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Marcel Reich-Ranicki und die deutsche Literaturkritik

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AUTOR/IN
Katharina Borchardt

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"Vorhang zu und alle Fragen offen": So beendete Marcel Reich-Ranicki regelmäßig das "Literarische Quartett" im ZDF, das er meinungsstark und enthusiastisch moderierte.

Reich-Ranicki wurde vor hundert Jahren, am 2. Juni 1920, in Polen geboren. Er überlebte das Warschauer Ghetto und wollte trotz der Nazi-Verbrechen von der deutschen Literatur nicht lassen. Als "Literaturpapst" prägte er die öffentliche Wahrnehmung von Literatur hierzulande wie kaum ein anderer.

Wie hat sich die Literaturkritik seit seinem Tod 2013 verändert? Und welche Rolle spielen die sozialen Medien für unsere Orientierung im Bücherdschungel?

Archivradio: Historische Aufnahmen

27.10.1988 Marcel Reich-Ranicki: Es gibt keine jüdische Literatur

27.10.1988 | Am 27. Oktober 1988 spricht der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki in einem Interview über die Bedeutung jüdischer Schriftsteller für die deutschsprachige Literatur. | http://swr.li/reich-ranicki-literatur

18.3.1941 Thomas Mann meldet sich aus Kalifornien

18.3.1941 | Thomas Mann spricht im Krieg mehrmals zu den Deutschen in seiner Sendereihe „Deutsche Hörer“. In seinem Exil in Kalifornien nimmt er seine Reden auf Platte auf. Diese werden per Luftpost nach New York gebracht und von dort wiederum per Kabel nach London übertragen. Die BBC sendet die Aufnahmen schließlich über Langwelle auch ins deutsche Reichsgebiet. Die erste dieser Aufnahmen stammt vom 18. März 1941. Anschließend hören wir eine weitere vom Dezember desselben Jahres. Da ist auch die Tonqualität besser.

11.10.1998 "Moralkeule Auschwitz" – Martin Walsers umstrittene Friedenspreis-Rede

11.10.1998 | "Geistige Brandstiftung" – mit diesem Vorwurf reagierte der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Ignatz Bubis, zunächst auf die Rede, die Martin Walser am 11. Oktober 1998 in der Frankfurter Paulskirche hielt. An dem Tag hat Martin Walser den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten.
Bubis saß bei der Veranstaltung in der ersten Reihe, als Walser seine Dankesrede hält. Darin kritisiert er, dass man den Deutschen ihre nationalsozialistische Vergangenheit immerzu vorhalte. Das helfe auf Dauer nicht, um die NS-Zeit in kritischer Erinnerung zu behalten, sondern es animiere die Menschen zum Wegschauen. Dadurch bestünde die Gefahr, dass Auschwitz zur simplen "Moralkeule" verkomme und seine tatsächliche Bedeutung verliere.
Hier die Rede im Zusammenhang.

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Katharina Borchardt