Kleines Glück: Auf einem Campingplatz in Waldbronn (Kreis Karlsruhe) steht das Tiny House von Louisa Vetter.

Kommunen tun sich schwer mit Siedlungen

Das Tiny House boomt - aber Stellplätze im Raum Karlsruhe sind Mangelware

Stand
Autor/in
Susann Bühler
Ein Bild von Susann Bühler

Immer mehr Menschen begeistern sich für das Tiny House. Weil es rund um Karlsruhe kaum Stellplätze gibt, weichen viele auf Campingplätze aus. Nun gibt es neue Planungskonzepte.

Ein großes Sonnensegel spannt sich quer über die Holzveranda vor dem Tiny House von Louisa Vetter. Blumen und Kräuter in Kübeln sorgen für mediterranes Flair – Idylle pur auf einem Campingplatz im Albtal bei Waldbronn (Kreis Karlsruhe). Louisa Vetter spielt mit ihrer kleinen Tochter. Sie ist rundum zufrieden mit ihrem kleinen Heim: "Ich kann es mir gar nicht mehr anders vorstellen, mein Partner und ich fühlen uns hier mit unserem Kind sehr wohl."

Das Einzige, was sie oft als störend empfindet, sind neugierige Besucher: "Es kam schon vor, dass die einfach auf unsere Veranda kommen und an der Glastür klopfen. Wenn ich dann aufmache, stehen die Leute ja praktisch mitten in unserem Zuhause. Das nervt."

Bewohner fühlen sich in Privatsphäre gestört

Ähnlich negative Erfahrungen hat auch ihre Nachbarin Marie Hage schon gemacht, die mit ihrer kleinen Familie ein paar Meter weiter ein Tiny House bewohnt. "Da haben Leute bei uns schon richtig zum Fenster hereingeschaut", empört sie sich über das dreiste Verhalten einzelner. "Jetzt wohnen wir etwas weiter weg vom Hauptweg, da ist es besser."

Auf Privatsphäre wird viel Wert gelegt auf dem Campingplatz direkt an der Alb. Rund 25 schmucke Tiny Houses stehen auf dem idyllisch gelegenen Platz, viele Bewohner wohnen schon mehrere Jahre hier. Weitere Mini-Häuschen sollen bald folgen, denn das Interesse an einem Stellplatz zum Dauerwohnen ist groß. Darauf hat sich auch der private Betreiber eingestellt, der die Stellplätze an die Besitzer von Tiny- und Modulhäusern gegen Pacht vermietet und die entsprechenden Wasser- und Stromanschlüsse bereitstellt.

Die Idylle trügt in Waldbronn (Kreis Karlsruhe): Bewohner des fühlen sich durch neugierige Blicke in ihr Tiny House gestört.
Die Idylle trügt: Bewohner fühlen sich oft durch neugierige Blicke gestört.

Win-win-Situation für Waldbronn

Der Waldbronner Bürgermeister Christian Stalf hat damit kein Problem, zumal seine Gemeinde "keinen Platz hat für Tiny-House-Stellflächen", wie er sagt. "Im Gegenteil: Es ist eine Art Win-win-Situation für uns." Mit dem Betreiber sei die Gemeinde in engem Austausch, was dieser auf seinem Privatgrundstück mache, gehe die Gemeinde ja auch nichts an. Und von den neuen Bewohnern könne man ja auch touristisch mit Blick auf die Siebentäler-Therme nur profitieren.

Auch andere Kommunen tun sich immer noch sehr schwer damit, Bauplätze für Tiny-House-Siedlungen auszuweisen. Der Experte für Baulandentwicklung, Fabian Müller aus Singen, kennt die typischen Hürden, die es bei der Suche nach Bauplätzen für Tiny Houses gibt. Als Projektentwickler von Tiny-House-Quartieren berät er private Vorhabenträger und Kommunen und versucht, beide Seiten zusammen zu bringen und Lösungen zu erarbeiten.

Tiny House im Trend: Ein Campingplatz in Waldbronn (Kreis Karlsruhe) bietet Stellplätze für viele Mini-Häuschen.
Trend Tiny Häuser: Ein Campingplatz im Albtal bietet Stellplätze für viele Mini-Häuschen.

Große Vorbehalte gegenüber Tiny-House-Siedlungen von Kommunen

Fabian Müller sieht stattdessen große Chancen für Tiny-House-Konzepte, wenn es um sogenannte Nachverdichtung in Städten gehe. "Politisch gesehen geht es immer mehr in diese Richtung: Tiny Häuser oder Modulhäuser sind eine super Möglichkeit für die Quartiersentwicklung, um Baulücken zu schließen und alternativen Wohnraum zu schaffen", so der Experte.

Dabei müsse man aber auch im Blick haben, dass für die Errichtung von Tiny Houses auf öffentlichem Grund stets eine ganz normale Baugenehmigung erforderlich sei. "Das ist nicht anders als bei einem ganz normalen Hausbau", so Müller.

Bei vielen Kommunen herrschen immer noch große Vorbehalte gegenüber Tiny-House-Siedlungen. Das Risiko solcher Bauprojekte erscheint zu groß und die Finanzierung zu unsicher, wenn Grundstücke ja nur auf Zeit verpachtet werden und die Mini-Häuschen ja nicht fest mit dem Boden verbunden sind.

Karlsruhe lehnt Tiny-House-Siedlung ab

Die Stadt Karlsruhe lehnt großfläche Tiny-House-Ansiedlungen in städtischen Baugebieten ab. Ein entsprechender Antrag der FDP-Fraktion vom Dezember 2023 hatte im Stadtrat keinen Erfolg. Begründung: Die Stadt müsse nachhaltig mit ihren Flächen haushalten und Wohnbauflächen mit einer angemessenen Wohnraumdichte bebauen. Allenfalls als kleinere Lösung für "bestimmte Bereiche im Zuge der Nachverdichtung" könne man sich laut Stadtverwaltung vorstellen.

Die Ettlinger Immobilienmaklerin Anja Lindenberger steht voll hinter der Idee der Tiny Houses. Sie spürt jedoch bei vielen Städten und Gemeinden immer noch große "Ängste, dass dann so eine Art Wagenburg-Mentalität entstehen könnte". Sie würde sich wünschen, dass sich mehr Kommunen neuen Wohnkonzepten öffnen würden.

Tiny Houses sind ein gutes und platzsparendes Konzept, um Baulücken wie zum Beispiel in Ettlingen-Bruchhausen zu schließen oder Brachflächen zu bebauen. Das wäre für die Kommunen wie eine Art Jungbrunnen, was einem positiven Image dient.

Amerikanische Dimensionen: Tiny House im Luxusformat auf einem Campingplatz an der Alb in Waldbronn (Kreis Karlsruhe).
Amerikanische Dimensionen: Tiny Häuser im Luxusformat auf einem Campingplatz an der Alb.

Mühlacker: Pläne für Deutschlands größte Tiny-House-Siedlung

Anderswo kommt jetzt Bewegung in die Sache: In Mühlacker (Enzkreis) nehmen die Pläne der Sender-Gesellschaft zum Bau von "Deutschlands größter Tiny-House-Siedlung für Bewohner mit Erstwohnrecht" langsam konkretere Formen an. Die "Sender Mühlacker Grundstücks GmbH" verfügt über ein sieben Hektar großes Privatgelände.

Dort will sie auf einer Fläche von 1,4 Hektar 54 Tiny-Häuser errichten. Laut Geschäftsführer Thomas Knapp stehe die Stadt voll hinter den Plänen, nur ein abschließendes Votum des Gemeinderats steht noch aus und soll im Frühherbst erfolgen. Läuft alles glatt, könnten im Frühjahr 2025 die Baumaßnahmen starten und im Herbst 2025 die ersten Häuschen bezugsfertig sein.

An Interessenten mangelt es nicht, so Knapp. Schon 25 ernsthafte Interessenten gebe es, die sich in Kürze per Kaution von 10.000 Euro vertraglich für den Erwerb eines Tiny-Hauses samt Erbpacht-Grundstücks verpflichten wollen.

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Sasbachwalden: Fünf Bauplätze für Tiny Häuser geplant

Die Gemeinde Sasbachwalden (Ortenaukreis) ist aktuell mitten im Bebauungsplanverfahren für den Bau von fünf Tiny Häuser auf gemeindeeigenem Grund. Entsprechende Bauplätze wurden am Sandweg ausgewiesen. Laut Bürgermeisterin Sonja Schuchter stehen die Chancen sehr gut, dass diese vom Landratsamt Ortenaukreis auch genehmigt werden. "Der Gemeinderat hat sich bewusst für diese Möglichkeit entschieden, um auch diese Käuferschicht entsprechend zu bedienen", so Schuchter auf SWR-Anfrage. 

Fazit: Ein Umdenken in den Städten und Gemeinden findet nur langsam statt. Viele Konzepte für diese neue Wohnform gibt es schon. Ob und wann tatsächlich größere Tiny-House-Siedlungen in der Region zwischen Karlsruhe, Enzkreis und Ortenaukreis entstehen, bleibt abzuwarten.

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