Tradition

Gibt es Bräuche aus vorchristlicher Zeit?

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AUTOR/IN
Werner Mezger

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Halloween – ein karnevalesker Brauch

Halloween ist ein Beispiel dafür, wie man es mit der Kontinuität eigentlich nicht machen sollte. Halloween ist ein fast karnevalesker Brauch, bei dem die Menschen allerlei Unsinn machen. Man hat sehr viele Bräuche, auch die Fastnacht, von den "alten Germanen" hergeleitet, aus heidnischer, aus grauer Vorzeit. Das war aber immer auch ein Legitimationstrick. Im 19. Jahrhundert war das der Fall; auch das "Dritte Reich" hat sehr daran mitgearbeitet. In der Zwischenzeit weiß man, dass man die Germanen nicht mehr bemühen sollte. Bei Halloween sind es die Kelten; manche sprechen von den Kelten als den "entnazifizierten Germanen" – dies jedoch nur als heitere Zwischenbemerkung.

Mit solch großen Kontinuitäten sind wir in der Wissenschaft grundsätzlich vorsichtig. Linien, die sich tatsächlich über 2000 Jahre gehalten haben, sind immer schwer auszumachen. Dennoch gibt es solche Phänomene.

Römisches Jahr hatte ursprünglich nur 10 Monate

Das römische Jahr hatte ursprünglich zehn Monate und begann am 1. März. Später hat man hinten noch zwei Monate angehängt – den Januar und den Februar. Die wiederum sind dann vorne ans Jahr gerückt – und seither stimmt unsere Zählung nicht mehr: Der September – also der Siebte – ist heute der neunte Monat im Jahr und so geht das bis zum Dezember weiter, der nicht mehr der zehnte, sondern der zwölfte Monat ist.

Der 1. März war nun also der römische Jahresbeginn. Im Engadin in der Schweiz gibt es den Brauch Chalandamarz. Damit wird der März begrüßt; so eine Art Frühlingswecken. Chalandamarz sind die "Kalenden des März"; da bildet sich also etwas vom römischen Kalender ab.

Dasselbe gilt auch für die osteuropäischen Staaten wie Rumänien oder Bulgarien. Vor allem in Bulgarien wird der 1. März wie ein Jahresanfang gefeiert. Rumänien und Bulgarien – Dakien – waren ja römische Zentralprovinzen; dort hat sich diese Tradition noch gehalten.

Es gibt also einzelne Verbindungslinien wo man sagen kann, dass Brauchreste sehr weit in die Vergangenheit reichen können.

Zeiteinteilung nach Mondphasen

Ein anders Beispiel ist der "Bauernwinter". Am 11. November, also am Martinstag, hörte man auf den Höfen auf zu arbeiten; das Gesinde wurde entlassen. Am 2. Februar, an Mariä Lichtmess, nahm man dann die Arbeit wieder auf. Diese beiden Termine gehen tatsächlich in prähistorische Zeiten zurück. Wenn man von der heutigen Wintersonnwende ausgeht (die liegt fest und hängt nicht von der Kalenderkonstruktion ab, sondern von der Astronomie); sie fällt auf den 21. oder 22. Dezember, und 42 Tage zurückrechnet, kommt man auf den 11. November. Wenn man 42 Tage vorgeht, kommt man auf den 2. Februar. Diese zweimal 42 Tage sind insgesamt 84 Tage. Geteilt durch drei sind das 28 Tage – genau drei Mondphasen.

Man weiß heute, dass schon ungefähr 3000 vor Christus Menschen ihre Zeit nach Mondphasen eingeteilt haben. Die Zeiteinteilungen haben sie aber von den realen Mondphasen gelöst und im Sonnenjahr festgemacht.

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