Millionen Neuinfektionen

Kommt Corona bald zurück?

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INTERVIEW
Florian Rudolph
ONLINEFASSUNG
Sebastian Felser
Sebastian Felser steht im Gang eines SWR-Gebäudes.  (Foto: SWR)

In China stecken sich gerade sehr viele Menschen mit dem Corona-Virus an. Obwohl rund 90 Prozent der Menschen schon es schon hatten, ist Covid-19 auf dem Vormarsch. Kommt doch noch eine Pandemie-Welle auf uns zu?

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Diesen Sommer scheint es so zu sein, als hätten wir die Pandemie endgültig hinter uns gelassen: Die Corona-Beschränkungen sind Geschichte, nur ab und zu sehen wir noch Menschen mit Masken, die "Corona-Warn-App" ist im Winterschlaf. Corona wirkt weit weg. Umso bedrohlicher wirkt, was gerade in China passiert. Das Corona-Virus ist aktuell die mit Abstand häufigste Infektion.

Corona-Welle in China trotz "Durchseuchung"

Rund 90 Prozent der Chinesinnen und Chinesen hatten bereits ein Mal Covid-19, die Impfquote ist hoch, aber das allein ist kein vollständiger Schutz, sagt die Münchner Virologin Ulrike Protzer: "Wir wissen das ja auch von uns, dass man mit einer einmaligen Corona-Infektion nicht geschützt ist. Man bekommt einen relativ guten Schutz durch eine sogenannte hybride Immunisierung - das heißt, wenn man eine Infektion plus eine Impfung hatte. Das hilft dann deutlich besser."

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Hohe Impf-Quote, aber chinesischer Tot-Impfstoff weniger effizient als mRNA-Impfungen

Anders als in Europa und Nordamerika zum Beispiel hat China einen klassischen "Totimpfstoff" entwickelt. Hier wird das Virus "angezüchtet und dann abgetötet", erklärt Protzer. "Der ist deutlich weniger effizient als die Impfstoffe, die wir hier eingesetzt haben." Auch das könnte laut der Virologin ein Grund für die hohe Ansteckungsquote in China sein.

Neue Virus-Varianten können entstehen

China hat mit einer Milliarde Menschen eine enorme Bevölkerungsgröße. Ein solches Infektionsgeschehen in einem so großen Land ist wenigstens Anlass für Protzer, hier genauer hinzuschauen: "Das Risiko, dass sich neue Varianten bilden, ist relativ hoch, weil die sich immer dann bilden, wenn das Virus sich stark vermehrt - und das tut es." Anlass zur Panik sei das aber nicht. Grundsätzlich rechnet Protzer damit, dass die Evolution neue Virusvarianten weiterhin ansteckender, aber nicht stärker krank macht: "Was ist gefährlich? Ist gefährlich, wenn ein Virus stärker krank macht oder ist es gefährlich, wenn ein Virus ansteckender wird?"

Ein Temperaturerfasser kontrolliert den Eingang zu einer Fabrik der Northern Heavy Industry Group. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/XinHua | Yang Qing)
Masken, Tests und Temperaturmessungen gehörten zum Pandemie-Screening in China

Trotz hoher Zahlen: Pandemie-Gefahr kaum gegeben

Eine Rückkehr der Pandemie-Lage sieht Protzer nicht bevorstehen: "Das halte ich für relativ unwahrscheinlich", sagt sie. Dafür sei die Immunisierung global zu weit fortgeschritten: "Aus der Mischung von Impfungen plus Infektionen sehe ich jetzt nicht die Gefahr, dass wir wieder eine Pandemie mit Einschränkungen wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Art kriegen." Die Virologin schränkt aber ein, "dass es Infektionswellen geben kann, das kann man natürlich nicht ausschließen."

Reisebeschränkungen nicht sinnvoll - Überlegung, ob China-Reise nötig ist, schon

"Einreisebeschränkungen halte ich nie für sinnvoll, weil wir haben immer gesehen, bei allen vorherigen Wellen: Man kann durch Einreisebeschränkungen Viren nicht aufhalten", sagt die Münchner Virologin. Sie rät eher zu umgekehrten Überlegungen: "Umgekehrt sollte man sich aber natürlich überlegen, wenn man selber eine gesundheitliche Gefährdung hat, ob man im Moment nach China reisen möchte. Das muss man sich natürlich gut überlegen."

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