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Gibt es bei Tieren Dialekte?

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Gábor Paál
Gábor Paál (Foto: SWR, Oliver Reuther)

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Vögel artikulieren sich regional unterschiedlich

Es wird inzwischen bei immer mehr Tierarten nachgewiesen, dass sie sich regional unterschiedlich artikulieren. Schon lange ist es bei Vögeln bekannt, vor allem den Singvögeln. Zum Beispiel klingen die Amseln im Breisgau unter Umständen anders als die im Rhein-Main-Gebiet. "Anders" kann zum Beispiel heißen, dass sich die typischen Melodien unterscheiden. Häufig kommt es auch vor, dass die Melodien zwar ähnlich sind, die Tonart jedoch eine andere ist: In einer Gegend singen die Vögel die gleiche Melodie etwas höher als in einer anderen. Oder schneller. Oder – auch das hat man nachgewiesen – in dicht besiedelten Gebieten singen Vögel lauter, um gegen den Stadtlärm überhaupt noch durchzudringen.

In Langzeitstudien hat man auch festgestellt, dass die Gesangsweisen sich über Generationen verändern. Zum Beispiel haben Wissenschaftler in der Nähe vom Yosemite-Nationalpark in Kalifornien seit den 1970er-Jahren Aufnahmen von einer bestimmten Sperlingsart gemacht – der Gesang der Sperlinge hat sich seitdem deutlich verändert.

Bei welchen Tieren gibt es noch Dialekte?

Bei Walen sind sie nachgewiesen und auch bei Affen – vor allem bei den Gibbon-Affen in Südostasien. Die Gesänge der Gibbons in Vietnam unterscheiden sich von denen in Kambodscha. Englische Forscher wiederum wollen bei Kühen Muh-Unterschiede zwischen verschiedenen Herden nachgewiesen haben. Sie sind von Bauern darauf aufmerksam gemacht worden, haben das Muhen der verschiedenen Kühe dann phonetisch analysiert – und tatsächlich lokale Klangunterschiede festmachen können, die man als Dialekte bezeichnen könnte.

Wie ist es bei Hunden? Bellen die in Amerika anders als in Europa?

Bei Hunden hat man vor allem gezeigt, dass sich ihr Bellen manchmal der Stimme ihres Herrchens anpasst, vor allem im Tempo und Rhythmus. Das wäre an sich noch kein regionaler Dialekt. Da aber Hundehalter ja nun mal auch eine bestimmte Sprachen sprechen und auch nicht frei sind von regionalen Dialekten, wäre die logische Folge – wenn man davon ausgeht, dass Herrchens und Frauchens Tonlage abfärbt – dass auch die Hunde sich eine Art Dialekt aneignen.

Verstehen Hunde und Vögel fremde Dialekte?

Sofern man von "verstehen" bei Hunden sprechen kann. Aber man kann wohl davon ausgehen, dass trotz möglicher Dialekte ein Hund "versteht", wenn ein anderer ihn aggressiv anschnauzt. Oder dass ein Amselweibchen am Ende doch "versteht", was das Männchen ihm "sagen" will.

Allerdings weiß man auch, dass Vogelweibchen Partner bevorzugen, die so singen, wie die Weibchen es von ihrer Heimat her kennen. Je fremder der Dialekt des Männchens, desto eher lehnen sie es ab. Und es gibt auch Fälle, wo der Dialekt zur endgültigen Trennung geführt hat.

Der Ornithologe Claus König hat mir mal ein klassisches Beispiel genannt: Nachtigall und Sprosser. Die Nachtigall kommt mehr in Westeuropa vor, der Sprosser im Osten – sie gehörten einmal zu einer Art. Durch die Eiszeit wurden verschiedene Populationen getrennt und entwickelten in der Isolation jeweils unterschiedliche Gesänge. Als das Eis weg war, sangen sie so unterschiedlich, dass sie sich nicht mehr paarten. Auf diese Weise entstanden aus ursprünglich einer Art zwei Arten.

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