Im Bistum Mainz stehen am Wochenende die Pfarrei- und Pfarrgemeinderatswahlen an. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Katholische Kirche will moderner werden

Erste Pfarreiratswahlen im Bistum Mainz

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Vanessa Siemers
SWR-Redakteurin Vanessa Siemers (Foto: SWR)

Im Bistum Mainz werden am Wochenende neue Pfarrgemeinderäte gewählt. Und diese Wahlen stehen unter besonderen Vorzeichen. Denn das Bistum Mainz befindet sich im Umbruch. Überall sollen Pfarrgemeinden zu neuen Großpfarreien zusammengelegt werden – wie die neugegründete Pfarrei St. Maria Magdalena Ingelheim.

Sich einbringen, kreative Ideen verwirklichen und die katholische Kirche verantwortungsvoll in eine modernere Zukunft führen. Das ist der Wunsch von Susanne Barner. Sie ist eine der Kandidatinnen und Kandidaten, die sich für die erste Pfarreiratswahl in der Pfarrei St. Maria Magdalena Ingelheim haben aufstellen lassen.

Das Amt als mögliche neue Pfarreirätin wäre Susanne Barner auch nicht ganz neu. In den vergangenen zwölf Jahren hat sie sich bereits im Pfarrgemeinderat der früheren Pfarrgruppe Gau-Algesheim engagiert. Die Aufgaben werden zwar nicht grundsätzlich ganz andere sein, dennoch betont sie, dass die künftigen Pfarreiräte vor neuen Herausforderungen stehen. "Die Arbeit wird anders sein, also der Raum, in dem man denken muss, der ist jetzt sehr viel größer," sagt sie.

Der Pfarreirat muss versuchen, unparteiisch die Belange der ganzen Großpfarrei im Blick zu behalten.

Die neu gegründete Großpfarrei St. Maria Magdalena Ingelheim wählt an diesem Wochenende ihren ersten Pfarreirat. Auch Susanne Barner hat sich als Kandidatin aufstellen lassen. (Foto: Susanne Barner)
Die neu gegründete Großpfarrei St. Maria Magdalena Ingelheim wählt an diesem Wochenende ihren ersten Pfarreirat. Auch Susanne Barner hat sich als Kandidatin aufstellen lassen.

Pfarreirat muss alles im Blick behalten

"Der Pfarrgemeinderat hat sich bisher "nur" um die Belange seiner jeweiligen Mitglieder kümmern müssen. Der Pfarreirat muss aber die Interessen von allen kennen und berücksichtigen", so Barner. Die Gemeinschaft sei mit der Zusammenlegung der einzelnen Pfarreien zu einer Großpfarrei natürlich viel größer geworden. Dadurch ergäben sich zwar viele Chancen, aber sicherlich auch einige strittige Punkte.

Besonders positiv findet Barner, dass sich die Ehrenamtlichen und Engagierten aus den Nachbarorten jetzt viel stärker untereinander austauschen. Ideen und Projekte könnten gemeinschaftlich entwickelt werden, was auch Ressourcen spare. So könnte man zum Beispiel ein gemeinsames Konzept für einen Gottesdienst erarbeiten und dieses dann in den verschiedenen Kirchen übernehmen. Das erspare Arbeit, da sich nicht jede Gemeinde ein eigenes überlegen müsse. Dennoch gebe es auch einige Gemeindemitglieder, die genau das kritisierten – dass man nun vieles miteinander abstimmen müsse.

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Neue Struktur entlastet Ehrenamtliche

Die Pfarreikoordinatorin, Christine Wüst-Rocktäschel, sieht, ähnlich wie Barner, in der neuen Zusammenarbeit viele Vorteile. Wie sie im Gespräch mit dem SWR betonte, sei es in den vergangenen Jahren zunehmend schwieriger geworden genügend Ehrenamtliche zu finden. Durch die neue Pfarrei-Struktur könne man diese Entwicklung besser auffangen, da sich die Gemeinden gegenseitig unterstützten.

Außerdem würden die engagierten Gemeindemitglieder viel stärker in die Kirchenarbeit eingebunden. Dieses Gefühl hat auch Susanne Barner: "Die Ehrenamtlichen werden viel mehr wertgeschätzt. Es ist jetzt viel eher ein Miteinander auf Augenhöhe zwischen ihnen und den hauptamtlichen Vertretern der katholischen Kirche." Dass das bei vielen Menschen sehr positiv ankommt, könne man auch an den Bewerbern und Bewerberinnen für den Pfarreirat sehen. Für die Wahl hätten sich sehr unterschiedliche Kandidaten aufgestellt, so Barner.

Es ist ein Aufbruch in neue Zeiten.

Auch Wüst-Rocktäschel bestätigt, dass sich für die neue Großpfarrei genügend Bewerberinnen und Bewerber gefunden hätten. "Wir hatten damit gerechnet, dass es schwieriger wird", gibt sie zu.

Neue Herausforderungen in Großpfarrei

Bei den vielen Chancen, die Barner in der neuen Großpfarrei sieht, gibt es aber auch einige Herausforderungen. So werde sich der Pfarreirat unter anderem Gedanken darüber machen müssen, an welchen Orten zu welchen Zeiten Gottesdienste angeboten werden. Sie geht davon aus, dass es zukünftig generell weniger klassische Gottesdienste geben wird.

Auch beim Thema Finanzen rechnet sie damit, dass es die ein oder andere Diskussion geben wird. So könnten die Gemeinden beispielsweise unterschiedliche Vorstellungen bei Renovierungs-Themen haben. Oder bei Fragen, die die verschiedenen Immobilien betreffen.

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"Es sind nicht alle begeistert von dieser Umstrukturierung. Gerade die kleineren Orte haben Angst, dass man jetzt nur noch auf die großen schaut. Genau diese Ängste muss der künftige Pfarreirat nehmen", so Barner.

Gemeindeleben findet weiterhin in den Dörfern statt

Trotz Bedenken einiger Gemeindemitglieder ist Susanne Barner davon überzeugt, dass der pastorale Weg der richtige ist. Und man dürfe auch nicht vergessen, dass das Gemeindeleben weiterhin in den Dörfern stattfinde und nicht im Pfarreirat. Dafür würden schon die neu konzipierten Gemeindeausschüsse sorgen, in denen unter anderem besprochen werde, welche Feiern veranstaltet und wie die Besuchsdienste organisiert werden. "Inhaltlich kann man im Prinzip sagen, sind die neuen Gemeindeausschüsse sowas wie der Nachfolger des bisherigen Pfarrgemeinderats", so Barner. Sie jedenfalls freue sich darüber, dass die katholische Kirche moderner wird und werde sich deswegen auch weiterhin gerne für sie engagieren.

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