Platz 10 (21 Punkte)

Marian Engel: BÄR

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Marian Engel wurde 1933 geboren und starb 1985 in Toronto. Obwohl sie als eine der bedeutendsten kanadischen Schriftstellerinnen der Nachkriegszeit gilt, ist allein ihr 1976 auf Englisch erschienener Roman „Bär“ bislang in deutscher Übersetzung erhältlich, nun in einer Neuauflage. Dass Engels Roman gerade jetzt wiederentdeckt wird, ist kein Zufall, setzte er doch bereits vor knapp fünfzig Jahren dem gängigen „male gaze“, dem männlich konnotierten Blick auf die Welt, eine dezidiert weibliche Perspektive entgegen und stellt zudem die Frage nach Machtverhältnissen.

Die Protagonistin des Romans ist Lou. Von Beruf ist sie Bibliothekarin. Privat pflegt sie ein eher tristes und auch leidenschaftsloses Verhältnis zum Direktor ihres Instituts. Aus Recherchegründen fährt Lou in den Norden von Kanada, in ein abgelegenes Haus. Dort, inmitten der so einsamen wie schönen Natur, wird sie damit konfrontiert, dass nicht nur die Sichtung eines Archivs, sondern auch die Betreuung eines gealterten und gezähmten Bären zu ihren Aufgaben gehören soll.

Von nun an verlässt Engel den Boden des realistischen Erzählens. Oder doch nicht? Lou geht mit dem Bären eine sexuelle Beziehung ein. Eine Liebesbeziehung.

Ein Tabubruch, der wie eine Selbstverständlichkeit erzählt wird. Und doch wird jederzeit deutlich, dass diese Beziehung auch in moralischer Hinsicht ein mehrfaches Problem ist. Denn jenseits aller gesellschaftlichen Probleme wirft sie die Frage auf: Wer beutet hier wen aus? Was ist Realität, und was ist Projektion? Das Tier bleibt Tier. Und ist doch weit mehr als das.

Literatur SWR Bestenliste September

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