Auf einem Tisch im Mainzer Stadthaus liegen Zettel, auf denen Diskussionsthemen zum Klimawandel in der Stadt Mainz stehen, die sich die Bürgerinnen und Bürger aussuchen können (Foto: SWR, Sabine Steinbrecher)

Strategie gegen Folgen des Klimawandels

Hitzeaktionsplan für Mainz gesucht

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Sabine Steinbrecher
Sabine Steinbrecher ist Reporterin im SWR Studio Mainz (Foto: SWR, Daniel Brusch)

Mainz heizt sich immer mehr auf und leidet unter Trockenschäden. Die Stadt will eine umfassende Strategie dagegen entwickeln. Deshalb hatte sie zu einem Forum ins Stadthaus eingeladen.

Während Städte wie Worms bereits einen Hitzeaktionsplan entwickelt haben, scheint die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt den Folgen des Klimawandels planlos gegenüberzustehen. Parkanlagen vertrocknen, Trinkwasserbrunnen gibt es immer noch nicht, bei Baumaßnahmen werden Flächen wie am Rheinufer weiter zugepflastert.

Auftaktveranstaltung Strategie zur Anpassung an den Klimawandel in Mainz

Renate Ammann (Bündnis 90/Die Grünen) aus dem Ortsbeirat Altstadt sprach stellvertretend für viele, als sie ihrem Ärger bei der Auftaktveranstaltung Luft machte. Eine "Katastrophe" sei, wie immer wieder Flächen zubetoniert würden, sie sei sehr frustriert.

"Wir wissen seit mehr als 30 Jahren, dass uns der Klimawandel betrifft, aber das kommt bei der Stadt nach wie vor nicht an."

Konkretes Beispiel ist die neue Rheinufergestaltung. Umweltdezernentin Janina Steinkrüger (Bündnis 90/Die Grünen) entgegnete darauf, es gebe bei Neuplanungen immer viele Interessen, das sei eine große Herausforderung. Das Rheinufer sei eine zentrale Veranstaltungsfläche, zeitweise mit Fahrgeschäften, da könne man den Boden nicht entsiegeln.

Auf Mainzer Bürgerinnen und Bürger hören

Bei der Auftaktveranstaltung für eine Strategie sollten die Bürgerinnen und Bürger nicht nur Erklärungen bekommen, sie wurden auch nach Verbesserungsvorschlägen gefragt. Die rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten lebhaft zu verschiedenen Themenbereichen. So ging es zum Beispiel beim Thema „Gesundheit“ um die Frage, wie man Ältere, Kranke oder Wohnsitzlose vor der Hitze in der Stadt schützen kann. Immer wieder wurde betont, dass das Klima wichtiger sei als alles andere.

Stadtplanung muss Klima oberste Priorität einräumen

Eine Mainzerin sagte, die Stadt müsste schnellstens begrünt werden. "Wir müssen verschatten, mehr Feuchtigkeit in die Stadt bringen, Wasser zurückhalten und vor Ort nutzen für Verdunstung, Kühlung. Wir müssen ganz anders planen und bauen in Zukunft".

Eine Gruppe Menschen sitzt vor einer Stellwand, auf der Ideen für besseren Klimaschutz in Mainz gesammelt werden und diskutieren. Im Vordergrund hebt einTeinehmer den Arm, um sich zu melden. (Foto: SWR)
Lebhafte Beteiligung am Diskussionsforum für einen besseren Klimaschutz in Mainz

Vor allem zum Themenfeld "Gebaute Umwelt" kamen viele Vorschläge: Mit der Blockrandbebauung müsse Schluss sein, da staue sich die Hitze. Da könne man besser Hochhäuser bauen, die zwischendrin kalte Luft durchlassen. Auch müsse es mehr Schatten geben in Mainz zum Beispiel durch Arkadengänge.

Sonnensegel über dem Mainzer Gutenbergplatz

Die Vorschläge nimmt die Stadt nun mit in Workshops, die nach der Sommerpause starten sollen. In den Gremien sitzen in erster Linie Expertinnen und Experten. Umweltdezernentin Steinkrüger sagte, bisher habe das Thema Klima "nur so nebenher in der Verwaltung" eine Rolle gespielt. Jetzt sei eine neue Mitarbeiterin eingestellt worden, die sich ausschließlich damit beschäftige und die die sogenannte "Klimawandelfolge-Anpassungsstrategie" mit entwickeln soll.

Schon jetzt viele Maßnahmen für besseres Klima

Mainz habe bereits viele Maßnahmen eingeleitet und umgesetzt. Es gebe zum Beispiel die Baumschutzsatzung, die das Fällen oder den Rückschnitt von Bäumen ab einer bestimmten Größe verbietet. Auch gebe es ein Förderprogramm für Dach- und Fassadenbegrünung.

"Dieser Dialog soll auch dazu dienen, aufzuzeigen, was die Stadt im öffentlichen Raum schon macht."

Die umfassende Strategie, die jetzt entwickelt wird, soll einen Maßnahmenkatalog enthalten und eine Anleitung für alle planenden Ämter in der Stadt sein. Fertig wird die Strategie erst in zwei Jahren. Bis dahin sollen aber Einzelmaßnahmen zur Klimaanpassung umgesetzt werden. Zum Beispiel – endlich - ein Trinkwasserbrunnen im öffentlichen Raum.

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