Umwelt

Klimawandel: Führt mehr Hitze zu mehr Waldbränden?

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Gábor Paál
Gábor Paál (Foto: SWR, Gábor Paál)

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Zündquelle und trockenes Brennmaterial sind Voraussetzung für Waldbrand

Grundsätzlich ja, aber die Zusammenhänge sind nicht ganz so simpel, wie man denken könnte. Lassen wir den Klimawandel kurz beiseite und klären, was hat Hitze mit Waldbränden zu tun?

  1. Durch heißes Wetter allein fängt kein Wald an zu brennen. Selbst Hitzetage von 40°C reichen nicht, das müssen schon 200°C, eher 300°C Grad sein. Sprich: Es braucht eine Zündquelle – also eine weggeworfene Zigarette oder einen Idioten, der absichtlich ein Feuer legt. Manchmal entstehen Waldbrände auch durch Blitzeinschlag, aber das sind im Vergleich sehr wenige. Und entgegen landläufiger Meinung spielen Glasscherben eine vernachlässigbare Rolle. Ohne eine Zündquelle entstehen keine Waldbrände, egal wie heiß es ist.
  2. Es braucht ausgetrocknetes, leicht entzündliches Brennmaterial. Waldbrände entstehen in der Regel nicht an den Bäumen, sondern am Boden. An herumliegendem Laub und anderen toten Pflanzenresten. Und die sind vor allem dann besonders trocken, a) wenn sie schon lange dort liegen und b) wenn es lange nicht geregnet hat. Das unabhängig von der Temperatur.

Ein Waldbrand kann auch nach längerer Trockenheit im Winter entstehen, wenn die Pflanzenreste vom Vorjahr noch kaum zersetzt, aber schon ziemlich ausgetrocknet sind, und gleichzeitig noch nichts Neues, Lebendiges von unten nachgewachsen ist.

Hitze entzieht dem Waldboden Feuchtigkeit

Aber Waldbrände entstehen auch im Sommer, und an der Stelle kommt die Hitze doch ins Spiel. Hätten wir jeden Tag einen schönen Sommerregen, wäre die Hitze kein Problem. Sie spielt aber eine Rolle, wenn es länger nicht regnet. Denn je heißer es ist, desto mehr Feuchtigkeit kann die Luft aufnehmen, desto schneller verdunstet der Rest an Feuchte, der im Boden oder in der Bodenauflage ist. Bei anhaltenden Dürreperioden trocknet der Boden deshalb bei heißen Temperaturen schneller aus und, das, was am Boden rumliegt  kann sich in der Folge umso leichter entzünden. Und wenn erstmal ein kleiner Brandherd entstanden ist, breitet sich das Feuer umso schneller aus. Das hängt aber auch vom Wind ab, der ist ein wesentlicher Faktor bei der Ausbreitung von Bränden.

Mehrere Faktoren spielen zusammen, damit es zum Waldbrand kommt

Die Hauptfaktoren bei Waldbränden sind also Dürren – egal zu welcher Jahreszeit – sowie die Zahl von Leuten, die absichtlich oder versehentlich Feuer legen. Hitze spielt nicht die wichtigste Rolle. Trotzdem, wenn alle anderen Faktoren gleichbleiben – die Zahl der weggeworfenen Kippen, die Zahl der regenfreien Tage und so weiter, dann erhöht Hitze das Risiko von Bränden, weil die Böden schneller austrocknen.

Waldbrandrisiko steigt durch längere Dürreperioden

Jetzt zum Klimawandel. Der Klimawandel könnte durchaus die Wahrscheinlichkeit von Waldbränden erhöhen. Und zwar gar nicht so sehr wegen der höheren Temperaturen. Klimawandel heißt ja nicht einfach, dass jeden Tag alles ein bisschen wärmer wird. Der Klimawandel verändert aber die Verteilung von Niederschlägen. Er führt dazu, dass wir im Schnitt häufigere, teilweise lokale Starkregen haben, dazwischen aber längere Dürreperioden. Das ist der eigentliche Faktor, der dazu führen könnte, dass bei steigenden globalen Temperaturen das Waldbrandrisiko steigt. Außer, wenn die Vernunft der Menschen im Umgang mit Brandgefahren im gleichen Maße wächst.

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