Andreij Melnyk in Baden-Baden (Foto: SWR)

Dienstreise nach Baden-Württemberg

Ukrainischer Botschafter Melnyk kritisiert in Baden-Baden die Bundesregierung

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Andrij Melnyk, der ukrainische Botschafter in Deutschland, hat in Baden-Baden die Untätigkeit der Bundesregierung bei den Waffenlieferungen kritisiert. An die Stadt richtet er eine Bitte.

Botschafter Andrij Melnyk war am Donnerstag auf dem Weg nach Freiburg, der Partnerstadt der westukrainischen Stadt Lwiw (Lemberg). Teo Jägersberg traf ihn bei einem Zwischenstopp auf dem Baden-Badener Leopoldsplatz und sprach mit ihm über die aktuelle politische Situation.

SWR: Die Lage in der Ost-Ukraine spitzt sich offensichtlich zu. Welche Informationen haben Sie dazu?

Andrij Melnyk: In der Tat wird es immer kritischer, weil die Russen die gesamte gebündelte Kraft ihrer Truppen in die Region schicken werden. Sie wollen die ukrainischen Truppen dort einkreisen. Deswegen ist es wichtig, dass die Bundesrepublik nicht schon wieder abwartet. Wir wissen nicht, warum Deutschland die Waffen nicht so schnell liefert wie andere Staaten. Man verweist immer wieder auf auf die Partner in der NATO. Ich kann Ihnen nur sagen, dass die Haubitzen, die wir aus Frankreich und sogar aus Italien bekommen haben, schon längst an der Frontlinie sind. Und die sieben Panzerhaubitzen, die uns aus Deutschland versprochen wurden, bekommen wir vielleicht in einem Monat. Das ist der Unterschied.

"Wir wissen nicht, warum Deutschland die Waffen nicht so schnell liefert wie andere Staaten."

Was werfen Sie der Bundesregierung konkret vor?

Zeit ist ein sehr wertvolles Gut, und das scheint man in Berlin nicht immer zu verstehen. In dieser Situation muss man zügig helfen. Und wir haben gerade auch die Rede von Bundeskanzler Scholz in Davos gehört und leider auch da nichts Neues. Die These, dass Russland nicht gewinnen darf, ist für uns zu wenig. Die These müsste hingegen lauten, dass die Ukraine gewinnen muss, und dazu brauchen wir diese Unterstützung gerade jetzt. Sie fehlt aber leider nach wie vor.

Baden-Baden ist ein wichtiger Ort für Ukrainer und Russen. Seit Kriegsbeginn wird hier unter anderem auch über die Städtepartnerschaft diskutiert. Wie sehen Sie das?

Wir hatten schon seit Langem Schwierigkeiten, auch mit Baden-Baden. Eine der Partnerstädte, Jalta, ist auf der Krim, und seit der Krim-Annexion haben wir versucht, das Baden-Badener Rathaus zu überzeugen, dass es nicht mehr möglich ist, diese Partnerschaft zu unterhalten, wenn es darum geht, echte Solidarität zu zeigen. Andere Städte in Baden-Württemberg haben da zuletzt mehr Fingerspitzengefühl gezeigt.

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