Medizin

Corona-Zweitinfektionen – selten, aber möglich

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AUTOR/IN
Ulrike Till
ONLINEFASSUNG
Ralf Kölbel

Ein 73-Jähriger ist nach einer bereits überstandenen Covid-19-Erkrankung jetzt an den Folgen einer erneuten Corona-Infektion gestorben. Was ist bisher über Reinfektionen bekannt?

Wer eine Corona-Infektion überstanden hat, hält sich für geschützt – in den allermeisten Fällen stimmt das auch, zumindest für ein paar Monate. Völlig ausgeschlossen ist eine zweite Ansteckung aber nicht. Jetzt sorgt ein Todesfall im Nordschwarzwald international für Aufsehen: Der Mann war im Frühjahr schon mal an Corona erkrankt, hat sich im Dezember zum zweiten Mal infiziert – und ist Anfang des Jahres an Covid-19-Lungenentzündung und Multiorganversagen verstorben.

SARS-CoV-2 Viren im Kampf mit einer Immunzelle (Illustration)
SARS-CoV-2 Viren im Kampf mit einer Immunzelle (Illustration)

Wie war es möglich, dass der Mann sich überhaupt zweimal anstecken konnte?

Laut dem zuständigen Gesundheitsamt hatte der 73-Jährige mehrere Vorerkrankungen. Deshalb hat er vermutlich bei seiner ersten Corona-Infektion im April nur einen abgeschwächten Immunschutz aufgebaut. Bei der zweiten Erkrankung acht Monate später hatte sein Körper dann wohl einfach nicht genug Abwehrkräfte.

Die Behörden haben keinen Hinweis darauf, dass der Mann sich mit einer der neuen Mutationen des Virus angesteckt hat. Allerdings wurde die zweite Virusprobe gar nicht darauf untersucht: das passiere nur, wenn es vorher eine Reiseverbindung nach Großbritannien, Irland oder Südafrika gab, so das Landesgesundheitsamt.

Weltweit sind bisher nur zwei weitere Todesfälle nach Reinfektion bekannt: Bei einer 89-jährigen krebskranken Holländerin mit geschwächtem Immunsystem. Und bei einem 74-jährigen Israeli im Altenheim. Dokumentiert sind außerdem weltweit rund 30 Fälle von Reinfektion mit glimpflichem Ausgang, die Patienten haben überlebt. Bisher scheinen Zweitinfektionen also extrem selten. Allerdings könnte es sein, dass ihre Zahl künftig steigt: In Südafrika und Brasilien kursieren Mutationen, die dem Immunsystem wohl leichter entgehen können als die bisher bekannten Varianten.

Kann man sich nach einer überstandenen Covid-19-Erkrankung noch mal infizieren? Mehrere Fälle scheinen das zumindest nahezulegen.
Kann man sich nach einer überstandenen Covid-19-Erkrankung noch mal infizieren? Mehrere Fälle scheinen das zumindest nahezulegen.

Ist eine Ansteckung trotz Corona-Impfung möglich?

Viele Menschen fragen sich, ob sie sich auch nach einer Corona-Impfung noch infizieren können. Das ist unwahrscheinlich, aber möglich. Die bei uns zugelassenen Impfstoffe von Moderna und Biontech / Pfizer haben zwar eine hervorragende Schutzwirkung von 95 Prozent. Das ist ein toller Wert – aber es heißt auch, dass von 100 Geimpften im Schnitt trotzdem fünf an Covid-19 erkranken können.

Was ganz wichtig ist: Wenn Geimpfte krank werden, dann nach allem, was wir bisher wissen, nur leicht oder höchstens mittelschwer – man landet eher nicht auf der Intensivstation. Die Zulassungsstudien zeigen außerdem, dass Geimpfte sehr viel mehr neutralisierende Antikörper entwickeln als Menschen nach natürlicher Infektion – das spricht für einen besseren Schutz.

Nach jüngsten Daten schützt der Biontech-Impfstoff wohl auch vor der britischen Mutation sehr gut, zu der noch tückischeren südafrikanischen Variante liegen noch keine Ergebnisse vor. Gleichfalls offen ist im Moment noch die Frage, ob Geimpfte, die sich anstecken, andere Menschen infizieren können. Die Hersteller vermuten, dass Geimpfte eher nicht infektiös sind – das wäre dann die ideale „sterile Immunität“. Ob es die bei den Corona-Impfstoffen gibt, ist aber noch unklar, die Ergebnisse dazu werden erst in den nächsten Wochen erwartet.

Inwieweit man nach einer Corona-Impfung auch ein sterile Immunität hat, andere also auch nicht mehr anstecken kann, ist derzeit noch nicht vollständig erforscht.
Inwieweit man nach einer Corona-Impfung auch ein sterile Immunität hat, andere also auch nicht mehr anstecken kann, ist derzeit noch nicht vollständig erforscht.
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