Astrazeneca-Impfung

Faktencheck

Gerüchte im Netz: Über 500 Tote wegen Corona-Impfungen?

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AUTOR/IN
Franziska Ehrenfeld

Immer wieder gibt es Kommentare, die auf Tote in Folge der Covid-19-Impfungen hinweisen. Ein Bericht des Paul-Ehrlich-Instituts soll das beweisen. So einfach ist es aber nicht.

Der Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) von Anfang Mai beschreibt Verdachtsfälle von Nebenwirkungen und Impfkomplikationen nach Corona-Impfungen. Bis Ende April seien 524 Todesfälle "in unterschiedlichem zeitlichen Abstand zur Impfung" gemeldet worden, heißt es darin. 58 dieser Fälle beschrieben allerdings keine mögliche Impfnebenwirkung, sondern meldeten einen tödliche Verlauf einer Covid-19-Erkrankung nach der Impfung. Die Patienten sind also nicht wegen, sondern trotz der Impfung verstorben.

So gesehen bleiben also 466 tödliche Verdachtsfälle nach einer Corona-Impfung übrig. Grundsätzlich besteht bei diesen der Verdacht, dass die Corona-Impfung die Todesursache gewesen sein könnte. Im Einzelfall lässt sich das aber nicht immer klären.

Paul-Ehrlich-Institut von außen
Ein Bericht des Paul-Ehrlich-Instituts listet Verdachtsfälle in Zusammenhang mit Corona-Impfungen auf.

Das PEI schreibt, die Verstorbenen seien zwischen 24 und 102 Jahren alt gewesen. Das klingt, als seien Erwachsene aller Altersgruppen betroffen gewesen. Das durchschnittliche Alter lag dem Bericht nach aber bei 82 Jahren – also in einem Altersbereich, in dem viele Menschen versterben. Weiter schreibt das Institut:

"Bei der überwiegenden Mehrzahl der verstorbenen Personen bestanden multiple Vorerkrankungen, wie z. B. Karzinome, Niereninsuffizienz, Herzerkrankungen und arteriosklerotische Veränderungen, die vermutlich todesursächlich waren. Ein jüngerer Patient verstarb nach Impfung mit Comirnaty (Anm. der Redaktion: Impfstoff von Biontech/Pfizer) vermutlich an den Folgen seines Drogenkonsums."

Das Paul-Ehrlich-Institut geht also davon aus, dass die meisten der gemeldeten Todesfälle gar nicht ursächlich auf die Corona-Impfung zurückzuführen sind.

Welche Todesfälle hat die Covid-19-Impfung wirklich verursacht?

Anders sieht das bei Menschen aus, die nach einer Impfung wegen spezieller Thrombosen verstorben sind. Ein neues Krankheitsbild, das durch Thrombosen und einen Mangel an Blutplättchen charakterisiert ist (TTS), beschreibt das PEI inzwischen tatsächlich als eine sehr seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung des Astrazeneca-Impfstoffs Vaxzevria.

Corona-Impfung bei einer jungen Frau
Junge Frauen sollten gut abwägen, ob sie sich mit dem Mittel von Astrazeneca impfen lassen möchten.

Vierzehn Patientinnen und Patienten verstarben nach einer Astrazeneca-Impfung in Folge eines TTS. Vier weitere Patientinnen starben an einer Hirnblutung bei gleichzeitigem Mangel an Blutplättchen – ebenfalls nachdem sie mit dem Mittel von Astrazeneca geimpft worden waren.

Ein besonderes Risiko für solche Nebenwirkungen tragen offenbar insbesondere jüngere Frauen unter 60 Jahren. Die Ständige Impfkommission empfiehlt den Impfstoff deshalb nur noch für ältere Menschen, wobei das Mittel an vielen Orten auch an Jüngere gegeben wird.

Direkter Vergleich zwischen Impfstoffen schwierig

Laut dem Sicherheitsbericht des PEI betrafen 405 gemeldete Todesfälle Personen, die mit Comirnaty – also dem Mittel von Biontech/Pfizer – geimpft worden waren. Bei 61 Fällen wurde offenbar nicht angegeben, mit welchem Impfstoff geimpft worden war. In zehn Fällen verstarben Menschen nach einer Impfung mit dem Vakzin von Moderna und in 48 Fällen sind Personen nach Impfung mit dem Astrazeneca-Mittel gestorben.

Comirnaty-Impfstoff
Der Impfstoff von Biontech/Pfizer wurde schon besonders oft verimpft.

Es scheint also zunächst so, als ob der Biontech-Impfstoff besonders riskant sei. Tatsächlich wurde dieses Mittel aber auch mit Abstand am häufigsten verimpft. Und gerade zu Beginn der Impfkampagne wurden vor allem viele ältere Menschen über 80 Jahren damit geimpft. Ein direkter Vergleich der Zahlen ist hier also nicht angebracht.

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Der Biontech/Pfizer Impfstoff ist für Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen. Aber die Stiko empfiehlt die Impfung bisher nur für Kinder mit Risikofaktoren. Was spricht dafür, was dagegen?

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Franziska Ehrenfeld