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Geöffnete Schulen und Kitas bringen die Frage mit sich: Wann können Kinder eine Schutzimpfung gegen Covid-19 erhalten? Noch sind die Impfstoffe erst ab 16 oder 18 Jahren zugelassen.

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Bisher gibt es nur einen Impfstoff, der für Jugendliche ab 16 Jahren zugelassen ist. Der Impfstoff von Biontech/Pfizer mit Namen Comirnaty. Alle anderen Impfstoffe sind erst ab 18 Jahren zugelassen. Das liegt daran, dass vor der klinischen Prüfung an Kindern sichergestellt sein muss, dass in den Studien bei Erwachsenen keine schwerwiegenden Nebenwirkungen aufgetreten sind. Das ist nun erfüllt und daher wurden Impfstudien zumindest mit Kindern über 12 Jahren gestartet.

Der Impfstoff von BiontechPfizer ist für Personen ab 16 Jahren zugelassen. Jüngere dürfen damit noch nicht geimpft werden. (Foto: Imago, imago images/imagebroker)
Der Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer ist für Personen ab 16 Jahren zugelassen. Jüngere dürfen damit noch nicht geimpft werden. Imago imago images/imagebroker
  • Biontech und Pfizer hatten schon im Herbst 2020 zu ihrer Studie zwei Unterabteilungen hinzugefügt: mit Teilnehmern von 12 bis 16 Jahren. Diese Jugendlichen haben die gleiche Dosierung wie die Erwachsenen bekommen. Geplant ist auch, innerhalb weniger Monate eine Studie bei 5- bis 11-Jährigen und später in diesem Jahr bei unter 5-Jährigen zu eröffnen.
  •  Moderna untersucht in einer klinischen Studie namens KidCove die Wirksamkeit und Verträglichkeit ihres Impfstoffes an etwa 6.750 KIndern im Alter zwischen 6 Monaten und 11 Jahren. Ihre Studie soll auch mindestens 3.000 Kinder zwischen 12 und 17 Jahren einschließen. Moderna ist Mitte März in die Phase 2/3 der Studie eingetreten.
  •  AstraZeneca und die Universität Oxford haben im Februar erklärt, dass sie ihren Impfstoff an 300 britischen Kindern im Alter von 6 bis 17 Jahren testen wollen.
  • Johnson & Johnson, dessen Impfstoff gerade in der EU zugelassen wurde, testet sogar schon seit August 2020 Teilnehmer ab 12 Jahren. Aber bisher sind dazu keine Ergebnisse bekannt geworden.
  • Der chinesische Hersteller Sinovac Biotech testet sein Produkt ebenfalls bereits an Kindern zwischen 3 bis 17 Jahren. Aber auch hier gab es noch keine öffentlichen Ergebnisse.

Dosis für Kinder und Jugendliche anpassen

Die Impfstoff-Studien laufen bei Kindern und auch bei schwangeren Frauen in deutlich kleinerem Rahmen ab als die Erwachsenenstudien. Bei Kindern und Jugendlichen testen Pfizer, Moderna und AstraZeneca zunächst die gleiche Dosis, die Erwachsene erhalten. Das Ziel ist zu sehen, ob der Impfstoff auch bei jüngeren Probanden die Antikörperspiegel so anregt wie bei Erwachsenen.

Welche Dosierung der Corona-Impfstoffe ist die richtige für Kinder? Erst nachdem Wirksamkeit und Sicherheit auch für Kinder getestet wurden, können die Impfungen von Kindern beginnen. (Foto: Imago, imago images/Addictive Stock)
Welche Dosierung der Corona-Impfstoffe ist die richtige für Kinder? Erst nachdem Wirksamkeit und Sicherheit auch für Kinder getestet wurden, können die Impfungen von Kindern beginnen. Imago imago images/Addictive Stock

Corona-Impfstoff für Kinder vielleicht zum Jahresende

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO), Thomas Mertens, ist zuversichtlich, dass es zum Jahresende einen Impfstoff für Kinder geben kann.  

Immerhin hat Biontech/Pfizer angekündigt, die Daten zu den Jugendlichen bis Juni bei den US-Aufsichtsbehörden einzureichen. Ein ähnliches Zeitfenster soll auch das Unternehmen Moderna anstreben.   

Und wenn genügend Daten vorliegen, kann es mit der Zulassung eines Impfstoffes für Kinder durchaus schnell gehen. Das Paul-Ehrlich-Institut, das für die Sicherheit von Impfstoffen zuständig ist, sagt, wenn für die Jüngeren die Wirksamkeit und Sicherheit belegt ist, dann würde die jetzige Zulassung einfach auf Jüngere ausgedehnt - durch eine sogenannte Änderungsanzeige zur bestehenden Zulassung.

Weshalb Expert:innen eine rasche Impfung fordern

Dass die Jüngeren und Jüngsten bald geimpft werden sollen, das fordern immer mehr Expert:innen und Fachgesellschaften. Denn Kinder gelten mittlerweile aufgrund ihrer vielen Kontakte in Betreuungs- und Bildungseinrichtungen durchaus als wichtige Krankheitsüberträger. Vor allem auch, da sich die neuen Virusvarianten rasant verbreiten.

Kinder haben in Schule und Kita viele Kontakte, bei denen sie das Coronavirus übertragen können. (Foto: Imago, imago images/Cavan Images)
Kinder haben in Schule und Kita viele Kontakte, bei denen sie das Coronavirus übertragen können. Imago imago images/Cavan Images

Warum Covid-19 für Kinder gefährlich ist

Es gibt immer mehr Hinweise, dass auch Kinder nach milden und asymptomatischen Verläufen langfristig unter den Folgen einer Infektion leiden können oder in Einzelfällen systemische Entzündungen in mehreren Organen auftreten. Und nicht zuletzt gibt es Tausende Kinder mit Vorerkrankungen und chronischen Krankheiten, denen erst eine Impfung das Leben wieder erleichtern würde.  

Immer mehr Expert:innen und Fachgesellschaften fordern, dass die Jüngeren und Jüngsten bald geimpft werden sollen. (Foto: Imago, IMAGO / Karina Hessland)
Immer mehr Expert:innen und Fachgesellschaften fordern, dass die Jüngeren und Jüngsten bald geimpft werden sollen. Imago IMAGO / Karina Hessland

Die Zahl der infizierten Kinder und Jugendlichen steigt rasant

Lothar Wieler, der Leiter des Robert-Koch-Instituts warnt Mitte März: die Infektionszahlen bei Jugendlichen unter 15 Jahren stiegen sehr rasant. In der dritten Welle ist der Anteil der infizierten Kinder deutlich höher als bei der ersten und der zweiten Welle. Damit steigt auch die Zahl der jungen Patienten mit schweren Verläufen.

Eine seltene, aber ganz besonders fiese Spätfolge einer Coronavirusinfektion bei Heranwachsenden ist das »Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome« kurz PIMS. Das ist eine Entzündungserkrankung verschiedener Organe. Das Tückische daran ist, dass die Corona-Infektion selbst in der Regel unauffällig verläuft. Die Symptome von PIMS treten erst nach einigen Wochen auf.

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