Zeichnung der Außenansicht der Synagoge (Foto: Architekten Wandel Lorch Götze Wach)

Jüdische Gemeinde stellt Entwurf vor

So soll die neue Synagoge in Koblenz aussehen

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Die Jüdische Gemeinde in Koblenz will eine neue Synagoge in der Innenstadt bauen. Jetzt gibt es einen konkreten Entwurf. Baustart ist im kommenden Frühjahr.

Avadislav Avadiev kann seine Freude über den Entwurf der neuen Koblenzer Synagoge kaum in Worte fassen. Seit fast 70 Jahren finden die Gottesdienste seiner Gemeinde in einem dauerhaften Provisorium auf dem jüdischen Friedhof statt, der ehemaligen Aufbahrungshalle, erzählt der Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde in Koblenz. Nun soll ein neues Gebetshaus und Gemeindezentrum auf einem Grundstück in der Weißer Gasse in der Altstadt entstehen. "Wir sind endlich am Ende eines langen Weges", freut sich Avadiev.

Zeichnung des Innenraums der geplanten Synagoge in Koblenz (Foto: Architekten Wandel Lorch Götze Wach)
Der schlichte Gebetsraum mit Lesepult und Toraschrein soll durch Oberlichter mit Licht durchflutet sein. Er bietet Platz für 150 Menschen. Architekten Wandel Lorch Götze Wach

Renommierte Architekten planen Synagoge in Koblenz

Das Architektenbüro aus Frankfurt hat ebenfalls die Synagogen in München oder Dresden geplant. Nach dem Entwurf sollen in dem Neubau 150 Gläubige bei Gottesdiensten Platz finden. Der schlichte Gebetsraum mit Lesepult und Toraschrein wird durch Oberlichter mit Licht durchflutet. Wie im orthodoxen Judentum üblich, gibt es eine Balustrade, von der aus Frauen getrennt von den Männern am Gottesdienst teilnehmen.

Zeichnung der Außenansicht der Synagoge (Foto: Architekten Wandel Lorch Götze Wach)
Die neue Synagoge und das Gemeindezentrum sollen auf einem Grundstück in der Weißer Gasse in der Koblenzer Altstadt entstehen. Architekten Wandel Lorch Götze Wach

Über das Kellergeschoss ist die Synagoge den Plänen nach mit dem neuen Gemeindezentrum verbunden, das neben dem Gebetshaus entstehen soll. Dort will die Gemeinde auch Interessierte zu Kultur- oder Diskussionsveranstaltungen einladen. Im Außenbereich des gut 1.000 Quadratmeter großen Geländes ist zudem eine abgesicherte Außenanlage sowie ein öffentlich zugänglicher Bereich geplant.

Moderne Architektur knüpft an die Wurzeln des Judentums an

Dem Architekten Wolfgang Lorch aus Frankfurt war wichtig, Metaphern des Judentums in seinem Entwurf anzudeuten. So lehne sich die Architektur des Neubaus an das Bild des jüdischen Tempels und des Zeltes an, erläutert Lorch. Beides seien Symbole jüdischen Lebens und stünden für Beständigkeit und für den alttestamentarischen Auszug aus Ägypten.

Damit knüpfe der Neubau der Synagoge an die Wurzeln des Judentums an und hebe sich deutlich von der Architektur ehemaliger Synagogen in Deutschland ab. Vor ihrer Zerstörung während des Holocausts seien diese meist christlichen Gotteshäusern nachempfunden worden, so Lorch.

"Der Neubau ist ein Symbol für den Neuanfang jüdischen Lebens in Koblenz"

Der Vorsitzende der Gemeinde Avadislev Avadiev sieht in der neuen Synagoge daher auch ein Symbol für den Neubeginn des jüdischen Lebens in Koblenz. Seine Gemeinde in und rund um Koblenz sei während der vergangenen Jahre gewachsen. Derzeit zähle sie fast 900 Mitglieder, schildert Avadiev. Viele von ihnen kämen aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Zudem kämen auch Gläubige zum Gebet, die aus der Ukraine geflüchtet seien.

Avadislav Avadiev und Heribert Heinrich von der Jüdischen Gemeinde in Koblenz (Foto: SWR)
Avadislav Avadiev, Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz und Heribert Heinrich vom Förderverein zum Neubau der Koblenzer Synagoge freuen sich über den Entwurf.

Seit fast zehn Jahren hat sich die Gemeinde nach eigenen Angaben für den Neubau der Synagoge eingesetzt. Insgesamt soll das Bauvorhaben rund sechs Millionen Euro kosten. Den größten Teil davon wollen der Bund, das Land Rheinland-Pfalz und die Stadt Koblenz zahlen.

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