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Ab 12.5. hat das Linden-Museum in Stuttgart - unter Einhaltung bestehender Sicherheitsvorkehrungen - wieder geöffnet. Die große Landesausstellung über die Azteken konnte bis 16.8. verlängert werden.

Ausstellung Wiedereröffnung am 12.5.: „Azteken“ im Linden-Museum Stuttgart

„Azteken“ Große Landesausstellung Baden-Württemberg im Linden-Museum Stuttgart (Foto:  Landesmuseum Württemberg, Foto: Hendrik Zwietasch )
Totenköpfe, Menschenopfer, Schädelmauern – es sind diese grausamen Assoziationen, die bis heute unsere Vorstellung von den Azteken prägen. - Figur des Gottes Quetzalcoatl, Grünstein, Koralle oder Spondylus H: 22,8 cm; B: 12 cm, Mexiko, aztekisch, Spätphase, frühes 16. Jh. Landesmuseum Württemberg, Foto: Hendrik Zwietasch
Um ihre Eroberung zu legitimieren, zeichneten die spanischen Konquistadoren ein besonders blutrünstiges Bild der indigenen Kultur. - Schädelmaske - Menschlicher Schädel mit Feuerstein, Muschelschale, Pyrit H: 19 cm; T: 13 cm Mexiko, aztekisch, 15. Jh. Museo del Templo Mayor, Mexiko-Stadt, Gliserio Castañeda, D.R. Secretaría de Cultura – INAH
Die Stuttgarter Ausstellung bemüht sich dagegen um einen differenzierteren Blick. Silke Arning
„Man hat sehr viel geopfert. Aber 80 Prozent waren Pflanzen und Tiere“, so die Direktorin des Stuttgarter Linden-Museums, Inès de Castro. „Natürlich gab es auch Menschenopfer und wir wollen das auch überhaupt nicht verschweigen. Aber wir sollten uns eine breite Sichtweise angewöhnen.“ Silke Arning
Die Opferkultur der Azteken hängt mit einer umfassenden Vorstellung von Kosmos und Religion zusammen. Opfer sind notwendig, um den Kreislauf des Lebens am Laufen zu halten, eine Dankesschuld an die Götter für ihre Mühen bei der Erschaffung der Welt. - Räuchergefäß in Gestalt der Wasser- und Fruchtbarkeitsgöttin Chalchiuhtlicue aus Keramik, Pigment. Zentralmexiko, frühes 16. Jh. D.R. Archivo Digital de las Colecciones del Museo Nacional de Antropología, Secretaría de Cultura – INAH
Mit dem Selbstopfer eines Gottes beginnt die fünfte und letzte Ära der Azteken. Von der Vorgeschichte, der Entstehung der Welt, erzählt der berühmte Sonnenstein der Azteken. Ein animierter 3D-Druck des Originals, das mit seinen 24 Tonnen einfach zu schwer für einen Transport nach Deutschland war, setzt die Gründungsmythen der Azteken sehr lebendig in Szene. Silke Arning
Ein Kosmos, der aus 2.000 Göttern bestand - oder einem Gott in 2.000 Variationen, mit sehr komplizierten Namen. Silke Arning
Doris Kurella, die Kuratorin der Ausstellung, hat den Tempelbereich mit seinen sakralen Bauten modellhaft und ästhetisch sehr gelungen nachgezeichnet. Silke Arning
Die allgegenwärtige Präsenz der Götter spiegelt sich fast in jedem Exponat wider. Objekte, die oft bis ins kleinste Detail ausgestaltet sind. - Vogelkopfmaske aus Holz mit Türkis, Spondylusmuschel, Harz, Perlmutt, Malachit L: 29 cm; B: 15,5 cm; H: 13,5 cm Mexiko, aztekisch, Mitte 14. Jh. bis 1521 Stiftung Schloss Friedenstein Gotha
Bestechend scharf und sehr naturalistisch die Steinfiguren: Adlerkopf, Wolf, die verschiedenen Götterskulpturen. - Kojote oder junger Wolf, Basalt H: 39,8 cm; B: 21 cm; T: 23,3 cm, Mexiko, aztekisch, Mitte 14. Jh. bis 1521 D.R. Archivo Digital de las Colecciones del Museo Nacional de Antropología, Secretaría de Cultura – INAH
Daneben bunt und nicht weniger detailreich die sog. Codices, die Bücher der Azteken, die keine Schrift kannten, sondern Bilder benutzen. - Mictlantecuhtli - Keramik, Pigment H: 176 cm; B: 80 cm; D: 50 cm, Mexiko, aztekisch, Spätphase, zwischen 1430 und 1502 D.R. Archivo Digital de las Colecciones del Museo del Templo Mayor, Mexiko-Stadt, Secretaría de Cultura – INAH
„Wir haben hier auf engstem Raum 40 verschiedene ethnische Gruppen“, so Kuratorin Doris Kurella, „die auch 40 verschiedene Sprachen gesprochen haben. Wenn sie so ein Sprachgemisch haben, macht es in der Regel keinen Sinn, eine alphabetische Schrift zu entwickeln, die auf einer Sprache basiert. Aber hier hat es eben alle paar Kilometer eine andere Sprache und da kommt man mit einer Bilderschrift sehr viel besser zurecht.“ - Kelch mit appliziertem Schädel aus Ton, Keramik, Pigment H: 29,2 cm; T: 15,5 cm, Mexiko, mixtekisch, um 1507. D.R. Archivo Digital de las Colecciones del Museo Nacional de Antropología, Secretaría de Cultura – INAH
In einer unaufgeregten Art vermittelt die Stuttgarter Ausstellung das Bild einer Hochkultur, eines politischen Imperiums, das von seinen militärisch unterlegenen Nachbarn zwar Tribute – Gold, Produkte, Arbeitskraft – forderte, aber ihnen ihre Eigenständigkeit beließ. - Figur des Gottes Xipe Totec Vulkanischer Tuff, Pigment H: 46 cm; B: 26,3 cm; T: 27,4 cm Mexiko, aztekisch, Mitte 14. Jh. bis 1521 Museum der Kulturen Basel - Sammlung Lukas Vischer, Foto: Peter Horner
Die Hauptstadt der Azteken, die heute von Mexiko-Stadt überbaut ist, glich Venedig: eine Inselstadt mit zahlreichen Kanälen, ausgeklügeltem Versorgungssystem, mit bunten Märkten und vielen Händlern. - Figur des Sonnengottes Tonatiuh aus Vulkanischem Tuff, Hämatit, H: 31,5 cm; B: 16,2 cm; T: 24,5 cm, Zentralmexiko, aztekisch, Mitte 14. Jh. bis 1521 Museum der Kulturen Basel, Sammlung Lukas Vischer - Foto: Peter Horner
Eine sogenannte Foodwall aus Kakaobohnen, Mais, Salz und Chili demonstriert das breite Warenangebot. Vieles davon bereichert unsere heutige Küche. - Stab- oder Statuenaufsatz aus Holz mit Türkis, Spondylusmuschel, Harz, Perlmutt, Malachit H: 29 cm; B: 12 cm; T: 17 cm, Mexiko, aztekisch, Mitte 14. Jh. bis 1521 National Museum of Denmark, Roberto Fortune
Die Kultur der Azteken sei noch immer lebendig, meint denn auch die Direktorin des Lindenmuseums Inès de Castro: „Es gibt sehr vieles aus der vorspanischen Zeit, was heute noch in Mexiko lebendig ist, zum Beispiel die Kosmologie, den Umgang mit dem Tod. Mexiko ist heute einfach etwas Neues, das entstanden ist, als diese beiden Kulturen heftig aneinander geraten sind.“ - Kopf des Gottes Tlaloc, Metamorphes Gestein H: 66 cm; B: 69 cm, Mexiko, aztekisch, Spätphase, frühes 16. Jh. D.R. Archivo Digital de las Colecciones del Museo Nacional de Antropología, Secretaría de Cultura – INAH
Adlerkopf aus Stein H: ca. 100 cm; B: ca. 120 cm, Mexiko, aztekisch, Mitte 14. Jh. bis 1521 Royal Museum of Arts and History, Brüssel
Anhänger, Gold Mexiko, mixtekisch-aztekisch, Mitte 14. Jh. bis 1521 L: 6 cm; B: 2,9 cm; H: 4 cm Ministerie van de Vlaamse Gemeenschap, Collectie Paul en Dora Janssen-Arts, MAS, Antwerpen, Foto: Hugo Maertens, Brügge
Skulptur des Ehecatl, Andesit H: 195 cm; B: 40 cm; T: 55 cm, Mexiko, aztekisch, postklassisch, ca. 1480 bis 1519 Rautenstrauch-Joest-Museum Köln; Rheinisches Bildarchiv Köln, - Schenkung Peter und Irene Ludwig - Wolfgang F. Meier, 2012
Skulptur in Form einer Schlange aus Stein H: 34 cm; B: 23 cm; T: 30 cm, Mexiko, aztekisch, Mitte 14. Jh. bis 1521 Museum am Rothenbaum Hamburg, Foto: Paul Schimweg
Figur des Gottes Xochipilli-Macuilxochitl, Vulkanischer Stein H: 74,5 cm; B: 31 cm; T: 26 cm, Mexiko, aztekisch, Spätphase, frühes 16. Jh. Reiss-Engelhorn-Museen, Jean Christen
Dreifußschale mit Rassel Keramik, Pigment H: 14,1 cm; B: 25 cm; T: 25 cm, Mexiko, aztekisch-mixtekisch, Mitte 14. Jh. bis 1521 Nationaal Museum van Wereldculturen, Foto: Irene de Groot
Steinskulptur in Form einer gefiederten Schlange aus Stein, polychrom bemalt H: 20 cm; D: 28 cm Mexiko, aztekisch, Spätphase, nach 1500 Museum der Kulturen Basel, Sammlung Lukas Vischer - Foto: Peter Horner
Federschild Mäander und Sonne aus Holz, Rohrgeflecht, Vlies, Rohhaut, Federn vom Eichhornkuckuck und Schwarzkopftrogon, vermutlich Schwarzkehltrupial, Azurkotinga, Ridgewaykotinga, lovely cotinga, Flammentangar - D: 75,5 cm, H: 2,5 cm Mexiko, aztekisch, um 1520 Foto: Hendrik Zwietasch
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