Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktiven Müll

Zwei Zwischenlager gehen 2023 in Betrieb

Neue Lagerhalle für atomaren Abfall auf dem KIT Campus Nord

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Heiner Kunold
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Zwei neue Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll sollen in Eggenstein in Betrieb gehen. Auf dem KIT Gelände Campus Nord, dem ehemaligen Kernforschungszentrum Karlsruhe.

Auf dem Gelände des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) bei Eggenstein (Landkreis Karlsruhe) werden in diesem Jahr zwei neue Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll in Betrieb genommen. Der Abfall stammt aus dem Rückbau der Atom-Anlagen auf dem Campus Nord.

Eine neue Logistik und Lagerhalle für schwachradioaktiven Abfall ist bereits vor wenigen Wochen in Betrieb gegangen. Das neue Zwischenlager für mittelradioaktiven Müll wartet noch auf seine endgültige Freigabe. Die Freigabe wird im Herbst diesen Jahres erwartet. Auf dem KIT Campus Nord lagern aktuell deutschlandweit die größten radioaktiven Abfallmengen für den Schacht Konrad in Salzgitter.

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Zwischenlager bietet Platz für tausende Container

Weil der Schacht Konrad aber nicht rechtzeitig fertig wird, mussten auch die Lagerkapazitäten für den Rückbau der Karlsruher Forschungsatomanlagen erweitert werden. Bislang gibt es eine große Zwischenlagerhalle auf dem Campus Nord in Eggenstein für schwachradioaktiven Müll mit einer Kapazität von 7.000 sogenannten Konrad-Containern. Diese Halle ist inzwischen voll belegt. Die neue Halle bietet Platz für weitere 1.600 solcher Container.

Für den sehr viel höher strahlenden mittelradioaktiven Müll wurde ebenfalls eine neue Halle gebaut. Damit wurde das bestehende Zwischenlager mit Platz für bislang 2.400 Fässer verdoppelt. Dieser Müll wird hinter etwa zwei Meter dicken Betonmauern gelagert. Die Atommülllager werden vollautomatisch von außen bedient und verfüllt. Menschen dürfen dort nicht hinein.

"Sie werden wenig Gebäude finden, die so gebaut sind wie diese Hallen. Also man hat wirklich versucht, sozusagen das Beste vom Besten zu machen."

Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktiven Müll
Das Zwischenlager in Eggenstein gilt als sicherstes in Deutschland

Sicherstes Zwischenlager in Deutschland

Betrieben wird die Atommüll-Lagerung von der Kerntechnischen Entsorgung (KTE), einem Tochterunternehmen des Bundes. Die neue Halle für schwachradioaktiven Müll hat 35 Millionen Euro gekostet. Sie verfügt über 80 Zentimeter dicke Betonwände und ein zehn Meter tiefes Fundament. Die 120 Meter lange und 22 Meter hohe Stahlbetonkonstruktion gilt als sicherstes Zwischenlager in Deutschland.

Nach Angaben der KTE ist es nicht nur erdbebensicher, sondern hält auch einem zehntausendjährliches Hochwasser stand. Selbst Atomkritiker wie der Karlsruher Aktivist Harry Block sind von den Sicherheitsvorkehrungen des neuen Low-Active-Waist-Lagers angetan. Und die Sicherheitsvorkehrungen für den mittelradioaktiven Müll sind noch größer. Das neue Lager hat 56 Millionen Euro gekostet.

Eine Frau mit blauem Helm
KTE-Chefin Graffunder ist überzeugt von der Sicherheit des Zwischenlagers

"Die meisten Fässer die wir hier haben, vor allem hier in diesem Lager, haben so geringe Aktivitäten oder auch Dosis-Leistungen, dass ich bedenkenlos auch den ganzen Tag neben dem Container verbringen würde."

Rückbau der Karlsruher Atom-Versuchsanlagen zieht sich bis in die 2040er

Der Rückbau der insgesamt acht Karlsruher Atom-Versuchsanlagen auf dem Campus-Nord des KIT wird sich noch bis mindestens in die 2040er-Jahre hinziehen. Das hängt nicht zuletzt davon ab, ob der Schacht Konrad wie zuletzt angekündigt, im Jahr 2027 für die Endlagerung von schwach- und mittelradioaktivem Müll zur Verfügung steht. Geplant ist, in den nächsten 20 Jahren jedes Jahr 33 Atommüll-Züge aus Karlsruhe nach Salzgitter zu schicken. Danach kommt der Rückbau der Zwischenlager und der soll irgendwann nach 2060 abgeschlossen sein.

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