STAND
AUTOR/IN

Kinder und Jugendliche können lebensbedrohliche Corona-Spätfolgen entwickeln: Zum Beispiel Entzündungen in vielen Organen und Blutgefäßen, die erst einige Wochen nach einer Corona-Infektion auftreten.

Audio herunterladen (1,2 MB | MP3)

Lothar Wieler, Leiter des Robert-Koch-Instituts warnt seit Mitte März, dass die Infektionszahlen bei Jugendlichen unter 15 Jahren rasant ansteigen. In der dritten Welle ist der Anteil der infizierten Kinder deutlich höher als bei der ersten und der zweiten Welle. Damit steigt auch die Zahl der jungen Patienten mit schweren Verläufen.

Das Immunsystem der Heranwachsenden kann Amok laufen

Eine seltene, aber ganz besonders gravierende Spätfolge einer Coronavirusinfektion bei Heranwachsenden ist das "Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome" kurz PIMS. Das ist eine Entzündungserkrankung verschiedener Organe und auch von Blutgefäßen. Das Tückische daran ist, dass die Corona-Infektion selbst in der Regel unauffällig verläuft. Die Symptome von PIMS treten erst nach einigen Wochen auf.

Häufig verläuft eine Corona-Infektion bei Kindern unauffällig und harmlos. Symptome des Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome- kurz PIMS  - treten erst viel später auf. (Foto: Imago, IMAGO / Fotostand)
Häufig verläuft eine Corona-Infektion bei Kindern unauffällig und harmlos. Symptome des Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome- kurz PIMS - treten erst viel später auf. Imago IMAGO / Fotostand

Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome - PIMS

Mediziner:innen sehen in PIMS die Folgen einer überschießenden Immunreaktion der Kinder. Das kann zu Entzündungen in verschiedenen Organen, aber auch an Blutgefäßen führen.

Zwei bis vier Wochen nach der Infektion bekommen die Kinder Fieber, ihr Kreislauf wird instabil und viele leiden unter Bauchschmerzen und Hautausschlag. Bisher tritt diese Spätfolge relativ selten auf. Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) hat Stand März 2021 deutschlandweit 245 Kinder und Jugendliche mit PIMS gezählt. Das bedeutet: PIMS tritt bei jedem Tausendsten mit Sars-CoV-2 infizierten Kind auf.

Bisher sind deutschlandweit 245 Kinder und Jugendliche mit PIMS in Kliniken eingeliefert worden. Das berichtet die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). (Foto: Imago, IMAGO / Westend61)
Bisher sind deutschlandweit 245 Kinder und Jugendliche mit PIMS in Kliniken eingeliefert worden. Das berichtet die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). Imago IMAGO / Westend61

Worauf Eltern achten sollten

Wenn nach einer möglichen Covid-Infektion bei Kindern und Jugendlichen plötzlich Fieber und ein starkes Krankheitsgefühl auftreten, dann sollten sie mit ihrem Kind einen Kinderarzt aufsuchen. Generell ist das Risiko aber gering, da PIMS eine seltene Komplikation ist.

Fieber und ein starkes Krankheitsgefühl nach einer möglichen Covid-Infektion sind ein Warnsignal. Eine Ärztin sollte das abklären.  (Foto: Imago, IMAGO / Shotshop)
Fieber und ein starkes Krankheitsgefühl nach einer möglichen Covid-Infektion sind ein Warnsignal. Eine Ärztin sollte das abklären. Imago IMAGO / Shotshop

Unterschiede Kawasaki-Syndrom und PIMS

An PIMS leiden vor allem Kinder im Alter zwischen 7 und 10 Jahren. Doch auch ältere kann es erwischen. An einem Kawasaki-Syndrom erkranken dagegen vor allem Kleinkinder. Das Kawasaki-Syndrom ist eine selten bei Kindern auftretende Erkrankung der Blutgefäße. 

Medizin Kawasaki-Syndrom bei Kindern - besteht ein Zusammenhang mit Corona?

Momentan tauchen vermehrt Fälle von Kindern auf, die unter Gefäßerkrankungen unbekannter Ursache leiden. Man nennt das auch Kawasaki-Syndrom. Noch ist nicht ganz klar, inwieweit das mit der Corona-Pandemie zusammenhängt.  mehr...

Die Auslöser für das Kawasaki-Syndrom sind noch nicht bekannt. Aber es gibt mittlerweile auch Kinder in den Kliniken, bei denen die Mediziner:innen einen Mischtypus aus Kawasaki-Syndrom und PIMS erkennen.

PIMS ist behandelbar

In der Regel wird das PIMS mit Kortison behandelt. Das Dresdener PIMS-Register weist aus, dass knapp die Hälfte der Patienten gesund entlassen werden konnte. Bei fast jedem zehnten jedoch blieben womöglich dauerhafte Probleme wie zum Beispiel Herzschäden zurück.

STAND
AUTOR/IN