Ein Holzstempel mit der Aufschrift "4-Tage-Woche" auf einer Schieferplatte mit weiteren Stempeln unscharf dahinter. In Koblenz und Bad Neuenahr machen zwei Handwerksbetriebe mit der Vier-Tage-Woche gute Erfahrungen

Neue Studie zeigt, dass es funktioniert

Vier-Tage-Woche: So gut klappt sie schon in Koblenz und Bad Neuenahr

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Pia Nicoley
Foto von Multimediareporterin Pia Nicoley aus dem SWR-Studio Koblenz

Vier Tage arbeiten, voller Lohn: Laut einer neuen Studie aus Großbritannien ist das ein Erfolgsmodell. Diese Erfahrung machen auch Betriebe im Norden von Rheinland-Pfalz.

Die meisten Menschen, die Vollzeit arbeiten, müssen an fünf Tagen in der Woche arbeiten - meist von montags bis freitags. Doch es geht auch anders. Im Friseursalon "Chez Daniel" in Bad Neuenahr-Ahrweiler arbeiten die Beschäftigten zehn Stunden pro Tag - dafür aber nur an vier Tagen in der Woche. Sie setzen damit seit dem Herbst ein Arbeitszeitmodell um, das ein halbes Jahr lang in einem Pilotprojekt im großen Stil mit Unternehmen in Großbritannien getestet wurde - und das sehr erfolgreich.

Idee kam Friseur in Bad Neuenahr wegen teurer Energiepreise

Im Oktober 2022 hat der Chef des Friseurgeschäfts in Bad Neuenahr-Ahrweiler, Daniel Röber, die Vier-Tage-Woche eingeführt. Gearbeitet wird von Mittwoch bis Samstag. Sonntag bis Dienstag ist immer frei. Der Anstoß für die Vier-Tage-Woche sei ihm durch die explodierenden Energiepreise gekommen, erzählt Röber. Er habe die Kosten senken wollen.

Sein Team sei von dem neuen Arbeitszeitmodell begeistert. "Ich frage immer wieder nach. Aber bis heute will es keiner abgeschafft haben. Die sind alle sehr begeistert von der Vier-Tage-Woche." Friseurin Giulia Maggio findet das Modell ideal, wie sie auf Nachfrage des SWR erklärt. Sonntags spanne sie aus, montags könne sie die Hausarbeit erledigen und am Dienstag habe sie Zeit für sich selbst. Auch Daniel Röber selbst ist damit zufrieden. "Ich habe festgestellt, dass wir hier wieder mehr Bewerbungen bekommen durch die Vier-Tage-Woche."

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Vier-Tage-Woche kommt auch in Schreinerei in Koblenz gut an

Vielen Kunden sei gar nicht aufgefallen, dass der Salon nur noch vier Tage in der Woche geöffnet hat, sagt der Chef. Eine Kundin findet, dass das neue Modell für Berufstätige wegen der längeren Öffnungszeiten sogar sehr praktisch ist. Bei "Chez Daniel" bleibt die Vier-Tage-Woche auf jeden Fall bis zum Sommer. Dann will er mit seinem Team entscheiden, ob die Öffnungszeiten dauerhaft so bleiben.

Nur vier Tage die Woche arbeiten, bei voller Bezahlung - das bietet auch die Schreinerei Hendgen in Koblenz ihren Angestellten schon seit einigen Jahren und hat damit gute Erfahrungen gemacht. Schreinermeister Philipp Hendgen nutzt als Juniorchef die Möglichkeit, freitags frei zu haben - immerhin alle zwei Wochen, im Wechsel mit seinem Vater Rolf Hendgen. So ist immer ein Verantwortlicher im Betrieb in Koblenz-Güls.

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Vier-Tage-Woche bringt mehr Zeit für die Familie

Um die fehlende Arbeitszeit in der Vier-Tage-Woche zu kompensieren, arbeiten die Schreiner von montags bis donnerstags jeweils zehn Stunden und fangen morgens schon um sechs Uhr an. Juniorchef Philipp Hendgen sieht darin keinen Nachteil. Jeder Mitarbeiter habe feste Aufträge in der Werkstatt. Es gebe immer genug zu tun, damit jeder seine Zeit so effektiv wie möglich nutzen könne.

"Ich wollte meine Vaterrolle voll auskosten."

Geselle Tobias Zimmermann ist als einer der ersten in der Schreinerei auf die Vier-Tage-Woche umgestiegen. Damals - vor fünf Jahren - ging seine Tochter noch in die Grundschule und dem Familienvater war es wichtig, mehr zuhause zu sein und Zeit mit ihr zu verbringen. "Natürlich wollte ich meine Vaterrolle voll auskosten."

Das lohnt sich für ihn bis heute: "Der Vorteil für mich ist, dass ich ein bisschen vom Alltagsgeschehen mitkriege. Ich kann mich um meine Tochter kümmern, ich kann sie morgens wecken, Frühstück machen, zur Schule fahren. Und kann das so ein bisschen mitbegleiten, wenigstens einen Tag die Woche."

Vier der acht Schreiner nutzen die Vier-Tage-Woche schon

Vier der acht Schreiner in dem Familienbetrieb haben mittlerweile eine verkürzte Arbeitswoche. Auch der Chef der Koblenzer Schreinerei, Rolf Hendgen, bleibt selbst alle 14 Tage freitags zuhause. Ihm ist es wegen des Fachkräftemangels im Handwerk besonders wichtig, moderne Arbeitszeitmodelle anzubieten.

Das sei ein Vorteil gegenüber anderen Handwerkskollegen, sagt Hendgen: "Ich glaube schon, dass junge Leute, wenn sie auf der Suche nach einer neuen Stelle sind, gucken, wo kann ich für mich das Optimum herausnehmen. Und da ist eine flexible Arbeitszeit, die ich anbieten kann, schon vielleicht ein Entscheidungskriterium." Zurzeit arbeiten in der Schreinerei Hendgen auch zwei Auszubildende. Auch sie können sich vorstellen, nach der Lehre in eine 4-Tage-Woche zu starten.

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