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Corona-Impfstoff von Curevac – Deshalb verzögert sich die Zulassung

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Der Impfstoff des Tübinger Unternehmens Curevac galt zu Beginn der Corona-Pandemie als großer Hoffnungsträger. Warum dauert es so lange bis zur Zulassung?

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Am Anfang noch ganz vorne bei der Impfstoffentwicklung dabei, muss Curevac den Zulassungsantrag für den Corona-Impfstoff immer wieder verschieben. Um nicht durch weitere Verzögerungen überrascht zu werden, berücksichtigt das Bundesgesundheitsministerium den Curevac-Impfstoff bei den Plänen für dieses Jahr nicht mehr. Doch was sind die Gründe für die Verzögerungen bei Curevac? Warum kann der Impfstoff trotzdem noch wichtig werden?

Curevac ist relativ spät im Rennen um die Zulassung eines Corona-Impfstoffes, dennoch könnte der Impfstoff des Tübinger Unternehmens künftig eine durchaus wichtige Rolle spielen.   (Foto: imago images, imago images/Martin Wagner)
Curevac ist relativ spät im Rennen um die Zulassung eines Corona-Impfstoffes, dennoch könnte der Impfstoff des Tübinger Unternehmens künftig eine durchaus wichtige Rolle spielen. imago images/Martin Wagner

Starker Druck auf Curevac durch bereits zugelassene Impfstoffe

Auch wenn die Suche nach einem neuen Impfstoff normalerweise viele Jahre dauert, ist Curevac immer stärker unter Druck – vor allem wegen des Erfolgs der bereits zugelassenen Impfstoffe. Von Anfang an möchte es Curevac aus Tübingen besonders gut machen und nimmt sich gerade am Anfang bei der Auswahl des Impfstoffs ein bisschen mehr Zeit. Eine erste kleine Verzögerung, die sich immer weiter ausdehnt.

Als im Dezember 2020 Curevac mit der letzten wichtigen klinischen Studie startet, haben andere Impfstoffhersteller wie Biontech oder Moderna ihre letzte klinische Studie schon beendet. Ein Nachteil, der sich aufgrund der Mutationen nochmal verstärkt hat. Mitten in der letzten wichtigen klinischen Studie von Curevac verbreiten sich neue Corona-Varianten. Das macht die Interpretation der Studiendaten schwieriger und wegen der schon vorhandenen Impfstoffen ist die Suche nach Probanden aufwändiger gewesen.

Ob der Impfstoff von Curevac auch gegen neue Mutanten schützt, muss erst noch erforscht werden.  (Foto: imago images, imago images/Steinach)
Ob der Impfstoff von Curevac auch gegen neue Mutanten schützt, muss erst noch erforscht werden. imago images/Steinach

Schwierigkeiten bei der Ermittlung der Wirksamkeit des Impfstoffs

Mittlerweile sind aber laut Curevac die notwendigen 40.000 Probandinnen und Probanden geimpft. Doch bisher hätten sich zu wenige Probanden in der klinischen Studie mit SARS-CoV-2 infiziert, sodass sich die Wirksamkeit des Impfstoffs noch nicht verlässlich ermitteln lässt. Wie wirksam ein Impfstoff ist, berechnet sich aus dem Vergleich der aufgetretenen Corona-Infektionen zwischen der Placebogruppe und den Geimpften. Für den Vergleich sollen in der Studie insgesamt 160 Corona-Infektionen auftreten. Das Ziel hat Curevac noch nicht erreicht - zunächst war von 59 aufgetretenen Corona-Infektionen die Rede, mittlerweile sind laut Medienberichten 111 Corona-Infektionen in der Studie aufgetreten.

Weiterer Rückschlag: Nur 47 Prozent Wirksamkeit

Jetzt hat Curevac Daten einer Studie an die europäische Arzneimittelbehörde übermittelt, derzufolge das Vakzin nur 47% Wirksamkeit gegen die Covid-19 Erkrankung aufweist. Die genauen Gründe, warum der Tübinger Impfstoff unterdurchschnittlich abschneidet, sind nicht bekannt. Unter anderem könnten die verschiedenen neuartigen Virus-Varianten das Ergebnis verschlechtert haben. Die gab es nämlich noch nicht, als die aktuell schon zugelassenen Impfstoffe getestet wurden.

Nur 47 Prozent Wirksamkeit – das sind jedenfalls deutlich schlechtere Zahlen als die Konkurrenzprodukte vorweisen können. Wirksamkeit bedeutet an diesem Beispiel: Vollgeimpfte Menschen haben eine Wahrscheinlichkeit an Covid-19 zu erkranken, die in diesem Fall nur um knapp die Hälfte verringert ist. Beim Impfstoff von Biontech-Pfizer beträgt dieser Wert 95 Prozent, 94 Prozent sind es bei Moderna – beide Vakzine sollen auch gegen die bisher bekannten Virenstämme schützen – Johnson und Johnson liegt bei 85 Prozent und AstraZeneca ist mit 76 Prozent etwas effizienter als eine Grippeimpfung.

Die Weltgesundheitsorganisation verlangt von Corona-Impfstoffen eine statistische Wirksamkeit von mindestens 50 Prozent – heißt: Curevac ist erst mal durchgefallen. Laut Unternehmen hängt die Effizienz des Impfstoffs sehr von den verschiedenen Virenstämmen ab und auch vom Alter der Probanden. Bei unter 60 Jährigen sei eine klare Wirksamkeit beobachtet worden heißt es vom Unternehmen – was bedeutet, dass es die bei Menschen die älter sind offenbar nicht gibt. Das ließe aber den Impfstoff, weiterentwickelt, bei Jüngeren möglicherweise für sogenannte Booster-Impfungen also Ergänzungen für andere Impfstoffe in Frage kommen.

In Großbritannien war eine Studie dazu geplant. Curevac Vorstands-Chef Franz Werner Haas sagte, aufgrund der Studien glaube sein Unternehmen, dass die Welt in den letzten 6 Monaten gegen ganz andere Erreger und eine andere Art von Pandemie kämpfe, als gegen das ursprüngliche Virus:

Die Wirksamkeit unseres CVnCov-Impfstoffs betrug in dieser Umgebung 47 Prozent gemessen auf der Grundlage von 134 Covid-Fällen.

Corona-Impfung von Curevac lässt auf sich warten (Symbolfoto) (Foto: imago images, Imago / Peter Endig)
Die Zulassung des Corona-Impfstoffes von Curevac lässt noch auf sich warten. Dennoch könnte der Impfstoff bei der Eindämmung der Pandemie noch eine gewisse Rolle spielen. Imago / Peter Endig

Spekulation über zu niedrige Dosierung

Von denen, so Haas, seien aber mehr als die Hälfte der Fälle von sogenannten gefährlichen Virus-Varianten – insgesamt mindestens 13 – verursacht worden. Für die geringere Wirksamkeit gibt es mehrere mögliche Ursachen. Curevac galt als Hoffnungsträger, der sehr robust in Sachen Transport und Temperatur sein sollte, aber auch preiswert, weil pro Dosis mit 12 Mikrogramm weniger Wirkstoff eingesetzt wird als bei anderen Impfstoffen. Im Vergleich sind es 30 bei Biontech und 100 Mikrogramm bei Moderna – möglicherweise war die Dosierung also zu niedrig.

Curevac-Impfstoff nutzt andere Form von RNA

Und: Auch Curevac arbeitet mit mRNA – allerdings mit einem anderen RNA-Baustein als die Konkurrenten. Curevac verwendet eine andere Form der mRNA, die der menschlichen mRNA im Körper näherkommt. Es geht um einen von vier wichtigen Bausteinen der RNA – dem Uridin. Biontech und Moderna verwenden für ihren mRNA-Impfstoff eine modifizierte Variante – das Pseudouridin, das in Säugetieren seltener vorkommt. Welche Folgen das für einen Corona-Impfstoff von Curevac hat, ist noch unklar – aber aktuell ein weiterer Unsicherheitsfaktor.

Klar ist nur, für die aktuelle Impfkampagne spielt Curevac erst mal keine Rolle mehr. Mehr als 400 Millionen Dosen hatte sich die EU gesichert – knapp 25 Millionen davon waren für Deutschland geplant. Hier wurde der Stoff auch wegen der vielen Verzögerungen aber schon aus den Planungen gestrichen, Bundesgesundheitsminister Spahn sprach von "einer der größeren Enttäuschungen".

Der Bund will aber trotzdem an seiner Curevac-Beteiligung festhalten. Für den SPD-Gesundheitssexperten Lauterbach spielt Curevac keine Rolle mehr. Er sagte, gegen die Delta-Variante dürfte der Impfstoff vermutlich noch schwächer reagieren. Herdenimmunität könne unser Land jetzt erst im September erreichen. Für Curevac bleibt die Hoffnung auf Auffrischungsimpfungen im kommenden Jahr.

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