Wartet auf Kundschaft: Die Käsetheke im Laden 3 am Karlsruher Werderplatz wird nicht mehr so häufig besucht, wie noch zu Jahresbeginn. (Foto: SWR)

Naturkost in Not

Schwere Zeiten für Karlsruher Bioläden

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Heiner Kunold
Das ist Heiner Kunold (Foto: SWR)

Krieg und Inflation haben es geschafft: der Boom bei Bio ist zu Ende. Jedenfalls in Karlsruher Naturkostläden. Dort ist der Umsatz teilweise um 30 Prozent eingebrochen.

Holger Höbel-Hofmann betreibt in Karlsruhe den ältesten Bioladen. Der "Laden 3" am Werderplatz in der Südstadt hat eigentlich immer geboomt. Bis zu diesem Frühjahr: Dann brachen auf einmal die Umsätze dramatisch ein, berichtet der Naturkost- Einzelhändler. Er selbst verzeichnet Umsatzrückgänge um die 30 Prozent.

"Der Deutsche spart immer zuerst beim Essen. Das merken wir leider deutlich."

Was Höbel-Hofmann in der Karlsruher Südstadt erlebt, das bestätigen auch andere Bioläden. Füllhorn in der Karlsruher Erbprinzenstraße ist ein Beispiel. Und eine Umfrage unter den Kunden im Laden 3 belegt die Entwicklung ebenfalls.

"Ich muss jetzt mehr aufs Geld achten. Ich lege vielleicht auch gar nicht mehr so viel Wert darauf, dass es unbedingt Bio sein muss bei manchen Produkten."

Branchenexperten berichten aktuell von einer großen Verunsicherung bei den Biokunden. Und sie bestätigen eine Beobachtung, die auch Holger Höbel-Hofmann gemacht hat: Krisengewinnler sind in diesem Fall die Discounter. Dort haben die Bio-Umsätze in jüngster Vergangenheit deutlich zugelegt.

Discounter legen beim Bio zu

Aldi, Lidl und Co. verzeichnen nach Einschätzung von Stephan Rüschen, Professor für Lebensmittelhandel, von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn, teilweise mehr als zehn Prozent Umsatzsteigerung bei ihren Bioprodukten. Wobei diese Entwicklung nicht erst mit dem Krieg in der Ukraine begonnen hat. Der Anteil der Bio- und Naturkostläden am Geschäft mit Bio-Lebensmitteln ist seit einigen Jahren rückläufig.

Händler muss beim Personal sparen

Für den Karlsruher Naturkost-Einzelhändler Höbel-Hofmann haben die Einbrüche der vergangenen Monate konkrete Folgen. Zum einen verliert der 67-jährige wichtige Rücklagen für seinen Ruhestand. Zum anderen muss er beim Personal sparen. Eine von vier Teilzeitmitarbeiterinnen, die sich beruflich verändern will, wird nicht ersetzt. Die verbliebenen drei Helferinnen und Helfer werden sparsamer eingesetzt. "Da werden meine Frau und ich wohl wieder häufiger alleine im Laden stehen", befürchtet der Naturkosthändler.

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