Die Baugrube am Berliner Platz

Immobilien-Experte: Baugrube auf Dauer "nicht duldbar"

Metropol in Ludwigshafen: Hat das Projekt am Berliner Platz noch eine Zukunft?

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AUTOR/IN
Irmgard Reißinger

Fast zehn Jahre nach Start der großen Pläne zum Metropol-Hochhaus in Ludwigshafen herrscht Ernüchterung. Die Projektgesellschaft ist insolvent. Was rät jetzt ein Experte?

Die Immobilienkrise schlägt jetzt bundesweit zu. Immer mehr Projekte mit Büros, Wohnungen und Hotels müssen Insolvenz anmelden. In Ludwigshafen hat die Krise rund um das Metropol- Hochhausprojekt schon vor vielen Jahren begonnen. Die Pläne von Investor Günther Tetzner von der Timon Bauregie aus Ettlingen bei Karlsruhe scheiterten mehrfach an fehlendem Geld.

Kein Meter der beiden geplanten Hochhausblöcke mit Büros, Hotel, Arztpraxen und Einzelhandel wurde gebaut. Das Bauloch klafft weiter in der Innenstadt.

Frage an einen Experten: Hat das Metropol-Projekt noch eine Chance?

Der SWR hat bei Steffen Sebastian von der Uni Regensburg nach seiner Meinung gefragt. Der Experte sieht schlechte Chancen für Bauprojekte wie in Ludwigshafen. Grund sei die aktuelle Immobilienkrise.

Momentan werden Bauprojekte reihenweise abgesagt. Aufgrund der stark gestiegenen Kosten durch die stark gestiegenen Zinsen und wegen des mangelnden Interesses von Investoren. Also bei den jetzigen Rahmenbedingungen, wird das sicherlich deutlich schwieriger, als in den vergangenen zehn Jahren.

Eine Stadt wie Ludwigshafen müsse nicht dauerhaft und handlungsunfähig zusehen, wenn sich bei dem Metropol-Projekt nichts mehr bewege, so Steffen Sebastian. Er sagt, grundsätzlich gebe es die rechtliche Möglichkeit, ein "Baugebot" auszusprechen, falls sich an der Baustelle weiterhin nichts tut. Und das könne im Extremfall bis zur Enteignung gehen. Steffen Sebastian rät: "Realistischerweise muss man einfach sich die Frage stellen, ob ein derartiges Großprojekt in der Dimension auf den heutigen Markt noch umsetzbar ist oder ob es nicht sinnvoller ist, vielleicht ein deutlich kleineres Projekt zu realisieren."

Der Grund: In dem fertig geplanten Metropol-Hochhausprojekt sind auch Büros und Hotel-Etagen vorgesehen. In diesen Bereichen habe sich die Nachfrage geändert. Solche Investitionen würden sehr sorgfältig geprüft. Auch im Bereich Hotel müsse man vorsichtig sein. In der Rhein-Neckar-Region sei in der Vergangenheit auf diesem Gebiet sehr viel gebaut worden.

Eine Baugrube im Stadtzentrum: auf Dauer nicht duldbar

"Was sicherlich in städtebaulicher Hinsicht nicht hinnehmbar ist, ist auf Dauer hier eine Bauruine oder eine Baugrube im Zentrum der Stadt zu dulden. Also hier ist die Stadt irgendwann gezwungen, auch tätig zu werden", sagt Steffen Sebastian.

Insolvenzverwalter: Suche nach Geldgebern ist schwierig

Der vorläufige Insolvenzverwalter aus Mannheim, Tobias Wahl, sucht weiter nach Investoren, die das Projekt finanzieren. Sein Mitarbeiter David Blum sagte dem SWR, die Suche verschlechtere sich durch die Immobilienkrise. Das Interesse sei da, aber es "konkretisiere" sich nicht. Das Projekt werde von einem Immobilienmakler verwaltet.

Was plant die Stadt Ludwigshafen?

Mehrfach haben sich die Stadträte in nicht öffentlicher Sitzung beraten. Das Grundstück kaufen kann die Stadt nicht, Ludwigshafen ist zu hoch verschuldet. Nun laufe das Insolvenzverfahren. Ein Ludwigshafener Stadtsprecher meinte: "Wir sind nicht beteiligt".

BI Lebenswertes Ludwigshafen - Petition gegen Metropolhochhaus

Bürgerinitiative sammelt Unterschriften gegen Metropolhochhaus

Die Bürgerinitiative "Lebenswertes Ludwigshafen" teilte dem SWR mit, sie sei zuversichtlich für ihre Petition "Kein Metropolhochhaus auf dem Berliner Platz" bis zum 12.Dezember 1600 Unterschriften gesammelt zu haben. Dann wolle die Bürgerinitiative die Stadtratsmitglieder anschreiben und im Januar die Unterschriften übergeben. Die BI fordert, dass der Ludwigshafener Stadtrat und die Verwaltung das "Heft wieder in die Hand nehmen sollen", indem ein neuer Bebauungsplan erarbeitet wird, der auch Klima und Soziales stärker berücksichtigt. Und: Das Wohl der Allgemeinheit müsse stärker in den Mittelpunkt gerückt werden.

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