenden, je 45 Quadratmeter großen Wohneinheiten. In zweien davon lebt die Familie Ahmadi: Die Eltern Sima und Majid, die Kinder im Alter von zwei bis 20 Jahren. Der Flur zwischen den beiden Wohnungen dient ihnen als Schuh- und Wäschekammer.

Leben im Container belastet die ganze Familie

Inzwischen ist die Familie zu acht: Die Eltern mit dem schwer behinderten Farshid und den zwei kleinsten in einem Container, die drei größeren Geschwister im anderen. Privatsphäre gibt es mit all den anderen Bewohnern drumherum quasi keine, sagt Mutter Sima Ahmadi (41):

"Ich habe viele Probleme bekommen in den fünf Jahren hier. Ich habe viele Kopfschmerzen und schlafe nachts nicht. Für acht Personen ist das zu klein, das geht nicht"

Und mitten drin: Der 16-jährige mehrfach behinderte Farshid. Er wird morgens abgeholt und in die Martinsschule nach Ladenburg (Rhein-Neckar-Kreis) gebracht. Doch wenn er daheim ist, brauche er Rundumbetreuung und viel Aufmerksamkeit, sagt Vater Majid Ahmadi (44). Seine Aufgabe ist es auch, Farshid hin und her zu tragen - in die Dusche oder ins Bett.

Heidelberger Arzt sieht Versorgung gefährdet

Für einen Patientenlifter und einen Therapiestuhl, den der Junge eigentlich bräuchte, ist die Wohnung viel zu klein. Der Arzt des schwer behinderten Farshid schlägt deshalb Alarm:

„Insbesondere die Versorgung mit einem Therapiestuhl ist dringend erforderlich. Aktuell wird Farshid jedoch auf dem Boden gefüttert, gewaschen und auch Medikamente werden am Boden verabreicht. (....) Aus unserer Sicht ist die medizinische Versorgung aktuell nicht gewährleistet. Wir sprechen deshalb die dringende Notwendigkeit des baldigen Umzugs in eine größere Wohnung aus.“

Hirschberger Geflüchtete leben auch im Flur zu den Containerwohnungen (Foto: SWR)
Der Flur zwischen den beiden Containerwohnungen der Hirschberger Familie Ahmadi

Renate Rothe vom Runden Tisch Asyl in Hirschberg kennt die Familie schon seit ihrer Ankunft in Hirschberg. Sie weiß, wie schwierig die Situation für die Familie ist, auch für die Schulkinder. Es sei den Eltern sehr wichtig, dass ihre Kinder in der Schule gut mitkommen und gute Noten schreiben. Doch weil keines der Kinder einen eigenen Schreibtisch, geschweige denn ein eigenes Zimmer hat, sei konzentriertes Lernen fast unmöglich.

"Darüber sind die Eltern sehr verzweifelt und würden sich einfach wünschen, dass sie in einer Vierzimmerwohnung sein können oder in einem kleinen Häuschen, wo sie für sich sind und wo sie einen Lebensrythmus für sich finden können, der so hier gar nicht möglich ist."

Wohnungssuche extrem schwierig

Doch die Suche nach einer angemessen großen Wohnung sei wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, sagt Annette Göhrig, die in Hirschberg für die gemeindeeigenen Wohnungen zuständig ist und die Familie bei der Wohnungssuche unterstützt. Selbst wenn man eine Wohnung mit mehreren Zimmern finde, werde schnell abgewunken: Das gebe Ärger mit den Nachbarn. Mitunter würden sogar Unterschriften gesammelt, um den Einzug der Familie zu verhindern.

Politiker um Hilfe gebeten

1.300 Euro Miete würde das zuständige Job-Center zahlen, doch die Berührungsängste seien groß, so Göhrig weiter. Inzwischen hat der Runde Tisch Asyl auch die Landtagsabgeordneten der Region und den Landrat des Rhein-Neckar-Kreises angeschrieben – doch die winken ab.

"Situation schadet Integration"

Nicht deren Zuständigkeit, Wohnungsnot ein allgemeines Problem, Aufgabe der Gemeinden, heißt es in den meisten Antworten. Renate Rothe jedenfalls hofft weiter – vor allem für die Kinder der Familie Ahmadi – denn, sagt sie: die Situation schade der Integration und der Seele der Kinder.

Viele Fragen der Kinder

"Sie werden nie eingeladen und es kommen auch keine Kinder zu ihnen. So dass die Kleinen dann immer fragen, Mama, haben die Angst vor uns, warum kommen die nicht zu uns? Und die Kinder, die so zehn und älter sind fragen, warum haben denn alle anderen Leute eine Wohnung und wir nicht, wollen die Leute uns nicht? Und Sima muss immer Mut zusprechen ("ach, das wird schon"), aber eigentlich hat sie ihn nicht mehr."

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Esther Uhrig