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"Donald Trump hat keine Kriege geführt." – Stimmt das?

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Gábor Paál
Gábor Paál

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Angriff auf Chemiewaffenfabriken in Syrien und viele Drohnenangriffe

Nein, das wird an Stammtischen zwar gelegentlich behauptet, und richtig ist, unter seiner Regierung sind die USA in kein Land neu einmarschiert. Das ist aber eigentlich auch schon alles.

Donald Trumps Amtszeit war kürzer als die seiner Vorgänger, und er hatte auch das Glück, dass es in den vier Jahren keine Situation gab wie 2001 mit 9/11, einem von Al Quaida in Afghanistan aus koordinierten Terrorangriff. Aber es ist keineswegs so, dass die USA unter Trump keine Bomben abgeworfen hätten. 2018 ließ er Chemiewaffenfabriken in Syrien angreifen. Vor allem aber gab es unter Trump wie unter seinem Vorgänger Barack Obama tausende Drohnenangriffe gegen mutmaßliche Terroristen vor allem in Afghanistan.

Obama hat diese Praxis begonnen, aber Trump hat sie massiv ausgeweitet. Dazu gibt es Zahlen vom "Bureau of Investigative Journalism", das Drohnenschläge erfasst. Demnach gab es in den vier Jahren unter Trump mehr als 12.000 Drohnenangriffe. Das sind sieben Mal so viele wie in den acht Jahren unter Obama.

Auch den Krieg gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) hat Trump weitergeführt.

Trump hat Truppen aus Konfliktregionen abgezogen

Richtig ist, dass Trump US-Truppen aus verschiedenen Konfliktregionen abgezogen hat – vor allem in Syrien. Friedlicher und sicherer ist Syrien dadurch aber nicht geworden, im Gegenteil. Auch in Afghanistan hat Trump den Abzug der Streitkräfte noch angeordnet, durchgeführt hat ihn sein Nachfolger Joe Biden. Das Ergebnis war die Machtübernahme durch die Taliban.

Friedensbilanz eher durchwachsen

Wie sieht also seine Friedensbilanz insgesamt aus? Trump hat Nordkorea mit völliger Zerstörung gedroht – in der Hoffnung, damit Machthaber Kim Jong Un einzuschüchtern und zu einem Atomabkommen zu bewegen. Das hat bekanntlich nicht geklappt. Nordkorea testet weiter seine Atomraketen.

Zugute gehalten wird Trump, dass es unter der Vermittlung seiner Regierung zu diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und zwei Golfstaaten gekommen ist, nämlich Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ob das so ein großer Fortschritt ist, ist Ansichtssache. Militärisch waren diese beiden Staaten für Israel nicht wirklich eine Bedrohung. Relevanter wären diplomatische Beziehungen mit Saudi-Arabien, aber gerade die sind unter Trump nicht zustande gekommen, obwohl er es gerne gehabt hätte.

Donald Trump und sein Erzfeind Iran

Trump ging es auch weniger um Frieden zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn, sondern vor allem um die Bildung eines Bündnisses gegen seinen Erzfeind Iran. Trump war es, der das Atomabkommen mit dem Iran gekündigt hat – mit dem Ergebnis, dass der Iran sein Atomprogramm wieder hochgefahren hat und nach Einschätzung von Beobachtern inzwischen so viel waffenfähiges Uran angereichert hat, dass das Land bald über eigene Atomwaffen verfügen könnte. Ob die Welt damit friedlicher geworden ist, ist zumindest fraglich.

Trumps Friedensverständnis zeigt sich auch im Russland-Ukraine-Konflikt: Als die russische Armee unter Putin die Ukraine angegriffen hat, kam von Trump keinerlei Kritik. Im Gegenteil zeigte er Verständnis für Putin und nannte ihn "genial".

Auch Friedensbilanz im eigenen Land berücksichtigen

Und zu einer ehrlichen Friedensbilanz gehört auch die im eigenen Land, wo Trump rassistische Gewalttäter verteidigt, seine Anhänger zur gewaltsamen Stürmung des Kapitols ermuntert und sich davon bis heute nicht distanziert hat.

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