Die schlechten Nachrichten rund um das finanziell angeschlagene Immobilien-Imperium des aus Karlsruhe stammenden Unternehmers Christoph Gröner reißen nicht ab. Seit August wird gegen den Konzern unter anderem wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung ermittelt. In Karlsruhe stehen Multimillionen-Projekte auf der Kippe oder sind bereits gescheitert. Die Grünen, größte Fraktion im Gemeinderat, entziehen Gröner das Vertrauen.
Gröner in Karlsruhe im Überblick:
- Stillstand auf dem C-Areal in Karlsruhe
- Grüne in Karlsruhe: Realisierung von "Greenville" unwahrscheinlich
- Die guten Kontakte in die Politik
- Gröner und die Liebe zum Fußball
- Als Retter der Majolika gescheitert
- Gröners Träume in Karlsruhe platzen reihenweise
Stillstand rund um das C-Areal und "Greenville" in Karlsruhe
In seiner Heimatstadt Karlsruhe wollte Gröner Wohnraum schaffen, viel Wohnraum. Wohnungen für 3.000 Menschen. Doch aus den großen Plänen wurde in den vergangenen mehr als zehn Jahren seit dem Kauf des Grundstücks nichts. Im Dezember 2024 das altbekannte Bild auf dem Gelände im Karlsruher Norden: Umgekippte Bauzäune, fehlende Absperrungen, Brachland. Das abgehängte "Greenville"-Werbebanner liegt zusammengeknüllt hinter einem Bauzaun. Der Supermarkt, der für den Bau abgerissen werden müsste, bleibt weiter geöffnet.

Wenn Kritik und Zweifel am Projekt geäußert wurden, bemühte sich Gröner immer wieder, diese mit demonstrativem Optimismus wegzuwischen. Zuletzt kurz nach Bekanntwerden der Insolvenz der Gröner Group GmbH im Gespräch mit den "Badischen Neuesten Nachrichten" Anfang November. Dort stellte er selbstsicher einen möglichen Baustart für Frühjahr 2025 in Aussicht.
Endlose Geschichte geht weiter Insolvenz der Gröner Group: Zweifel an "Greenville" in Karlsruhe werden größer
Das lange Warten auf rund 1.000 neue Wohnungen im Norden von Karlsruhe und ein Ende ist nicht in Sicht. Nach der Insolvenz eines Gröner-Unternehmens werden Zweifel an der Realisierbarkeit lauter.
Seit 2018 ist Gröner mit seiner Tochtergesellschaft CG Elementum als Projektentwickler am 100.000 Quadratmeter großen C-Areal beteiligt. Er übernahm damals das Gelände vom Karlsruher Immobilienunternehmer Martin Müller und dessen GEM Ingenieurgesellschaft. Doch auf die Verwirklichung der Pläne wartet man hier bislang vergebens.

Grüne in Karlsruhe: Realisierung von "Greenville" unwahrscheinlich
Aus Sicht der Grünen im Gemeinderat sind die jüngsten Meldungen höchst ärgerlich für die gesamte Stadtgesellschaft. Eine zeitnahe Realisierung unter anderem des C-Areals sei unwahrscheinlich, so die Fraktion gegenüber dem SWR.
Einem Gröner-Unternehmen, egal ob solvent oder nicht, würde derzeit [aber] kaum jemand das notwendige Vertrauen schenken.
Es müsse im Interesse der Stadt sein, bei einer Insolvenz des zuständigen Projektunternehmens das Grundstück im Karlsruher Norden zu sichern, so Löffler. Dann ginge es darum, zusammen mit der städtischen Tochtergesellschaft Volkswohnung Wohnraum zu schaffen.
Die FDP-Fraktion setzt sich schon lange für den Kauf des Grundstücks durch die Stadt ein und sieht jetzt einen "extremen Handlungsbedarf".
Es ist jetzt nicht mehr die Zeit, die Hände in den Schoß zu legen. Es wird Zeit, dass sich auf dem Karlsruher Wohnungsmarkt etwas tut.
Die Stadt und Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) müssten ihrer Pflicht nachkommen, sich um das Areal zu bemühen, so Hock gegenüber dem SWR weiter. Er sieht die Gefahr, dass das Gelände bei einem (Teil-)Verkauf an Spekulanten gehen könnte und eine Bebauung weiter auf die lange Bank geschoben würde.
Die Stadt verweist zum wiederholten Mal darauf, dass die in der Karlsruher Nordstadt zuständige Gesellschaft CG Elementum nicht von einer Insolvenz betroffen sei und weiter "Kooperationsgespräche" zur Bebauung des Areals stattfänden.
Ob die Durchsuchungen Auswirkungen auf Projekte der Gröner Group in Karlsruhe oder auf Forderungen der Stadt Karlsruhe gegenüber Unternehmen der Gröner Group haben, lässt sich noch nicht bewerten.
Gröner und die guten Kontakte in die Politik
Schon immer pflegte Christoph Gröner gute Kontakte in die Bundes- und Lokalpolitik. Ehemalige Spitzenpolitiker wie Ronald Pofalla und Günther Oettinger (beide CDU) gehören zu Gröners Führungspersonal. Auch in Karlsruhe hat Gröner Verbindungen in die Kommunalpolitik.
Für das C-Areal maßgeblich mitverantwortlich war in den vergangenen Jahren der Karlsruher Immobilienunternehmer und Ex-KSC-Vizepräsident Martin Müller. Er stand bei der Kommunalwahl 2019 als Kandidat auf der Liste der Karlsruher SPD. Ihm wird außerdem ein gutes Verhältnis zum Karlsruher Oberbürgermeister Mentrup nachgesagt.

Gröners Liebe für den Fußball - auch in Karlsruhe
Am 26. Februar 2025 treffen sich der Karlsruher SC und Gröners Anwälte vor dem Karlsruher Landgericht. Sie streiten um mehr als eine Million Euro, die der Sponsor dem Fußball-Zweitligisten angeblich schuldet.
Dabei war Gröners Engagement im Sommer 2019 eine echte Herzensangelegenheit. Die CG Gruppe AG wurde beim KSC als neuer Sponsor vorgestellt. Kickers Offenbach, Hertha BSC, RB Leipzig. Ein Immobilienunternehmer mit einer Schwäche für Fußball. Und er machte keinen Hehl daraus, warum er sich in einer Stadion-Loge besonders wohl fühlt:
Ich würde in Berlin keinen Steglitzer Kreisel bauen dürfen, wenn ich nicht in der Loge immer wieder mit den Bürgermeistern nach einer Lösung gerungen hätte.
Gröners gute Beziehungen rund um den Fußball
Es verfestigten sich Beziehungen in der Stadt, neue Projekte wurden geplant. Gröner arbeitete eng mit seinem Unternehmerkollegen Martin Müller zusammen, der später KSC-Vizepräsident und Finanzvorstand bei Gröners CG Elementum wurde.
Den KSC zu unterstützen ist wie in meine Heimat zurückzukehren!
Die Partnerschaft als Top-, Brust- oder Hauptsponsor beim KSC endete nach Vertragsablauf im Juli 2024 hässlich. Der Sponsor zahlte nicht alles, wirft dem Karlsruher SC eine "erhebliche Schlechtleistung" vor. Über eine Million Euro muss der Verein jetzt möglicherweise abschreiben.
Gröner kam als "Retter" in die Majolika Karlsruhe
Wie ein Märchenprinz tauchte Christoph Gröner im Spätsommer 2022 auf, um die seit Jahren kriselnde traditionsreiche Keramikmanufaktur Majolika wachzuküssen. Nur wenige Meter von der Spielstätte des KSC entfernt. Damals wurde bekannt, dass der Investor den Betrieb übernimmt. Mit dem Ziel, die Majolika in eine bessere Zukunft zu führen, und zwar als Mischbetrieb mit Kunst und Kultur und vermietetem Wohnraum zur "Querfinanzierung". Bedingung: Die Stadt verkauft auch Gebäude und Grundstück in bester Lage an Gröners Firma.
Im Rathaus wurde über das Konzept des Investors monatelang hinter verschlossenen Türen diskutiert. Über die Haltung der Stadt wurde offiziell so gut wie nichts bekannt. Der Majolika-Ausschuss des Gemeinderats tagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Die Stadt befindet sich in einem dialogischen Prozess mit Herrn Gröner. Zum Inhalt nicht-öffentlicher Sitzungen können wir keine Auskunft geben.
Von der Politik alleingelassen? Majolika in Karlsruhe: Mitarbeiter-Frust nach dem Aus
Die Karlsruher Keramikmanufaktur Majolika hat am Freitag ihren Betrieb eingestellt. Zuletzt scheiterte ein Umstrukturierungsversuch des Investors Gröner. Für die Beschäftigten ein Ende mit Schrecken.
Betrieb der Majolika eingestellt, Gerichtstermin im Januar
Gröner und Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) verhandelten auch schon mal unter vier Augen. Die Karlsruher Kultur- und Baubürgermeister Albert Käuflein (CDU) und Daniel Fluhrer (parteilos) zeigten sich überzeugt von Gröners Majolika-Träumen und optimistisch.
Die entscheidende Frage blieb lange unbeantwortet. Können sich die Fraktionen im Gemeinderat eine Übernahme von Grund und Boden der Majolika durch Gröner vorstellen? Das "Nein" stand lange unausgesprochen im Raum. Die Entscheidung gegen Gröner fiel in einer nicht-öffentlichen Sitzung des Gemeinderats im April 2024. Kein Verkauf, keine Erbpachtlösung. Unmittelbar danach schmiss der Investor hin. Die Gröner Family Group GmbH kündigte den Rückzug an.
Der Manufakturbetrieb wurde abgewickelt. Gröner stoppte die Mietzahlung. Am 13. Januar treffen sich Stadt und Gröners Anwälte vor dem Karlsruher Landgericht. Es geht dann um die ausstehende Miete. Von den hochtrabenden Plänen für die Majolika bleibt ein Scherbenhaufen.
Platzen Gröners große Träume in Karlsruhe?
Das Vorgehen von Christoph Gröner gleicht sich immer wieder. Mit großen Konzepten Lust auf gut klingende Projekte machen. Die Umsetzbarkeit spielte dabei offensichtlich eine untergeordnete Rolle. Viele der großen Träume in seiner Heimatstadt drohen als Luftnummern zu enden.

Statt großem Glasbau mit Hotel, Gewerbe und Gastronomie in Karlsruhe-Mühlburg nicht bezahlte Stromrechnungen und geschlossene Autowerkstätten. Statt Wohnträumen in der Nordstadt unbebautes Brachland. Statt Kultur und Co-Working in den Mauern der Majolika Showdown vor Gericht. Und die Stadt Karlsruhe lässt Gröners Wolkenschlösser weiter unkommentiert.