Flößermuseum Calmbach (Foto: SWR)

Museen und Verein pflegen jahrhundertealte Tradition

Flößerei im Nordschwarzwald Teil des Unesco-Weltkulturerbes

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Peter Lauber
Ein Bild von Peter Lauber (Foto: SWR, Patricia Neligan)

Jahrhundertelang transportierten Flößer Holz aus dem Schwarzwald in die Städte entlang der großen Flüsse. Seit Kurzem ist die Flößerei immaterielles Weltkulturerbe, an das auch das Flößermuseum in Bad Wildbad erinnert.

Enz, Nagold, Murg, der Rhein - die Flüsse der Region waren jahrhundertelang wichtige Transportwege. Über sie brachten Flößer das Holz aus dem Schwarzwald dorthin, wo es gebraucht wurde - in Holland zum Beispiel. Vor etwa 100 Jahren starb das Handwerk aus - seither halten nur noch historische Vereine und Museen die Erinnerung an diesen einst so wichtigen Wirtschaftszweig wach, wie etwa das Flößermuseum in Bad Wildbad-Calmbach (Landkreis Calw) im Nordschwarzwald.

Von Krempen, Wieden und Gestöhren

Das obere Enztal vor 200 Jahren: die Blütezeit der Flößerei. Ganze Hänge werden abgeholzt, um den gewaltigen Hunger in den Städten nach Bauholz zu stillen. Über hölzerne Rutschen sausen die Stämme ins Tal, wo sie in den sogenannten Einbindestuben zu Gestöhren zusammen genagelt werden. Mehrere Gestöhre bilden schließlich das 100 bis 150 Meter lange Floß.

Zusammengehalten wird es von Wieden - quasi die Lebensversicherung der Flößer. Wie reißfest die Wieden waren, auch das kann Wolfgang Plappert im Calmbacher Flößermuseum zeigen. Beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT), erzählt er, hab man einmal eine Zugbelastung gemacht. Dabei sei nicht die Wieder kaputt gegangen, sondern die Maschine, die sie testen sollte.

Das Museum hat zahlreiche weitere Zeugnisse der Flößerei im Oberen Enztal zusammengetragen. So sind Floßmodelle zu sehen, aber auch Kefen, Krempen und Wendehaken - die wichtigsten Werkzeuge der Flößer, mit denen das Floß manövriert wurde.

Einträglicher, aber lebensgefährlicher Job

Immer im Frühjahr starten die Floßfahrten. Über Enz und Neckar geht es meist bis nach Mannheim. Eine nicht ungefährliche Reise, wie Stefan Bengs von der Flößergilde Calmbach schon häufig auf selbst gebauten Floßen erfahren hat.

"Das Bauen war anstrengend, das Fahren gefährlich - das waren schon raue, kräftige Burschen."

Ein echter Knochenjob sei das, erzählt er. Gerade das Durchfahren von Stellfallen und Wehren ist für meist vierköpfige Besatzungen eine heikle Aufgabe. Hier mussten die Flößer aufpassen, nicht vom Floß zu fallen. Zahlreiche Todesfälle seien belegt, weiß Museumsführer Plappert.

Flößermuseum Calmbach (Foto: SWR)
Stefan Bengs von der Flößergilde Calmbach in traditioneller Zunftkleidung

Holländische Städte auf Schwarzwälder Holz gebaut

Auf dem Rhein angelangt, werden mehrere Flöße zu hunderte Meter langen Kapitalflößen zusammengebunden – und weiter geht die Fahrt bis nach Holland. Auf den Baustellen Amsterdams etwa wartet man schon ungeduldig auf Nachschub. Dort wurde im sumpfigen Gelände gebaut, wozu man viele tausend Holzpfähle benötigte. „Die Holländer waren gierig nach dem Schwarzwälder Holz“, erzählt Plappert.

"Wenn ich Gäste aus Holland habe, freuen die sich immer darüber, dass die längsten Stämme ‘Holländer‘ heißen."

Und die Flößer, die machen sich mit gefülltem Geldsäckel auf zurück in die Heimat. Wenn sie die Einnahmen auf der langen Rückreise zu Fuß, per Kutsche oder später mit der Eisenbahn, nicht in den Kneipen entlang der Strecke ließen - zum Ärger der zu Hause wartenden Ehefrauen, wie Wolfgang Plappert erzählt.

Flößermuseum Calmbach (Foto: SWR)
Museumsführer Wolfgang Plappert mit historischem Flößerwerkzeug

Flößerei bringt Wohlstand in die Schwarzwaldtäler

Auch das kleine Calmbach lebte jahrhundertelang recht gut von der Holzwirtschaft. Von den weniger als 500 Bewohnern, die der Ort um 1800 hatte, habe jeder dritte hier sein Geld verdient. Noch bis vor wenigen Jahrzehnten, so Plappert, seien in Calmbach mehr als zehn Sägemühlen in Betrieb gewesen.

Auch das Museum selbst zeugt vom einstigen Wohlstand. Es ist im sogenannten Goßweiler-Haus untergebracht, einem stattlichen Fachwerkhaus. Es gehörte dem Holzhändler Johann Philipp Goßweiler, einem der reichsten Bewohner des Enztals.

"Der Wald war der größte Arbeitsplatz und der wichtigste Arbeitgeber im Nordschwarzwald."

Flößermuseum Calmbach (Foto: SWR)
Modell im Flößermuseum Calmbach

Mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes verschwindet die Flößerei. 1913 fährt auf der Enz das letzte Floß. Traditionsvereine wie in Calmbach, Unterreichenbach oder Altensteig halten die Erinnerungen an die Flößerzeit wach. Und auch die Unesco-Liste trage jetzt dazu bei, dass dieser alte Beruf nicht in Vergessenheit gerate, freut sich Hobby-Flößer Bengs.

Die Waldarbeiter und Flößer · Der Schwarzwald

Vor 1100 Jahren war der Schwarzwald ein undurchdringlicher, fast menschenleerer Urwald. Die ersten Siedler waren christliche Missionare, die das Land im Auftrag adliger Grundherren urbar machten. Sie ließen zunächst den Wald roden, der ihnen den wichtigsten Rohstoff lieferte: Holz. Holz wurde für den Hausbau gebraucht, in den Bergwerken und auch als Brennmaterial in Form von Holzkohle. Die Waldarbeit zog viele Menschen in den Schwarzwald. Neue Berufszweige entstanden, wie der der „Flößer“: Sie banden die Baumstämme zum Transport zusammen und „verflößten“ sie auf den Flüssen bis nach Holland. Noch heute ist Holz eine der wichtigsten Einnahmequellen im Schwarzwald. Doch das Leben der Waldarbeiter hat sich grundlegend verändert.

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Die Bergleute und Glasbläser · Der Schwarzwald

Schon im Mittelalter entdeckten Menschen neben dem Holz auch die Schätze des Schwarzwaldes, die unter der Erde schlummerten: Eisenerz und Silber. Die Hoffnung auf Siedlungsraum und Arbeit zog mehr und mehr Menschen in den Schwarzwald. Auf der Suche nach dem silberhaltigen Bleiglanz arbeiteten viele von ihnen unter Tage, in den engen Stollen der Bergwerke. Silber war als Zahlungsmittel sehr begehrt und machte Klöster, Vögte und Kaufleute reich. Doch der Schwarzwald bot einen weiteren wichtigen Rohstoff: Quarzsand. Er wurde aus den Bächen gewonnen und zu „Waldglas“ verarbeitet. Viele Glasbläser verdienten sich im Schwarzwald ihren Lebensunterhalt; sogenannte „Glasträger“ trugen das berühmte Waldglas in die Welt.

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Die Uhrmacher · Der Schwarzwald

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