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Peter Kurzeck: Und wo mein Haus?

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Am 25. November 2013 starb Peter Kurzeck in Frankfurt am Main. Auch nach seinem Tod wächst sein veröffentlichtes Werk glücklicherweise noch weiter, dank seines Lektors und Freundes Rudi Deuble und dank des Verlags Schöffling & Co., der nach der Insolvenz von Kurzecks Stammverlag Stroemfeld/Roter Stern die Herausgabe des Nachlasses fortführt und mittlerweile das gesamte Werk Kurzecks in Neuausgaben lieferbar hält. Mit „Und wo mein Haus?“ ist nun der achte Band des Projekts „Das alte Jahrhundert“ erschienen, und dieses exakt 100-seitige Fragment gehört wohl zu den schönsten Texten, die Peter Kurzeck je geschrieben hat.

„Und wo mein Haus“ hat eine bereits aus anderen Kurzeck-Büchern bekannte Ausgangslage: Der Erzähler sitzt im Jahr 1983 in der Frankfurter Wohnung seiner beiden Freunde Jürgen und Pascale. Es sind Tage, Wochen, des Abschieds, denn das Paar will nach Südfrankreich ziehen, um dort ein Bistro zu eröffnen. Das ist der Rahmen, der beim Lesen schnell in Vergessenheit gerät und gefüllt wird mit der eigentlichen Handlung: „Erinnerung an die US Army in Gießen. Die Displaced Persons. Schwarzmarkt + Währungsreform + Flüchtlingslager + Eisenbahnfahrten.“ So hat Kurzeck es in seiner Gesamtskizze des „Das alte Jahrhundert“-Projekts festgehalten.

Kurzeck verschränkt zwei Zugfahrten nach Gießen; die eine gemeinsam mit der Mutter eine Woche vor der Währungsreform; die andere in den 1960er-Jahren, als die Stadt im Wirtschaftswunderboom eine einzige Baustelle ist. Immer präsent ist der außergewöhnliche Tonfall des Autors; sein Staunen über die Welt, die in jedem Augenblick neu entdeckt wird. Ergreifend.

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