Eine Frau hält an einer Tankstelle an einer Zapfsäule eine Zapfpistole in der Hand und betankt ein Auto.

Fragen und Antworten zum erdölfreien Sprit

HVO100: Jetzt kommt der saubere Dieselkraftstoff nach Rheinland-Pfalz

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AUTOR/IN
Mark Kalbus

Auch in Rheinland-Pfalz haben Dieselfahrer künftig mehr Auswahl an der Zapfsäule: Der neue Kraftstoff HVO100 verspricht, deutlich klimafreundlicher zu sein als normaler Diesel. Hier erfahren Sie alles, was Sie wissen müssen.

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Was ist HVO100?

HVO100 ist ein alternativer Kraftstoff für Dieselmotoren, der komplett aus Resten und Abfällen besteht. Dazu gehören etwa Fette aus Großküchen, Holzreste, Zelluloseabfälle und Fischreste. Das Kürzel HVO steht für "Hydrotreated Vegetable Oils". Gemeint ist, dass die Abfälle durch den Einsatz von Wasserstoff und Energie zu Kohlenwasserstoffen umgebaut - also hydriert - werden. Optisch ist HVO recht unscheinbar: Der Kraftstoff ist durchsichtig wie Wasser und ziemlich geruchlos. Bisher durfte Biosprit dem herkömmlichen Diesel nur bis zu 7 Prozent beigemischt werden (daher die Bezeichnung B7). Künftig können es bis zu 100 Prozent sein.

Wie erkenne ich HVO100 an der Tankstelle?

An Zapfsäulen trägt HVO100 die Bezeichnung "XtL". Dieses steht für "X to Liquid“ - also eine aus einem beliebigen Stoff gewonnene Flüssigkeit. Unter dieser Bezeichnung könnten künftig auch synthetische Kraftstoffe (E-Fuels) angeboten werden, sofern sie denn irgendwann einmal produziert werden. E-Fuels haben aber keinen biogenen Ursprung, sondern werden künstlich aus Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid hergestellt. Mitunter werden HVO100 und E-Fuels verwechselt, sie stellen aber zwei unterschiedliche Kraftstoffarten dar.

Ist der neue Diesel gut für die Umwelt?

Für den Klimaschutz könnte HVO100 durchaus eine Chance bieten. Laut Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) geht HVO100 mit rund 90 Prozent weniger CO2-Emissionen einher als fossiler Diesel. Entscheidend ist jedoch die Herkunft der Abfälle und Speisereste, aus denen HVO gewonnen wird. "Nur wenn nachhaltige Rohstoffe zur Herstellung eingesetzt werden, ist HVO auch nachhaltig", heißt es vom Bundesumweltministerium. So könne der Kraftstoff auch aus Palmöl hergestellt werden. Die Produktion von Palmöl trage jedoch zu Treibhausgasemissionen bei und führe zu großen Verlusten bei der Artenvielfalt. Dieselfahrer sollten sich also genau informieren, wie HVO100 im Einzelfall hergestellt wurde.

Eine Flasche mit dem Biokraftstoff HVO (Hydrotreated Vegetable Oil) und eine Flasche mit Dieselkraftstoff stehen bei einem Pressetermin auf einem Tisch.
Auch optisch macht HVO100 einen saubereren Eindruck als fossiler Diesel.

Was kostet HVO100?

Der Bundesverband der freien Tankstellen (BfT) erwartet, dass HVO100 im Schnitt 15 bis 20 Cent teurer sein wird als herkömmlicher Diesel. Das legten Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern nahe. Der Grund liegt auf der Hand: Die Produktion von HVO100 ist kostspieliger als die von fossilem Diesel.

Verträgt jeder Dieselmotor den neuen Kraftstoff?

Grundsätzlich ist HVO100 für jeden Dieselmotor gedacht. Man sollte sich aber schlau machen, ob das tatsächlich auch auf den eigenen Motor zutrifft. Eine Liste des ADAC gibt Aufschluss darüber, für welche Modelle der Kraftstoff bereits freigegeben wurde. In dieser findet man allerdings nur Angaben von Fahrzeugherstellern, die auf die ADAC-Umfrage geantwortet haben. Der Verband empfiehlt daher, die Bedienungsanleitung und den Tankdeckel des Wagens zu prüfen. Findet man dort ein Kästchen mit der Abkürzung "XtL", kann der neue Kraftstoff gezapft werden. 

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Ab wann kann ich HVO100 tanken?

Mit der Änderung der 10. BImSchV (Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes) darf HVO100 nun an Tankstellen in Deutschland offiziell in den Verkehr gebracht werden - am 26. April hat eine Tankstelle in Berlin die erste für alle zugängliche Zapfsäule mit dem neuen HVO100 Diesel eröffnet. Vorher verkauften einige Tankstellen HVO100 schon an geschlossene Kundenkreise - etwa den öffentlichen Nahverkehr, das Speditionsgewerbe und die Landwirtschaft.

Wie viele Tankstellen in Rheinland-Pfalz wollen HVO100 anbieten?

Genau können das die Interessenverbände nicht beziffern. Der Bundesverband freier Tankstellen (BfT) erklärt jedoch, dass in Rheinland-Pfalz "relativ viele" seiner Mitgliedsbetriebe HVO100 anbieten wollten. Landesweit gehören dem Verband 200 Tankstellen an.

Seit dem 2. Mai gibt es den Treibstoff an der ersten Tankstelle in Rheinland-Pfalz, nämlich in der VG Dietz an der Tankstelle Schwarz.

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Gibt es den Kraftstoff auch in anderen europäischen Ländern?

Deutschland ist bei HVO100 ein Nachzügler. In vielen anderen europäischen Ländern kann der erdölfreie Diesel bereits getankt werden - etwa in Schweden, den Niederlanden und Litauen. Der Energieverband Uniti, der rund 40 Prozent der deutschen Tankstellen vertritt, hat rund 600 Tankstellen gezählt, an denen dies möglich ist. Auch in den USA ist der Kraftstoff für den Privatverbrauch freigegeben.

Was sagt die Autoindustrie zum neuen Sprit?

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) begrüßt die Einführung von HVO100. Erneuerbare Kraftstoffe könnten einen maßgeblichen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele im Verkehrssektor leisten, sagt VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Die Kraftstoffe seien "die passende und dringend notwendige Ergänzung" zur Elektromobilität.

Wie groß ist die Bedeutung von HVO100 für die Wirtschaft?

Die ist durchaus groß - zumindest für die Transport- und Logistikbranche. Der Verband der freien Tankstellen (BfT) schätzt, dass der neue Kraftstoff zu 80 Prozent von Unternehmen aus diesem Bereich gekauft werden wird. Auch für Unternehmen, die Fahrzeugflotten betreiben, dürfte HVO100 interessant sein, vermutet der Energieverband Uniti. Denn solche Unternehmen könnten so gesetzliche CO2-Vorgaben mit bestehenden Fahrzeugen leichter erreichen. Der finnische HVO100-Hersteller Neste rechnet damit, dass biogene Kraftstoffe bis 2040 etwa eine Milliarde Tonnen Rohöl ersetzen können. Das macht etwa 40 Prozent des weltweiten Bedarfs im Transport aus.

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