Ein Waldrapp fliegt mit ausgestreckten Flügeln in einer Voliere von einem Brett auf eine Wiese.

Flugversuche geschafft

Erste Waldrappe in Binningen werden flügge

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Martin Hattenberger
SWR-Redakteur Martin Hattenberger Autor Bild

Die ersten Waldrapp-Jungvögel im Hilzinger Ortsteil Binningen haben ihr Nest verlassen und mit den ersten Flugversuchen begonnen. In Überlingen brüten weitere Vögel ihre Eier aus.

Neben dem Flugplatz in Binningen (Kreis Konstanz) sind die Waldrappe seit kurzem in einer hundert Quadratmeter großen Voliere zu Hause und die ersten sind inzwischen flügge geworden. 14 Jungvögel waren es am Dienstag, die den Außenbereich der Voliere inspizierten und dabei auch die ersten Flugversuche absolvierten. Für die menschlichen Ziehmütter ein besonderer Moment. "Wenn man beobachtet, wie sie auf der Rampe in der Voliere sitzen und irgendwann machen sie dann die Flügel auf, trauen sich und fliegen das erste Mal - das ist schon eine ganz besondere Zeit", sagt Helena Wehner vom Waldrapp-Team, die derzeit rund um die Uhr bei den Vögeln ist.

Nächster Schritt: Flugtraining

Den Waldrappen geht es sichtlich gut in ihrer neuen Heimat in Binningen. Sie erkunden nun Schritt für Schritt ihre Umgebung. "Rostgänse fliegen hier über die Voliere, ein Storch schaut mal vorbei. Für die Jungvögel ist das eine spannende Gegend. Für sie wird die Welt jetzt Schritt für Schritt immer größer", sagt Helena Wehner. Wenn auch der Rest der insgesamt 35 Waldrapp-Jungvögel das Nest verlassen hat, soll das Flugtraining beginnen. Dann dürfen die Waldrappe langsam die Voliere verlassen und werden an das Fluggerät, ein Ultraleichtflugzeug, gewöhnt. Mit dem lernen sie, ihren Ziehmüttern hinterherzufliegen.

Zwei Frauen sitzen umringt von schwarzen Waldrapp-Jungvögeln im Gras der großen Voliere in Binningen.
Die beiden Ziehmütter Helena Wehner und Barbara Steininger kümmern sich liebevoll um die Waldrappe, die neugierig die Voliere erkunden.

Überlinger Kolonie brütet noch

Während die Jungvögel in Binningen immer größer werden, lassen sich die Waldrappe der Überlinger Kolonie noch Zeit. Sie brüten seit über einer Woche in der künstlichen Brutwand bei Hödingen (Bodenseekreis). Ein erster Versuch, die Brutwand abzuhängen und die Vögel so zum Brüten in den Felsen am Bodensee zu zwingen, scheiterte. Die Vögel nahmen diese nicht an, sodass die hölzerne Brutwand wieder geöffnet wurde.

Insgesamt sechs Nester gibt es mittlerweile, am Dienstag waren es erst fünf. Weil die Waldrappe jedoch abwechselnd ständig auf den Eiern sitzen, war lange unklar, wie viel Nachwuchs in diesem Jahr zu erwarten ist. Daher hat sich am Dienstag Waldrapp-Koordinatorin Anne-Gabriela Schmalstieg eine Leiter geschnappt und nachgesehen.

Eine Frau im gelben Pullover steht auf einer Leiter an der hölzernen Brutwand der Waldrappe in Überlingen-Hödingen.
Anne-Gabriela Schmalstieg zählt und dokumentiert die Eier in den Nestern der Überlinger Kolonie.

17 Eier und Hoffnung auf mehr

Den Waldrappen passt der Besuch mitten in der Brutzeit gar nicht. Mit ihren krummen Schnäbeln picken sie nach ihrer menschlichen Ziehmutter. Doch die lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und zählt die Eier und dokumentiert den Zustand der Nester und der Vögel. Am Ende zählt sie 17 Eier und ist damit sehr zufrieden: "In vier Nestern sind jeweils vier Eier drin und in einem nur eines. Wir rechnen daher mit 17 Küken. Aber es kann natürlich sein, dass ein Ei mal nicht befruchtet ist. Aber das ist eine gute Zahl." Weil mittlerweile ein sechstes Nest bebrütet wird, könnte sich die Zahl der Küken in Überlingen noch erhöhen.

Vier Waldrapp-Eier liegen in einem Nest.
Waldrapp-Dame Giorgia war fleißig und hat vier Eier gelegt.

Ausreißer-Paar brütet in Schweiz

Doch es sind nicht alle Waldrappe in diesem Jahr nach Überlingen zurückgekehrt, um dort zu brüten. Ein Paar habe es sich in der Schweiz gemütlich gemacht, berichtet Johannes Fritz vom Waldrapp-Team. Der junge Waldrapp hat sich ein Weibchen aus Überlingen mitgenommen und ist nach Zürich geflogen, um dort in der Nähe des Flughafens auf dem Gebäude einer Harley-Davidson-Niederlassung zu brüten.

Ein Waldrapp-Team brütet auf einem Fenstersims im Kanton Zürich
Ein Waldrapp-Paar nistet auf einer Fensterbank eines Gebäudes in Zürich.

"Das ist eine ganz spannende Entwicklung", sagt Fritz. "Wir wollen schon länger als Projekt in die Schweiz expandieren, aber da fehlen noch Genehmigungen. Die Waldrappe haben uns jetzt diesen Schritt vorweggenommen." Eigentlich brüten Waldrappe in Kolonien. Aber diese beiden haben sich dazu entschieden, eigenständig zu brüten. "So entstehen wahrscheinlich neue Kolonien. Wenn sie erfolgreich sind, werden sie im nächsten Jahr wahrscheinlich wieder dort brüten", so Fritz.

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