Musik

Neues Album von Casper: Liebe steht drauf, Geschäftssinn ist drin

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AUTOR/IN
Philine Sauvageot

„Zeilen für die Ewigkeit“ verspricht der Bielefelder Rapper Casper mit seinem neuen Album, die Liebe soll das verbindende Element sein. Allzu viel Tiefgang oder viele neue Facetten vom Lieben und Geliebtwerden sollte man nicht erwarten, Casper zielt vor allem auf den kommerziellen Erfolg ab.

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Liebe als Mangelware

„nur liebe, immer.“ Mit diesem Satz beendet der Rapper Casper auf Instagram jeden seiner Posts. Sich die Liebe in einer Welt voller Wut und Zynismus zu bewahren, sei die größte Provokation, sagt er. Nun also auch ein Album, das die Lebenseinstellung im Titel trägt: „nur liebe, immer“. 

Benjamin Griffey, wie Casper bürgerlich heißt, hat als Kind Gewalt erlebt, sein Stiefvater schlug ihn. Wenn also Casper im Song „echt von unten“ von der Liebe singt, ist es vor allem ein Mangel daran.

Neues Album „nur liebe, immer“ Casper – Ein Musiker, der in keine Schublade passt

Casper ist ein Musiker, der zwischen den Welten wandelt. Am 24. November erscheint sein sechstes Album „nur liebe, immer“ – Doch wer ist der Mensch hinter dem Künstler, der oft spöttisch als „Emo-Rapper“ bezeichnet wird?

Liebeserklärung an Bielefeld

Da ist das darauffolgende Stück „Sowas von da“ die leider fast logische Konsequenz aus dieser Erfahrung: Casper kämpft seit Jahren um seine mentale Gesundheit – man könnte auch sagen, mit fehlender Selbstliebe.

Aber Liebe kann auch ganz profan sein – das Album schmückt eine Liebeserklärung an Caspers Heimatstadt Bielefeld.

Liebe soll das verbindende Element auf diesem Konzeptalbum sein. Aber eigentlich schaut hier einfach jemand nostalgisch und relativ unaufgeregt zurück auf seine Kindheit und Jugend, auf, wenn man so will, liebevolle Männerfreundschaften zwischen Fanta-Korn und Schlägereien im Hinterland.

Altbekannte Muster

Auch musikalisch fällt Casper zurück in altbewährte Muster. Er verzichtet auf die durchs Mark gehenden Bässe und Härte seiner Vorgängeralben.

Wie in alten Tagen mischt er Hip-Hop mit Pop, darauf die unverkennbare raue Stimme. In dem Sinne stimmt es: Die Wut fehlt, die Liebe überwiegt.

Damit liefert Casper einen Gegenentwurf zum immer noch bestimmenden Gangsta-Rap-Image. Wobei sich Casper vom Proll auch nicht völlig lossagt, wenn er davon singt, kein Depp zu sein, er kaufe Häuser, keine goldenen Ketten. 

Ein Feature mit Cro

Wirklich viele und neue Facetten vom Lieben und Geliebtwerden sollte man von ihm nicht erwarten. Und am Ende wird die Kritikerin das Gefühl nicht los, dass hier jemand, der Goldene Schallplatten und Platin-Status für seine Musik gewohnt ist, doch vor allem auf den kommerziellen Erfolg abzielt.

Etwa wenn er ein Feature mit dem Popstar Cro eingeht, das uninspiriert durchsurrt…

Gutes Gespür für das Geschäft

Dass Casper die Regeln des Musikbusiness‘ beherrscht, beweist er mit dem Stück „Emma“. In musikalischer Hinsicht ist das unspannend. Es erinnert aber im Chorus doch verdächtig an Rihannas Ohrwurm „Umbrella“, an das echoartige Wiederholen der zwei letzten Silben.

Da versucht jemand offenbar ein Erfolgskonzept zu kopieren. Casper versteht eins besonders gut: sich in unsere Hirnwindungen einzuschleichen, mit nicht allzu viel Tiefgang, dafür aber mit einem guten Gespür für das Geschäft. 

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Philine Sauvageot