Gesundheit

Was geht bei einem Tinnitus im Ohr vor?

STAND
AUTOR/IN
Gábor Paál
Gábor Paál (Foto: SWR, Gábor Paál)

Audio herunterladen ( | MP3)

Von der Schallwelle zum Nervensignal

Hinter einem Tinnitus steckt meist eine Störung im Innenohr. Aber fangen wir von vorne an: Wie funktioniert Hören? Von außen gelangen Schallwellen in unser Ohr. Aber im Gehirn kommen ja keine Schallwellen an, sondern elektrische Nervensignale. Irgendwo müssen also die Schallwellen in Nervensignale übersetzt werden. Das passiert im Innenohr. Dafür sind die Hörsinneszellen zuständig: Sie verwandeln akustischen Schall – also letztlich Luftbewegungen – in ein elektrisches Signal. So wie ein Telefonhörer: Der verwandelt auch Schallwellen in elektrische Wellen, um sie dann durch die Telefonleitung weiterzuleiten. Am anderen Ende der Leitung werden diese elektrischen Wellen rückübersetzt in Schallwellen.

Grundlos feuernde Nervenzellen

Auch wenn es im Ohr anders aussieht als in einem Telefonhörer – das Prinzip ist ähnlich. Nur kann es bei dieser Übersetzung eben zu Fehlern kommen. Das heißt, wenn es an dieser Schnittstelle zwischen Schall und „Elektrik“ auch nur zu kleinen Störungen kommt, kann es passieren, dass sich die Signale verselbständigen. Dann feuern die Nervenzellen, ohne dass es ein akustisches Eingangssignal gab.

Es gibt aber neben dem Innenohr noch eine zweite Schnittstelle, nämlich im Gehirn selbst. Um einen Höreindruck zu bekommen, muss das Gehirn ja auch die eingehenden elektrischen Nervensignale interpretieren, das heißt einen bestimmten Wahrnehmungseindruck erzeugen. Also sagen: Wenn die und die Hörnerven feuern, dann interpretiere ich das für mich als Klingeln, Rasseln, Summen oder Rauschen. Auch an dieser zweiten Schnittstelle kann es Störungen geben, sodass das Gehirn eingehende Signale plötzlich überinterpretiert und sozusagen einen Höreindruck aus dem Nichts erzeugt.

Mögliche Ursachen: Hörschäden durch laute Musik

Ein Grund könnte ein Hörschaden sein. Beispiel: Jemand hat zu laut Musik gehört und damit seine Hörsinneszellen geschädigt. Das Gehirn merkt nun: Bestimmte Töne oder Frequenzen kommen offenbar nicht mehr bei mir an – oder nur viel schwächer als sonst. Das Gehirn versucht dann, das auszugleichen und interpretiert in die schwachen Signale etwas hinein, was gar nicht da ist. Es dreht sozusagen ein bisschen seinen inneren Verstärker auf und lässt Höreindrücke entstehen, die keinen Bezug haben zu irgendwelchen äußeren Schallquellen. Das ist der seltenere Fall – aber der unangenehmere, denn wenn das Gehirn selbst diese Störungen erzeugt, handelt es sich meist um einen chronischen Tinnitus. Die Störungen im Innenohr dagegen – bei der Übersetzung von Schall in Nervenimpulse – gehen meist nach einer Weile wieder weg.

Medizin Neue Leitlinie: Was hilft gegen chronischen Tinnitus?

Bei Tinnitus rauscht, piepst, dröhnt oder klingelt es ständig im Ohr. Die rund 10 Millionen Betroffenen leiden sehr darunter, vor allem wenn die Geräusche chronisch werden. Jetzt gibt es eine neue medizinische Leitlinie zur Therapie der Krankheit. Was hilft?
Christine Langer im Gespräch mit Prof. Dr. Birgit Mazurek, Direktorin des Tinnituszentrums an der Charité, Berlin  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Gesundheit Tinnitus: Hilfe gegen Ohrgeräusche

Ständiges Pfeifen oder Sirren im Ohr: Knapp 3 Millionen Deutsche leiden darunter. Chronischer Tinnitus galt bisher als nicht heilbar, doch neue Therapien zeigen erste Heilerfolge.  mehr...

Medizin Wie kann man einen Hörtest bei Dementen machen?

Es gibt heute gute Verfahren für betagte Menschen und Demenz-Patienten. Das sind objektive Tests, bei denen man keine weitere Mitarbeit der Patientinnen und Patienten braucht. Von Annette Limberger | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Gehör Was sind Anzeichen für Schwerhörigkeit?

In einer lauten Umgebung, einer Bar oder einem Restaurant fällt es auf, wenn man andere nicht mehr gut versteht. Öfter nachfragen oder andere noch mal ansprechen zu müssen sind Anzeichen für eine beginnende Schwerhörigkeit. Von Annette Limberger | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Gehör Wie kann ich meine Ohren reinigen und von Ohrenschmalz befreien?

Bitte die Ohren nicht mit Wattestäbchen reinigen, denn dabei passiert es oft, dass man das Ohrenschmalz nach hinten schiebt. Von Annette Limberger | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Gesundheit Wie stellen Eltern sicher, dass das Kind gut hört?

MIthilfe eines Neugeborenen-Hörscreenings werden alle Babys möglichst noch in der Geburtsklinik auf ihre Hörfähigkeit hin untersucht. Von Annette Limberger | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Derzeit gefragt

Tiere Warum treten Katzen weiche Unterlagen platt, bevor sie sich drauflegen?

Das machen sehr viele Katzen. Das ist der sogenannte Milchtritt. Es handelt sich um ein kindliches Verhalten, das vom erwachsenen Tier beibehalten wird. Von Dennis C. Turner  mehr...

Energie Beim Verlassen der Wohnung: Heizung anlassen oder ausschalten?

Wenn man nur die Energie betrachtet, ist es günstiger, die Heizung abzustellen. Doch zwei Gründe sprechen dafür, eine bestimmte Temperatur trotzdem zu halten. Von Gábor Paál | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.  mehr...

Gesellschaft Darf man noch "Indianer" sagen?

Ja. Das mag überraschen, denn das Wort stammt aus der Kolonialzeit und ist eine Fremdbezeichnung. Doch das sind nicht die einzigen Kriterien. Von Gábor Paál | http://swr.li/indianer | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2