Infekte, kranke Kinder und dann wird auch noch der Fiebersaft knapp: Gesundheitsminister Lauterbach hatte vor Weihnachten Gegenmaßnahmen angekündigt, nun wird ein erster Schritt getan. Ob er hilf, ist offen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Annette Riedl)

Skepsis bei Verbänden

Fehlende Medikamente für Kinder: Zweifel an Lauterbachs Lösung

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Infekte, kranke Kinder und dann wird auch noch der Fiebersaft knapp: Gesundheitsminister Lauterbach hatte vor Weihnachten Gegenmaßnahmen angekündigt, nun wird ein erster Schritt getan. Ob er hilft, ist offen.

Für bestimmte Kindermedikamente wie Fiebersaft oder Zäpfchen können die Krankenkassen den Herstellern ab 1. Februar vorübergehend mehr Geld zahlen. Damit soll der momentanen Knappheit bei diesen Arzneimitteln begegnet werden. Wie der Spitzenverband der Krankenkassen (GKV) am Dienstag mitteilte, werden die sogenannten Festpreise für bestimmte Arzneimittel mit den Wirkstoffen Ibuprofen und Paracetamol sowie für Antibiotika für drei Monate ausgesetzt.

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Verband der Ersatzkassen nicht überzeugt

Der Verband der Ersatzkassen (vdek) in Rheinland-Pfalz sieht das skeptisch: "Die nun beschlossene befristete Aussetzung der Festbeträge für bestimmte Kinderarzneimittel soll vor allem kurzfristige Aufzahlungen verhindern", teilte vdek-Landesvertreter Martin Schneider dem SWR mit. Doch diese Maßnahme führe nicht automatisch zu einer Beseitigung der Lieferprobleme. Problematisch sei zudem dass mit dieser Aussetzung "wichtige wettbewerbliche Instrumente wie die Festbetragsregelungen bei patentfreien Arzneimitteln ausgesetzt werden".

Aussetzung löst nicht nachhaltig

Die Regelungen würden zu einer weiteren Verteuerung der Arzneimittelversorgung führen, so Schneider. "Eine pauschales Aussetzender Festbeträge für Kinderarzneimittel erhöht die Gewinne der Pharmaindustrie, aber sie löst nicht nachhaltig die Probleme", so der vdek-Vorsitzende. Es sei daher gut und richtig, dass die nun beschlossene Aussetzung lediglich für einen befristeten Zeitraum für drei Monate wirkten.

"Statt nur mehr Geld auszuschütten, benötigen wir eine umfassende Arzneimittelstrategie, die in der Lage ist, die Versorgungssicherheit langfristig zu gewährleisten", sagte Schneider. Er fordert einen runden Tisch mit allen Beteiligten: Pharmaindustrie, Großhandel, Krankenkassen und Apotheken.

Bundesverband sieht Lösung als Schnellschuss

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie reagiert ebenfalls zurückhaltend. Ob die Aussetzung der Festbeträge kurzfristig tatsächlich zu einer besseren Verfügbarkeit von Produkten auf dem deutschen Markt führe, bleibe abzuwarten, sagte der Verbandsvorsitzende Hans-Georg Feldmeier. Systeme, die über lange Zeit kaputtgespart worden seien, könnten nicht per Schnellschuss geheilt werden. Der Verband verwies auf Kostendruck und forderte Erleichterungen im Festbetragssystem nicht nur bei Kindermedikamenten.

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