Eine Hundewelpe im Ulmer Tierheim. Er stammt aus einer überfüllten Zucht in Langenenslingen (Kreis Biberach) (Foto: SWR, Philipp Link-Ehnert)

Verhaltensgestörte Tiere bleiben lange

Kein Platz mehr im Tierheim Ulm

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Das Tierheim Ulm muss derzeit Menschen wegschicken, die ihren Hund oder ihre Katze dort abgeben wollen. Gründe sind nicht nur die Sommerferien oder die Coronapandemie.

"Alle Pensionsplätze sind belegt", sagt der Ulmer Tierheimleiter Ralf Peßmann (Audio). Die Einrichtung in Ulm könne momentan keine Katzen oder Hunde mehr aufnehmen, man sei bis unter das Dach voll.

Gründe für den Platzmangel im Tierheim sind laut Peßmann aber nicht nur die Sommerferien oder die Coronapandemie. Schon seit Jahren zeichne sich ab, dass die Tierheime an ihrer Grenze sind.

Die Anzahl der Tiere, die im häuslichen Umfeld leben, sei durch Corona explodiert. Dementsprechend sei auch die Zahl der Tiere deutlich gestiegen, die Menschen wieder abgegeben wollten.

"Wir laufen in eine Phase rein, die nicht nur unser Tierheim, sondern bundesweit Tierheime an die Grenze bringt."

Tierheim Ulm betreut viele verhaltensauffällige Tiere

Hunde stehen in einem Zwinger - sie wurden in einem verwahrlosten Haus gefunden (Foto: SWR)
Auch diese Hunde fanden eine Bleibe Ulmer Tierheim. Sie waren in einem verwahrlosten Haus in Munderkingen (Alb-Donau-Kreis) gefunden worden.

Hunde beispielsweise seien vor einiger Zeit noch vorwiegend ins Tierheim gekommen, weil sich jemand getrennt hatte und in der neuen Wohnung kein Platz mehr für ein Haustier war. Andere Fälle gab es laut Peßmann auch: "Wenn ältere Menschen das Hundle nicht mit ins Pflegeheim nehmen konnten, dann wurde es oft im Tierheim abgegeben."

Das habe sich inzwischen komplett geändert: Es seien die verhaltensauffälligen bis verhaltensgestörten Tiere, die inzwischen im Tierheim nur noch abgegeben werden und die Plätze längerfristig belegen. Denn diese Tiere müssten besonders betreut werden.

"Die haben eine deutlich längere Verweildauer. Weil, man muss mit denen erst arbeiten, muss sie trainieren. Also, das System, das mal funktioniert hat, funktioniert so nicht mehr."

Deutlich weniger Spenden für Tierheim

Ein weiterer Punkt ist die Kostenexplosion in der aktuellen Situation. "Es ist alles sehr schwierig geworden", betont Peßmann. Es werde zudem weniger gespendet. Das mache sich bemerkbar.

"Das heißt: Die Kosten steigen massiv, die Einnahmen werden weniger - die Rechnung geht am Ende nicht auf."

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