Immer häufiger werden ältere Menschen Opfer von Schockanrufen, rheinhessische Banken schulen jetzt Mitarbeitende, um zu helfen (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Telefonbetrüger stoppen

Banken in Rheinhessen wollen Opfer von Schockanrufen schützen

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Wolfgang Seligmann

Schockanrufe: Immer wieder erbeuten dreiste Verbrecher vor allem bei älteren Menschen damit viel Geld. Nicht nur die Polizei, auch Banken in Rheinhessen versuchen, zu helfen.

Das, was einer 80 Jahre alten Mainzerin vor wenigen Tagen passiert ist, geschieht fast täglich fast überall: Ein unbekannter Anrufer sagt am Telefon: „Ihre Tochter hat einen schweren Unfall verursacht“. Im Hintergrund hört die Mainzerin eine Frau weinen. Ihr rutscht der Name ihrer Tochter heraus: „Doch nicht Julia“. Und der Unbekannte reagiert sofort: "Ja genau. Julia hat einen Unfall verschuldet, bei dem ein Mensch schwer verletzt wurde". Dann verlangt der Anrufer 28.000 Euro Kaution, damit die angebliche Julia aus dem Gefängnis entlassen werden kann. Das Geld solle vor dem Amtsgericht einem angeblichen Mitarbeiter übergeben werden.

Bankmitarbeiter wird misstrauisch

Die Frau ist sofort bereit zu zahlen und geht zu ihrer Bank - in diesem Fall zur einer Mainzer Filiale der Sparda-Bank Südwest. Aber: Bei dieser Summe wird der Bankangestellte am Schalter misstrauisch und ruft geistesgegenwärtig die Tochter der Frau an. Die hat in diesem Moment, wie sie selbst erzählt, eigentlich keine Lust auf irgendeinen Werbeanruf ihres Geldinstitutes und will den Mann schnell abwimmeln. Der aber bleibt hartnäckig: "Es ist wichtig", sagt er eindringlich und verhindert so, dass eine Seniorin um ihr Erspartes gebracht wird.

Banken arbeiten mit der Polizei zusammen

Natürlich ist die Polizei in solchen Dingen hauptverantwortlich, wenn es um Vorbeugung und Verfolgung solcher Verbrechen steht. Das Beispiel zeigt aber deutlich, dass Bankmitarbeiterinnen und -mitarbeiter so etwas verhindern können. "Wir schulen unsere Mitarbeiter seit mindestens zehn Jahren für solche Fälle", sagt Volker Rathy, Sprecher der Rheinhessen-Sparkasse. Dabei arbeite man eng mit der Polizei zusammen, um immer über die neuesten Betrugsmaschen informiert zu sein. Erst vor wenigen Wochen, so Rathy, hätten die Sparkassen-Mitarbeiter ein neues Faltblatt erhalten, mit neuen Informationen und Verhaltensregeln.

Sensibilität im Umgang mit Bankkunden erforderlich

Als Bankmitarbeiter am Schalter eine Kundin oder einen Kunden zu fragen, ob bei einer großen Kontoabhebung alles mit rechten Dingen zu geht, bedarf Fingerspitzengefühl und Sensibilität. "Genau das bringen wir unseren Mitarbeitern am Schalter oder auch beim Telefonbanking bei", erklärt Martin Eich von der Mainzer Volksbank (MVB).

"Wir haben Betrügereien in Höhe von insgesamt mehreren 100.000 Euro verhindert."

Die MVB hat außerdem eine eigene Betrugsabteilung. "Kommt den Kolleginnen und Kollegen irgendetwas komisch vor, können sie jeder Zeit in dieser Abteilung anrufen und sich Rat holen", so Eich. Durch das Engagement der Mitarbeiter habe man bei der MVB schon Betrügereien in Höhe von insgesamt mehreren 100.000 Euro verhindern können.

Schock- und Trickanrufe kommen oft in Wellen

Die Polizei gebe der Bank regelmäßig Informationen – zum einen über neue Methoden der Betrüger, zum anderen, wenn in der Region wieder eine Welle solcher Schockanrufe läuft. Großer Vorteil der Volksbanken und Sparkassen sei es, dass man viele Kunden und ihre persönlichen Hintergründe seit Jahren kenne, so MVB-Sprecher Eich weiter. Da falle es leichter, auf ungewöhnliche Kontobuchungen aufmerksam zu werden.

Die sicherste Art und Weise, den Betrug zu verhindern, ist aber entweder gleich aufzulegen, die (richtige) Polizei anzurufen oder direkt das eigene Kind zu kontaktieren, das den vermeintlichen Unfall hatte.

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