Zwei NH90 der Heeresflieger in Niederstetten im Landeanflug auf den Truppenübungsplatz Külsheim im Rahmen der Übung "Mini Sonic". (Foto: SWR)

Verlegung ins Feldlager mit 300 Soldaten

Heeresflieger aus Niederstetten proben den Ernstfall

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Peter Wedig

Ein Schwarm aus vier Hubschraubern vom Typ NH90, unterstützt von rund 300 Soldaten: Die Heeresflieger aus Niederstetten trainieren den Betrieb aus einem Feldlager.

Das Transporthubschrauberregiment 30 aus dem Main-Tauber-Kreis gehört zur Speerspitze der NATO, der "Very High Readiness Joint Task Force". Die Übung "Mini Sonic" soll auf den Ernstfall vorbereiten: einen Einsatz an der Ostflanke der NATO. Dazu wurden 300 Soldatinnen und Soldaten, 100 Fahrzeuge und ein Schwarm aus 4 Transporthubschraubern in ein Feldlager verlegt. Geübt wird der Flugbetrieb, Wartung, Betankung - alles auf freiem Feld. Denn auch im Ernstfall würden die Heeresflieger zur Unterstützung der Truppen in Richtung Front verlegt werden.

Flug wie zu Gefechtsbedingungen

Es ist die erste Übung in dieser Größenordnung seit rund fünf Jahren: Soldatinnen und Soldaten haben bereits auf dem Truppenübungsplatz in Külsheim Stellung bezogen, am Dienstag sind aus Niederstetten (jeweils Main-Tauber-Kreis) auch die vier Transporthubschrauber vom Typ NH90 dorthin aufgebrochen. Geflogen wird wie im Ernstfall: Die Besatzung trägt beschusshemmende Westen, es wird so wenig gefunkt wie möglich. Alle Bordhilfsmittel, die einem Feind helfen könnten, den Hubschrauber zu orten, werden abgeschaltet.

Ein NH90 des Transporthubschrauberregiments 30 aus Niederstetten im Tiefflug bei der Übung "Mini Sonic".. (Foto: SWR)
Im Tiefflug geht es durch den Main-Tauber-Kreis. Nur mit Karte und Kompass, da GPS im Kriegsfall gestört werden könnte.

Da GPS gestört werden könnte, wird bei der Übung wie im Ernstfall mit Karte und Kompass geflogen, "wie 1950", scherzt der Pilot. Auch wenn der Auftrag einfach klingt - zu Punkt A fliegen, Last aufnehmen, zu Punkt B fliegen, Last abgeben: Im Tiefflug über mehrere Stunden inklusive einer spontanen Missionsänderung, von der die Piloten zuvor aber noch nichts wissen, wird der Flug herausfordernd.

Leben im Feld

Rund 50 Kilometer weiter hat der Rest der Truppe einen Tag vorher das Feldlager vorbereitet. Mittelpunkt ist ein kleines Dorf. Wo Infrastruktur bereits vorhanden ist, wird sie auch genutzt: Eine große Scheune für das Essen, Unterkünfte zum Schlafen in einem Wohnhaus. Für rund zwei Dutzend Soldaten geht es trotzdem in die Zelte, denn auch das ist bei dieser Übung ein Trainingsinhalt.

Logistik auf dem Truppenübungsplatz Külsheim im Rahmen der Übung "Mini Sonic". (Foto: SWR)
Vorhandene Infrastruktur wird genutzt, denn es kann schnell einen Unterschied machen, ob es Mittagessen auf einer Wiese gibt - oder gemütlich am Tisch in einer Scheune.

Denn trainiert wird nicht nur der Flugbetrieb: Schießen, Fliegerabwehr, Einsatz bei Nacht, Fahrtraining für die Lkws über freies Gelände, auch das gehört dazu, um die Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten. Gesteuert wird alles von einer unscheinbaren Holzhütte aus, dem Hauptgefechtsstand. Hier residiert der stellvertretende Regimentskommandeur, der "Architekt der Lage". Er hat die einzelnen Lagen und Situationen für die Einheiten geplant und wird noch so manche Gruppe mit spontanen Einsatzänderungen überraschen.

Neu im Einsatz: eine Feldbäckerei

Auch auf kulinarischer Ebene wird trainiert und zwar mit einer Feldbäckerei. So eine Bäckerei ist kein Standard, sondern ein Versuch, ob sie sich in so einer Situation bewährt. Die Ergebnisse sind dann auch für andere Einheiten interessant. Die Soldaten wurden dazu extra von einem Bäcker aus der Region geschult. 112 Brote werden hier am Tag gebacken.

Die Feldbäckerei auf dem Truppenübungsplatz in Külsheim bei der Übung "Mini Sonic". (Foto: SWR)
Die Feldbäckerei, untergebracht in einer Scheune, die Fahrzeuge außen sind getarnt wie im Gefecht. 112 Brote werden hier am Tag gebacken, pro Soldatin und Soldat sind 400 Gramm Brot eingeplant.

Theoretisch wäre auch Kuchen oder ähnliches vor Ort möglich, erklärt der Gruppenführer. Im Mittelpunkt steht aber die generelle Einsatzfähigkeit. Mehl und Hefe könne eine Einheit problemlos mitführen. Wenn die Versorgungswege durch den Feind abgeschnitten werden, so sei man zumindest für einen gewissen Zeitraum in der Lage, für Verpflegung zu sorgen.

Hubschrauber müssen im Freien gewartet werden

Schließlich kommt der Schwarm der Hubschrauber in Külsheim an. Die nächsten Tage wird von hier aus operiert. Für die Mechaniker steht jetzt die Wartung an, je nach Zustand kann die ein bis zwei Stunden dauern. Für die Piloten dagegen geht es direkt an die Flugplanung für den nächsten Tag. Dann wird unter anderem eine Rettungsübung anstehen. Das wissen die Piloten zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht, werden es erst als Überraschung am nächsten Tag erfahren. Einen echten Feierabend gibt es nicht. Nur eine "Gefechtspause".

Ein NH90 der Heeresflieger Niederstetten landet auf dem Truppenübungsplatz in Külsheim im Rahmen der Übung "Mini Sonic". (Foto: SWR)
Die Hubschrauber müssen auf freiem Feld landen, starten, gewartet und betankt werden.

Fokus stärker auf Landesverteidigung

Es ist bereits mehrere Jahre her, dass eine Übung in dieser Größenordnung stattfand. In den letzten Jahren hat sich der Fokus allerdings zunehmend in Richtung Landesverteidigung verlagert. Davor ging es eher um punktuelle Einsätze, wie in Afghanistan oder Mali. Jetzt sei es wichtig, "das Räderwerk mal wieder in Bewegung zu bringen", wie es der Regimentskommandeur, Oberst Lars Persikowski bezeichnet.

Deswegen ist für das nächste Jahr bereits eine noch größere Übung geplant, weshalb die aktuelle Übung auch als "Mini Sonic" bezeichnet wird. "Sonic" ist dabei einfach der Rufname für einen NH90 Hubschrauber.

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