Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) verlässt mit seiner Aktentasche in der Hand im Bundestag den Plenarsaal.

Selbstdarstellung von Politikern im Netz

Meinung: Scholz' saublöde Aktentasche

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Martin Rupps
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Politikerinnen und Politiker sollen mehr Einblicke in ihren Arbeitsalltag geben jenseits der offiziellen Termine, meint Martin Rupps.

Der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) findet Aktentaschen auf TikTok „saublöd“, wie er dort kundtut. Das ist eine Breitseite gegen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), der auf TikTok mit seiner abgewetzten, weil fast 40 Jahre alten, Aktentasche posiert. Ich frage mich, wo die Akten- oder Laptop-Taschen all der anderen Politikerinnen und Politiker geblieben sind. Oder sonstige Hinweise in Selbstdarstellungen, dass sie tatsächlich arbeiten.

Ich erinnere mich an „Tagesschau“-Bilder, wie SPD-Legende Herbert Wehner seine prallgefüllte Tasche auf einen Tisch wuchtet. Oder Helmut Kohl am Schreibtisch Pfeife rauchend Akten liest. Politikerinnen und Politiker der Gegenwart sitzen auch heute noch an Schreibtischen, doch meiden sie meist Bilder mit dieser einstigen Insignie der Macht. Auch Zeichen des persönlichen Sich-Mühens und Fleißes – etwa ein abgekämpfter Gesichtsausdruck am Ende eines langen Arbeitstages – kommen in der Selbstdarstellung nicht vor.

Martin Rupps
Die Meinung von Martin Rupps

Fotos im Jogginganzug statt am Schreibtisch

Stattdessen wählen Scholz und Co. Bilder, auf denen sie gutgelaunt Hände schütteln oder mit Gesprächsgästen in Kameras lächeln. Ehrwürdig schreiten sie für Statements an Mikrofone ohne Sprechzettel oder Smartphone in der Hand. Gern posten sie Bilder aus der Freizeit, Friedrich Merz beim Joggen zum Beispiel. Was wohl ausdrücken soll: Ich halte mich fit für mein verantwortungsvolles Amt.

Ich fände es gut, wenn Olaf Scholz und Co. noch mehr Einblicke in ihren Arbeitsalltag geben würden jenseits der offiziellen Termine. Sie würden daran erinnern, dass Politik nicht hauptsächlich mit Pose zu tun hat, sondern mit Denken, Lesen und Schreiben.

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Diese und weitere Fragen diskutieren wir mit Marina Weisband. Sie ist Publizistin, Digitalpolitikerin, Psychologin und bekannt als ehemalige Sprecherin der Piratenpartei, Nun engagiert sie sich bei den Grünen.

Johannes Hilje, Berater für Politik und Kommunikation, betont die Wichtigkeit für andere Parteien, ebenfalls auf TikTok präsent zu sein. Ein Feld kampflos der AfD zu überlassen, sei riskant. Wichtig sei es, Emotionen zu wecken und demokratische Werte zu kommunizieren – eine Herausforderung.

Habt ihr bereits Inhalte der AfD auf TikTok gesehen? Was haltet ihr davon?
Schickt uns eure Meinungen per E-Mail an kulturpodcast@swr.de.

Host: Christian Batzlen
Showrunner: Stephanie Metzger

Links:
Marina Weisband https://marinaweisband.de/
Joannes Hilje: https://johanneshillje.de/blog/

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