Aberglaube

Warum bringen Schornsteinfeger Glück?

Stand
AUTOR/IN
Gábor Paál
Gábor Paál (Foto: SWR, Oliver Reuther)

Audio herunterladen ( | MP3)

Kaminkehrer sorgt für Sicherheit, macht mit rußigem Gesicht aber auch Angst

Früher hatten die Leute ein sehr ambivalentes Verhältnis zum Schornsteinfeger. Einerseits bringt er ja faktisch Glück: Er reinigt den Kamin und sorgt dadurch dafür, dass den Hausbewohnern keine Rußbrände, Gasvergiftungen oder Hausbrände drohen. Aber er war halt auch schwarz. Und das muss auf viele Leute furchteinflößend gewirkt haben. Früher glaubten die Leute noch an den Teufel, und da konnte ja schon der Verdacht aufkommen, dieser schwarze Mann könnte mit dem Satan im Bund stecken.

Der Schornstein als geheimnisvoller Ort

Außerdem war der Schornstein ein geheimnisvoller Ort. Noch heute erzählt man Kindern, dass der Nikolaus durch den Schornstein kommt. Und in Gruselgeschichten gehen die Gespenster durch die Kamine ein- und aus oder hausen dort.

Das sind zwar aus heutiger Sicht harmlose Geschichten. Sie gehen aber darauf zurück, dass der Kamin in früheren Zeiten ein dunkler Ort war. Daher war er dafür prädestiniert, dass man dort etwas hineingeheimnissen konnte.

Dunklen Ort von Ruß und bösen Geistern reinigen

Aus all diesen Gründen war der Schornsteinfeger immer eine Respektsperson. Blöd wäre aber gewesen, wenn die Leute so viel Angst vor diesem schwarzen Mann gehabt hätten, dass sie ihn gar nicht mehr in ihre Wohnungen gelassen hätten. Dann hätten am Ende Häuser gebrannt und Menschen wären in ihren Feuerabgasen erstickt.

Insofern hatte das Gerücht, dass Schornsteinfeger Glück bringen, schon Vorteile. Und so erzählten sich die Leute, dass der Schornsteinfeger Glück bringt, weil er in diesen Kamin, diesen dunklen Ort vordringt und ihn von potenziell bösen Geistern reinigt. Und weil er – wenn er wirklich mit dem Teufel in Kontakt steht – mit dessen Hilfe sogar andere Geister bannen könnte.

Ob jemand dieses Gerücht absichtlich in die Welt gesetzt hat, um die Leute zu beruhigen und um die Akzeptanz gegenüber dem Schornsteinfeger zu steigern – das ist nicht überliefert. Genauso gut ist möglich, dass das irgendwann einfach mal aufkam und sich dann verselbständigt hat.

Schornsteinfeger bringt Glück fürs neue Jahr

Der Schornsteinfeger ist auch eine "Neujahrs-Figur": Er taucht zum Jahreswechsel als Kuchen-Dekoration oder aus Marzipan geformt auf. Ein Zusammenhang besteht darin, dass früher der Schornsteinfeger traditionell an Neujahr herum ging und seine Jahresrechnung vorlegte – und bei der Gelegenheit natürlich gleich eine der ersten Personen war, die einem im neuen Jahr begegneten. Insofern war es aus praktischen Gründen gut zu glauben, dass er Glück bringt. Denn hätte er als Unheilsbote gegolten, wäre er als Neujahrsbesucher sicher nicht so willkommen gewesen.

Aberglaube Warum gilt die 13 als Unglückszahl?

Freitag, der 13.! Viele Leute sind an diesem Tag besonders vorsichtig unterwegs und meiden schwarze Katzen und Leitern. In anderen Kulturen bringt die 13 sogar Glück. Und anderswo stehen ganz andere Zahlen für Glück und Pech. Von Petra Pfeiffer

Redensart Woher kommt "der Teufel ist ein Eichhörnchen"?

Der weit verbreitete Spruch hängt damit zusammen, dass das Eichhörnchen immer schon im Aberglauben negativ besetzt war. Denn zwei Faktoren verbinden es mit dem Teufel. Von Rolf-Bernhard Essig.

Derzeit gefragt

Ornithologie Benutzen Blaumeisen das Nest vom Vorjahr oder bauen sie neu?

Das alte Nest, so wie es ist, wird nie mehr direkt benutzt, sondern die Vögel bauen ein neues Nestchen darüber. Von Claus König

Ornithologie In welchen Abständen legen Meisen ihre Eier?

Eine Blaumeise kann bis zu 12 Eier legen – jeden Tag eins. Trotzdem schlüpfen die Jungen alle gleichzeitig, denn gebrütet wird erst, wenn das Gelege vollständig ist. Von Hans-Heiner Bergmann

Gelenke Ist Fingerknacken schädlich?

Viele denken, dass es die Gelenkteile sind, die aneinander reiben. Aber die Medizin sagt, dass das Geräusch auf Gase zurückgeht, die freigesetzt werden. Von Gábor Paál | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.

Redensart Woher kommt "der Teufel ist ein Eichhörnchen"?

Der weit verbreitete Spruch hängt damit zusammen, dass das Eichhörnchen immer schon im Aberglauben negativ besetzt war. Denn zwei Faktoren verbinden es mit dem Teufel. Von Rolf-Bernhard Essig.

Gesundheit Mit dem Rauchen aufhören: Wann ist der Körper wieder auf Nichtraucherniveau?

Das Rauchen hat viele Auswirkungen auf den Körper. Manche verschwinden, wenn man aufhört, schneller, andere brauchen länger. Recht schnell verschwinden die unmittelbaren Symptome, also der Raucherhusten und die Kurzatmigkeit. Von Gábor Paál | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.

Tiere Warum fliegt ein Buchfink immer wieder gegen meine Fensterscheibe?

Dieser Vogel sieht sein Spiegelbild. Jetzt in der Fortpflanzungszeit glaubt er, dass er es mit einem Rivalen zu tun hat – und den versucht er zu bekämpfen. Von Claus König

Insekten Warum fliegen Fliegen und andere Insekten gegen Glasscheiben?

In der Evolution der Fliegen gab es keine Glasscheiben. Das ist eine Erfindung, die erst in den letzten Jahrhunderten aufgetreten ist. Von Lars Krogmann